Zuwachs

Klemens Pilsl und Eva Immervoll sagen freundlich „Willkommen“ zu den neuen Mitgliedsinitiativen.

 

So flexibel und undogamatisch die KUPF auch in weiten Teilen ihrer Arbeit scheint – die Liturgie einer KUPF-Jahreshauptversammlung ist im Wesentlichen unumstößlich. So gehört das Aufnehmen (oder auch Ablehnen) neuer Mitgliedsinitiativen zum jährlichen Prozedere wie das „Prost” zum Bier. Auch auf der heurigen Versammlung in Lambach beantragten sechs Initiativen ihre Aufnahme in die KUPF, alle sechs Anträge wurden von den Deligierten der KUPF-Vereine mit absoluter Mehrheit angenommen. Schließlich profitieren nicht nur die neuen Vereine vom Know-How der KUPF, auch umgekehrt profitiert die Kulturplattform von einer möglichst breiten und bunten Basis und neuen Perspektiven. Und nicht zuletzt stärkt ein breiter Rückhalt in der OÖ. Kulturszene auch die Legitimation der KUPF gegenüber ihren VerhandlungspartnerInnen. Dieser Artikel soll unsere sechs neuen Mitglieder kurz vorstellen. Wir freuen uns über den Zuwachs und sagen freundlich „Willkommen!”.

justasirisdid
JustAsIrisDid ist zugegeben ein eigenartiger Name: die sich aufdrängende Frage nach eben jener Iris („Who the ***** is Iris?”) scheint aber trotz Nachbohren bei den NamensgeberInnen leider nicht beantwortbar. Eine Iris gibt’s in den Reihen der Initiative jedenfalls nicht. Dafür gibt’s aber zum Beispiel eine Doris, und die ist Checkerin und eine der AktivistInnen dieses jungen Vereins, der sich vor allem um musikalische Subversion in seiner direkten Umgebung (Pregarten) bemüht. Wobei es sich eben diese Umgebung und die Initiative gegenseitig nicht leicht machen: Erstere geizt mit Locations, Zweitere schwört auf laute Rockmusik vollgestopft mit radikaldemokratischen Inhalten. Ein naturgemäß schwieriges Verhältnis, das den Verein Zeit seines Bestehens (so um die zwei Jahre) zum Ausweichen auf Räumlichkeiten außerhalb der Homebase-Gemeinde zwingt. Was aber letztendlich auch den Network-Gedanken stärkt und Freundschaften, etwa zu den KollegInnen von WOAST, bringt. Um die düsteren Tage ohne Location etwas abzukürzen haben JustAsIrisDid unlängst ihren ersten Sampler produziert, vollgepackt mit internationalen Hardcoreacts der oberen Qualitätsliga, von denen einige auch schon selbst zu Gast bei Vereinsveranstaltungen waren. Und brauchen sich mit dem Ergebnis nicht verstecken… da haben schon renommiertere Labels weniger Gutes geboten. Und was besonders schön ist: Produktion und Vertrieb passieren in der alten Punkrock-Tradition des Do- It-Yourself. Sogar die Cover sind selber gemacht. Und sie sind wunderschön!

www.justasirisdid.at

Funkenflug- Kremstaler Kulturinitiative
Im Büro der KUPF hängt eine OÖ Karte, in der alle Mitgliedsvereine, die mit einer kleinen, gelben Stecknadel markiert sind. In der Region Kremstal sah es bis vor der Jahreshauptversammlung einsam aus – kein KUPF-Mitgliedsverein weit und breit. Cultural desert im Kremstal? Das hat sich aber mit der Aufnahme des Vereins Funkenflug nun geändert. Der Funke flog dort schon einmal. Aber wie das bei Funken manchmal so ist, verglühen sie nach einiger Zeit und so gab es bei diesem Verein eine Pause von 10 Jahren. Nach diesem Aus haben nun 2004 eine Handvoll junger Leute beschlossen nicht nur den Namen des alten Vereins wieder zu beleben, sondern gleich die Regionen Kirchdorf und Micheldorf dazu. Hier gibt es Rock, Schrottrock, Vernissagen, … und das alles für vornehmlich Menschen unter 30 zu „leistbaren Eintrittspreisen”. Jawoll. Außerdem wurde ein KünstlerInnenpool eingerichtet, wo z.B. auch MaultrommelspielerInnen vermittelt werden – denn, – so durften wir erfahren – hat das Maultrommelspielen in dieser Region eine lange Tradition. Hier saust ein Kulturfunke in eine Region, der richtig schön schmort und das Kulturherz hoffentlich gut warm hält.
mailto:funkenflug@kremstalnet.at

PANGEA
Pangea ist für die KUPF keine Unbekannte: Etliche Beiträge in der KUPF-Zeitung bzw. im KUPF-Radio drehten sich bereits um diese bemerkenswerte Linzer Initiative, die im Spannungsfeld von Kultur- und Sozialarbeit agiert. Pangea geht aus einem Projekt des KUPF-Mitgliedvereins MEDEA hervor und ist erst seit 2005 ein eigenständiger Verein. Herzstück der Arbeit ist die multikulturelle Medienwerkstatt in der Linzer Marienstraße, in der sich junge MigrantInnen, Asylsuchende und ÖsterreicherInnen begegnen. Die Medienwerkstatt bietet für ihre BesucherInnen offenen Zugang zum Internetz und entwickelt mit ihnen kulturpolitische und künstlerische Projekte. Pangea ist eine offensiv antirassistische Initiative, die Menschen unabhängig ihrer geographischen, ethnischen oder sozialen Herkunft verbindet. Trotz eines unübertrefflich hohen Grades der Selbstausbeutung der MitarbeiterInnen, trotz Sparsamkeit an allen Ecken, trotz Verwendung lizenzfreier Software (z.B. Linux) steht der Verein permanent vor dem Bankrott. MitarbeiterInnen wurden auch schon zeitweise entlassen, da sie nicht mehr bezahlt werden konnten. Trotz etlicher Preise, Anerkennungen und offensichtlich ebenso erfolgreicher wie notwendiger Arbeit weigerten sich die zuständigen Subventionsgeber hartnäckig, die Leistungen von Pangea an zu erkennen und sie dementsprechend zu fördern. Erst in jüngster Zeit gelang es Pangea, Gelder von Stadt und Land für die mittelfristige Stabilisierung des Vereins zu erkämpfen. Die KUPF wird Pangea in ihrem weiteren Vorgehen jedenfalls tatkräftig unterstützen und hofft auf eine Stabilisierung der Verhältnisse über das Jahr 2006 hinaus.
www.pangea.at

tool
Aus dem Innviertel kommen die Elektroheads von tool. Der Rieder Verein hat seit seiner Gründung im Jahr 2002 beinahe 6.000 BesucherInnen mit qualitativ hochwertiger, internationaler und österreichischer Gegenwartskunst begeistern können. Wobei die tool-Crew zumeist gezwungen ist, ihre Acts außerhalb der Heimatgemeinde zu präsentieren – meist bietet der Schl8hof Wels die zuhause nicht gegebene Veranstaltungsmöglichkeit. Ein besonderes Anliegen des Vereins ist es, jungen KünstlerInnen (meist MusikerInnen) die Chance zu geben, sich öffentlich vorzustellen und zu präsentieren – oft in Zusammenarbeit mit renommierten Kulturvereinen (Schl8hof Wels, Kunst im Keller Ried, … usw.). Was natürlich den Austausch und das gegenseitige Verständnis dieser KUPF-Mitgliedsvereine fördert. Programmatisch präsentiert tool vor allem Beats und Elektrosounds: neben dem regelmäßigen Tekk-Club subzone entspringt auch das jährliche Goa-Festival moonsun der Rieder Initiative. Aber auch das Konzertformat oder die jamaikanische Dancehall werden gelegentlich bedient … engstirnige Scheuklappen gibt´s da keine. tool trägt somit bei zur Vernetzung der oft stilistisch (Acid- Hardcore vs. Fahrstuhl-House) und inhaltlich (FreeTekk vs. Kommerzrave) zerstrittenen FreundInnen elektronischer Musik, wobei die Sympathien immer dem selbstorganisierten Underground gelten. Gut so!
www.verein-tool.com

SPACEFfemFM
Das SPACEfemFM-Frauenredaktionsteam sendet seit fünf Jahren dreimal monatlich eine Stunde Programm bei Radio FRO. SPACEfemFM ist aber mehr als nur ein Sendungsname, es ist ein Raum im Äther, der allen Frauen offen steht. Unter dem Motto Frauenräume / Frauenthemen / Frauenstimmen kann hier jede Radio machen. Derzeit verbergen sich hinter der Sendung sieben Frauen (darunter die neue KUPFVorstandsfrau Susanne Wiesmayr), die unterschiedliche Jobs, unterschiedliche Schwerpunkte und unterschiedliche Interessen haben. Die bisher behandelten Themen reichen von Frauen in interkulturellen Partnerschaften, Frauenvernetzungsstellen, Buchpräsentationen zu Frauenthemen bis hin zu Frauenportraits oder Genitalverstümmelungen. Zumindest einmal pro Monat gibt es ein Redaktionstreffen von SPACEfemFM, bei dem Themen, Daten, Verantwortlichkeiten festgelegt werden. Die Sendungen werden mittlerweile in ganz Österreich gehört, ebenso bemüht sich SPACEfemFM um die Austrahlung anderer österreichischer Frauen-Radiosendungen. Wichtiger Arbeitspunkt sind die Radiofeatures: Hauptdarstellerinnen dieser sind Künstlerinnen-Persönlichkeiten aus Österreich, die in verschiedenen künstlerischen Ausdrucksformen (Literatur, Bildende Kunst, Medien, Musik, etc. …) arbeiten. Inhaltlich sind die KünstlerInnen-Portraits auf die Gesamtpersönlichkeit „Künstlerin” konzipiert: mehrere Gestaltungselemente (Interview mit der Künstlerin, Interview mit Personen, die das Werk der Künstlerin kennen, Fremdtexte, Literatur-Ausschnitte, etc. .., Jingles, Toncollagen und Musik) prägen den Rhythmus der Radiofeatures.
mailto:spacefemfm@fro.at

GUK

GUK ist die Abkürzung für „Gemeinnütziger Ungenacher Kulturverein”. Und Ungenach liegt im Hausruckviertel – an den südlichen Ausläufern des Hausruckwaldes, etwa 6 Kilometer von Vöcklabruck entfernt. Eine klassische OÖ. Kleingemeinde mit 1.349 EinwohnerInnen (zumindest war das 1999 so). Sieht man sich Fotos von der Gemeinde an, mutet alles sehr idyllisch. Aber bei genauerer Betrachtung entdeckt man, das hier irgendetwas anders ist. So z.B. das Wappen von Ungenach: eine gelbe Kröte unter einer Sonne? Außerdem ca. 10 UngenacherInnen, die 2005 beschlossen, einen verwaisten Kulturverein zu adaptieren und neu zu beleben. Gesagt getan. Oberstes Credo: keine Veranstaltungen einkaufen, sondern selbst produzieren, Bezug nehmen auf das Vorhandene und den Bezug zur Umgebung suchen! So sollen bei der Landesausstellung in Ampflwang große schwarze Figuren unter dem Titel „Schichtwechsel” rechts und links der Straße nach Ampflwang aufgestellt werden um auf die ehemaligen Bergleute hinzuweisen, die nach Ampflwang „in die Schicht” gingen. Oder ein Filmprojekt zum Thema Schweigen, welches in Ungenach Grossflächig projiziert wird. Unter dem Namen „LandArt” wird mit Mist bzw. Misthaufen gearbeitet. Aber mehr wird hier noch nicht verraten.
mailto:panhofer@ungenach.at

Klemens Pilsl ist im Vorstand der KUPF und Geschäftsführer der Kapu/Linz.

Eva Immervoll ist Geschäftsführerin der KUPF – Kulturplattform OÖ.

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