Gedanken eines Twens!

Altwerden ist keine Leistung und 20 Jahre sind ein Anlass, mehr nicht!

 

Von Stefan Haslinger .

Das kann ja heiter werden! Da hüpft ein Dachverband 20 Jahre durch die oberösterreichische Kulturlandschaft, mäandert zwischen Anecken, Anpassung, lästig sein und Bauchpinseln, und im Endeffekt bleiben ein Fest und eine Publikation!

Und beim Fest spricht dann noch der Landeskulturreferent und man fragt sich: „Muss das jetzt wirklich sein? Geht’s nicht noch ein bisschen angepasster?”. Wo bleibt der aufmüpfige, revolutionäre Geist, der Aktionismus, die Opposition? Wo die Spitze des Stachels im Fleisch? Wir sind schon wieder knapp davor uns selbst in Frage zu stellen, knapp davor die Selbstzerfleischung ins Unermessliche zu treiben. Gut so? Was also ist mit Feierstimmung – Jubelschrei? Vielleicht mal vorweg: Alter – oder das Altwerden ist keine Leistung, also sind auch 20 Jahre per se kein Anlass in große Euphorie auszubrechen. Verbunden mit den Ereignissen, welche in diesen 20 Jahren den Weg der KUPF – Kulturplattform Oberösterreich säumten, ist die große Ambivalenz der Reflexion angesagt. Es gilt Erreichtes gegen Unerfülltes aufzuwiegen, es gilt Basisignoranz und Mitgliederbeteiligung aufzurechnen, und zu schauen was unterm Strich übrigbleibt.

Es gilt, das, was die KUPF – Kulturplattform Oberösterreich in beinahe unreflektiertem Paternalismus ihren Mitgliedern gegenüber ständig einfordert, sich selbst aufzuerlegen: Reflexion in Permanenz. 20 Jahre sind ein Anlass, mehr nicht! Doch gerade solche Anlässe bieten die Möglichkeit über den Tellerrand und den Schrebergartenzaun hinaus zu schauen, und die Arbeitszusammenhänge zu reflektieren. Diese Arbeitszusammenhänge sind in einem Dachverband, einer Interessensvertretung anderes gelagert als in einer Kulturinitiative, aber im Kern geht es doch immer wieder um die zentrale Frage: „Für wen tun wir, was wir tun?”

Für die KUPF – Kulturplattform Oberösterreich kann die Antwort ja nur heißen: „Für die Mitglieder.” Im Laufe der 20 Jahre gibt es viele Wegmarkierungen, die dieser Antwort widersprechen. Da war schon einmal von „progressiver Basisignoranz” die Rede, da gab es schon einmal weniger Kontakt zu den Kulturinitiativen in der Region, da wurde das Büro schon als der Wasserkopf in Linz gesehen, der – mit nicht wenig Geld ausgestattet – die Gratwanderung zwischen Eigenprofilierungsinteressen und kulturpolitischen Zielsetzungen im Sinne seiner Mitgliedsinitiativen den zuerst Genannten den Vorzug gab. „Und warum schreibst du das jetzt?” „Warum versuchst du gerade im Jubeltaumel wieder auf Versäumnisse hinzuweisen, und dadurch die Entwicklung der KUPF madig zu machen?” Nun mal halblang. Von madig machen ist doch nicht die Rede. Aber die Rede muss, gerade angesichts einer Entwicklung, davon sein wie eine Organisation (ich sag jetzt nicht Institution) wie die KUPF die nächsten Jahre zu gestalten gedenkt. Und diese nächsten Jahre ziehen natürlich als Basis die Vorhergegangenen heran. Wir werden, auch nach 20 Jahren nicht umhin kommen, uns ständig danach zu fragen, was das Ziel unsers Tuns ist. Wir werden nicht umhin kommen mit dem Blick nach vorne gewandt die Errungenschaften und Versäumnisse der Vergangenheit zu berücksichtigen. Freie Kulturarbeit ist in Bewegung und muss lebendig und widerspenstig sein, statt statisch und opportun zu verfahren! Und das muss auch nach 20 Jahren auf dem Banner stehen, welches wir vor uns her tragen!

Stefan „Hasi” Haslinger Stefan Haslinger ist Geschäftsführer der KUPF – Kulturplattform Oberösterreich, und im Vorstand der IG Kultur Österreich.

 

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