Internetradio aus dem Rossmarkt

Nach mehrjähriger Vorlaufzeit startet mit 1. Mai das Internetradioprojekt radio rm1|. Die Struktur des Kulturvereins Rossmarkt bietet einer Hand voll junger Leute die Basis für die Umsetzung dieses Vorhabens. Walter Schwung und Jürgen Glück waren im Büro der Kupf und erzählten Genaueres.

 

KUPF: Wie kam es zu diesem Projekt RM1? RM1: Die ersten Ambitionen zum Radiomachen gab es 1995. Mit dem Wechsel der AktivistInnen im Rossmarkt versandete jedoch diese Idee wieder. Letztes Jahr wurde sie aber wieder aufgegriffen und ich kam, ausgestattet mit praktischer Erfahrung im Radiomachen, die ich in der Zwischenzeit gesammelt hatte, wieder zurück in den Rossmarkt. Da gab es nun wieder Interesse von Leuten, sich hier technisch und inhaltlich zu betätigen, und so haben wir die Idee Internetradio in das Jahresprogramm des Vereins aufgenommen.

Gibt’s eine Philosophie zu diesem Projekt? Die Philosophie heißt „Österreichische Bands“. Bands, die bei uns in den KIs absteigen und von den etablierten Radiostationen ignoriert werden und keine Chance bekommen. Meines Wissens nach ist das einzigartig in Österreich. Nur bloss keinen Austro-Pop! Dazu wollen wir den eigenen Gesetzen des Internet gehorchen und dahingehend auch die Hörbarkeit von „Radio rm1“ gestalten. Wir gehen davon aus, dass das Zielsegment von „radio rm1“ junge, kulturinteressierte HörerInnen sind. Wir präsentieren also junge österreichische Bands und Kultur für eine ganz spezifische Gruppe. Und das soll das Besondere sein, denn würden wir mehr in die Breite gehen, wären wir austauschbar.

Kultur ist ein breiter Begriff, könnt ihr das konkretisieren? Wir wollen vor allem die Kultur hörbar machen, die auch bei uns in den KI’s geboten wird. Aus diesem Kontext schöpfen wir unsere Inhalte. Darüber hinaus wollen wir ein regionales Netzwerk zeitgenössischer Kunst und Jugendkultur aufbauen. Das Radio ist hier das Kommunikationsmedium nach draußen.

Geht es bei eurem Projekt auch um Medienkompetenz? Klar. Und das fängt bei uns schon im Studio an. Das ist kein improvisierter Spielraum, sondern das Equipment umfasst sämtliche Komponenten, die auch in anderen Radiostudios zu finden sind – die Workstation, der OnAir-Mixer, die Ablaufsteuerung, CD-Player, Turntables, etc. Und mit dieser Basis spielen wir alle Stücke, die man vom Radiohören kennt. Wir sind zwar „nur“ ein Internetradio, aber die Arbeitsbedingungen sollen denen eines professionellen Radiobetriebes entsprechen. Denn wer weiss, was einzelne, die bei uns mitmachen, später für einen Beruf anstreben. Und da wollen wir uns sicher nicht lumpen lassen.

Wie finanziert ihr euch? In erster Linie finanzieren wir uns über das Vereinsbudget vom Rossmarkt und über Veranstaltungen. Dazu streben wir zusätzliche Förderungen von Land, Bund und EU an. Wir werden aber auch sicherlich keinem, der auf unserer Homepage oder in unserem Programm werben will und dem wir gut gesinnt sind, die Tür vor der Nase zuschlagen. Wenn wir ein Drittel unserer Kosten durch private Sponsorgeldern aufstellen können, sind wir glücklich.

Wie schaut RM1 2004 aus? Es wird Musik von österreichischen Nachwuchsbands gespielt, wir werden mit einem Radiobus zu Kulturinitiativen fahren und live senden, wir werden Konzerte übertragen, wir werden viele Zugriffe auf unserer Webseite haben und wir wollen Österreichs Kulturradio Nummer Eins im Internet sein.

Andi Liebl

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