Do It Yourself

Leitartikel von Christian Diabl über die Zukunft der Kulturfinanzierung.

Oberösterreich kürzt im Kulturbereich und wenn’s nach Kurz geht, werden wohl auch die Bundesförderungen bald zurechtgestutzt. Überraschend kommt das alles nicht, in den letzten Jahren hatte man ohnehin das Gefühl, einzig Josef Pühringer würde wie der treue Hodor die Türe zu und die neoliberale Sparideologie fern von der oö Kultur halten. Das ist natürlich übertrieben, aber zumindest den Status Quo hat er bewahrt, so unbefriedigend der aus Sicht der KUPF auch war. Finanziell bedeutete dieser ein langsames Aushungern der Freien Szene, denn für viele Initiativen sind die Förderungen seit Jahren und Jahrzehnten bestenfalls eingefroren, was inflationsbedingt zu einem massiven Wertverlust geführt hat. Nun soll es also noch schneller gehen und wir müssen der Realität ins Auge sehen. Ob uns das passt oder nicht, es steht zu befürchten, dass der Anteil von öffentlichen Geldern in den Budgets freier Kunst­ und Kulturinitiativen weiter sinken wird. Eine Besserung oder gar eine Trendwende ist in absehbarer Zeit nicht zu erwarten. Was also tun?

Die Antwort liegt auf der Hand. Wir müssen über Strategien nachdenken, wie wir zusätzliche Gelder aufstellen können. Und wir müssen das jetzt tun. Kulturarbeit wird künftig mehr von ökonomischem Denken geprägt und offener für Partnerschaften sein müssen. Die Bindung von Mitgliedern, Publikum und UnterstützerInnen wird wichtiger, um die Strukturen zu tragen. Eigenmittel heißt das Zauberwort, jenseits von Ehrenamt und Selbstausbeutung. Die Möglichkeiten reichen von ökonomischen Hilfsbetrieben über Crowdfunding und Förderkreisen bis hin zu Partnerschaften und Patronanzen. Im kleinen Stil gibt es das alles schon lange: hier eine Cocktailbar, dort ein Inserat und ab und zu eine Spendendose. Diese Ansätze gilt es nun zu professionalisieren und in individuelle Finanzierungskonzepte zu gießen. Einfach wird das nicht und auch die KUPF hat keine Patentrezepte in der Schublade. In letzter Zeit hat eine Reihe von Kulturinitiativen aber bereits gute Erfahrungen gemacht. Die KAPU­-Bar etwa wird seit drei Jahren als vereinseigener Betrieb geführt und der Gewinn kommt unmittelbar der Kulturarbeit zugute. Für den Entschluss, das Beisl wieder eigenverantwortlich zu führen, gab es soziale, kulturelle und programmatische Gründe. Letztlich war es aber eine strategische Entscheidung, eine Investition in die Zukunft, ein kleiner Schritt in Richtung mehr Unabhängigkeit. Ein anderes Beispiel ist die Initiative Raumschiff, die wiederum die Sanierung ihrer neuen Location auf dem Pfarrplatz mit viel ehrenamtlichem Engagement und mit Crowdfunding finanzieren konnte. Und was mit Kreativität und Mut geschaffen werden kann, hat das HabiTAT eindrucksvoll bewiesen und in DIY­-Manier ein selbstorganisiertes und sozialgebundenes Wohnprojekt auf die Beine gestellt. Auf diese Erfahrungen können wir aufbauen.

Eines muss uns aber bewusst sein: Je bedeutender der Anteil solcher Finanzquellen wird, desto mehr werden das neue Geld und die damit einhergehenden Zwänge unsere Arbeit beeinflussen und verändern. In der KAPU waren BesucherInnenzahlen bislang nur auf den zweiten Blick von Relevanz. Wenn eine Band künstlerisch interessant war oder die Betriebsgruppe einfach Bock darauf hatte, wurde sie gemacht. Mittlerweile wirken sich diese Entscheidungen direkt auf den Umsatz der Bar aus. Die Unbeschwertheit vergangener Jahre droht damit ein Stück weit verloren zu gehen. Solange man sich dessen bewusst ist, muss das kein Problem sein.

Die Veränderungen bedeuten aber nicht, dass wir unsere Überzeugungen über Bord werfen und den Kampf für angemessene Kulturförderungen aufgeben sollen. Ganz im Gegenteil: Beides ist wichtig. Als Kulturszene dürfen wir den Staat nicht aus der Verantwortung entlassen. Es ist seine ureigenste Aufgabe, kulturelle Vielfalt zu ermöglichen und Eigeninitiative zu fördern. Kunst und Kultur sind unverzichtbar für eine pluralistische, demokratische und offene Gesellschaft. Es braucht Freiräume, die sich der Verwertungslogik entziehen und wo man sich kreativ austoben kann, Orte und Strukturen, wo man diskutieren und experimentieren kann. Dafür werden wir weiter kämpfen. Zur Stunde arbeitet die KUPF an einer breiten Kampagne und wir hoffen, ihr seid alle dabei.

Darüber hinaus kann jeder etwas tun. Stützt die Strukturen der Freien Szene, trinkt euer Bier lieber einmal mehr in der KAPU, im Kino Ebensee oder in der Local­Bühne Freistadt als anderswo. Werdet Mitglied bei servus.at, abonniert die KUPFzeitung und unterstützt den Radio FRO­-Freundeskreis. Schaut, dass das Geld zu uns kommt.

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