Man muss ganz schön verrückt sein, 20 Jahre lang Literatur für andere zu veranstalten

Manuela Mittermayer zum 20-jährigen Bestehen des Mitgliedsvereins „Linzer Frühling“.

 

So heißt es im Vorwort von „Zwischenbilanz 2“, der 2. Anthologie des „Linzer Frühling“. Kurt Mitterndorfer, Mitbegründer und langatmiger Durchhalter gab in einem langen Gespräch Auskunft über Geschichte und Gegenwart der Initiative. Linz, 1986: Eine bunt gemischte und mit Aufbruchstimmung geladene Szene, die sich jahrelang um ein unabhängiges Linzer Kulturhaus bemüht hatte, war frustriert über die Enttäuschung namens „Posthof “. Um die vorhandene Energie nicht zu verlieren, wurde kurzerhand der Linzer Frühling gegründet, der die Szene in allen Kunstsparten (re-)präsentieren wollte. Zunächst heimatlos, erlebte der Linzer Frühling „legendäre Abende“, eine großangelegte Freiluftveranstaltung beim Linzer Schloss, eine „Bildende Kunst Veranstaltung im Ursulinenhof mit Lesungen“, einige Konzerte. Nicht alle Veranstaltungen gelangen, die Leute bröckelten langsam ab, und übrig blieb Kurt Mitterndorfer, zuständig für den Bereich Literatur, auf den er sich dann auch beschränken wollte.

Mit dem Konzept im Hintergrund, jedes Jahr in einem anderen Gasthaus Platz zu nehmen, folgten unvergessliche und skurrile Abende im Café Karner, dann im Schwarzen Walfisch. Nach ca. 2 Jahren gab es erstmals einen fixen Veranstaltungsort, der bis heute geblieben ist, der Keller im Gasthaus Urbanides in der Linzer Rudolfstraße. Über 200 Literaturveranstaltungen haben seither dort stattgefunden. In den beiden Anthologien, die eine Chronik darstellen, sind bekannte und unbekannte Namen nachzulesen: Die Palette reicht von Lyrik, experimentellen Texten, Dialektgedichten bis Prosa, aber auch Kabarett und Musikveranstaltungen. Heute betreiben 9 Personen den Linzer Frühling und erstellen 1x jährlich ein sehr geordnetes Programm für das Folgejahr: monatliche Lesungen, 1x jährlich Kabarett, 2x jährlich Musik – „unplugged“ im Frühling, Volksmusik im Herbst.

Zusätzlich werden offene Lesewerkstätten veranstaltet, die Newcomern eine erste Möglichkeit zum öffentlichen Lesen geben sollen. Am wichtigsten ist Kurt Mitterndorfer, der auch Schreibwerkstätten veranstaltet, dass gut gelesen und an sich gearbeitet wird. Denn: „Es ist egal, was man schreibt, wichtig ist, dass man einfach weitermacht. Man entwickelt sich weiter, man legt eine Spur im Schreiben.“ Eine Art Sprungbrett kann der Linzer Frühling nur selten darstellen. „Wir sind sozusagen für die Unterliga zuständig, aber das ist keine Schande, denn um beim Fußball zu bleiben, die geileren Spiele gibt es meistens in der Unterliga, weil die Leute dort noch hungrig sind.“

Neu ist der „Tag der Texte“, ein Abend, an dem im Wettbewerb gegeneinander gelesen wird. Das Publikum entscheidet in mehreren Runden über letztendlich 2 oder 3 SiegerInnen, denen im Folgejahr eine eigene Lesung angeboten wird. Kurt Mitterndorfer: „Mir gefällt das sehr, weil eine ziemliche Spannung auftaucht. Die Lesenden wissen, sie müssen gut sein.“ Mitbestimmen darf das Publikum auch im Sommer, wenn 14-tägig im Linzer Musikpavillon Lesungen im Freien stattfinden, mittels „Jukebox“ werden 4 AutorInnen, die bereits einmal gelesen haben, erneut ausgewählt. Was den Linzer Frühling vom Stifterhaus unterscheidet? „Dass wir kein Geld haben,“ so die Antwort, „und wir manchmal voll Wehmut auf die schauen, die sich alles leisten können.“ Finanziert wird der Linzer Frühling von der Stadt Linz, vom Land OÖ, von einer Bank und von den Urbanides Gastwirten, die in Naturalien mitsponsern. Zielpublikum sind „Leute, die zuhören können, derzeit zwischen 25 und 50 Jahren.“ Um auch jüngere Menschen zu gewinnen, werden im nächsten Jahr Sprichcode-AutorInnen eingeladen.

Ob der Linzer Frühling einen politischen Anspruch hat?
„Wir waren in Wien bei den Widerstandslesungen dabei und wir machen im Februar immer eine Eigenlesung mit einem selbst gestellten Thema, das sich meist mit politischen Inhalten auseinandersetzt. Auch wenn es der eine oder andere nicht gern hört, ich glaube schon, dass die Richtung dahin geht, kritische Literatur zu be- und vertreiben“. Informationen über den Linzer Frühling gibt es unter www.linzer-fruehling.at, dort können die Anthologie (19 Euro), ein monatlicher Newsletter sowie der jährliche Kalender, welcher das Jahresprogramm mit Textauszügen und Kurzbiografien der AutorInnen enthält, bestellt werden. Mitschnitte der Veranstaltungen sind jeden vierten Mittwoch im Monat auf Radio FRO 105,0 ab 19.00 Uhr zu hören.

Manuela Mittermayer

Kontakt:
LINZER FRÜHLING – Literatur und so,
Dornacherstr. 15, 4040 Linz
Tel.: 0676/7623331

mailto:literaturundso@linzer-fruehling.at

Manuela Mittermayer ist Mitarbeiterin der Sozialplattform OÖ, Vorstandsfrau des KUPF-Mitgliedsvereins Miriam und Mitherausgeberin von spotsZ.
 

 

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