Lieber Franz!

Ein Brief an unseren Herrn Kunststaatssekretär von Mata Hari.

 

Endlich komm ich dazu, dir zu schreiben, wollt dich eigentlich eh anrufen, aber vielleicht habt ihr im Klub gerade wieder kollektives Schweigeseminar, und da will ich dich nicht unnötig in Versuchung führen. Weißt, ein bisschen erschreckt hast mich schon, wie du nach der Pressekonferenz, ich habe gerade mein Aufnahmegerät eingepackt und du schleichst dich hinterrücks an mich ran und fragst mich um einen Termin!!! „Ja, ja die Zeit kommt sicher, meine kleine Schwester …“ dacht ich wäre dein Motto, wenn es um Frauen im Kunstbetrieb ging, aber nein „da kriegst du statt der Pickel Kummer.“ Sollen sich doch die IGs darum kümmern, wenn Frauen meinen, sie würden sich schlechter behandelt fühlen. „Meinetwegen entschuldig ich mich halt“, aber nein so hast du das nie gesagt, das war ein anderer. Einer mit dem du dich nie ins gemeinsame Bett legen würdest. „Ich schlaf mit jedem, der mich nimmt, und sei’s ein Schäferhund.“ (Suizid) Das waren andere Zeiten, nichts mehr davon. Zurück zu den Frauen: „Vorerst aber musst du lernen, von Stern, Brigitte und Bo Derek, auch Werbung, Kino und TV machen dich total zur Frau.“ (Kleine Schwester) Das ist jetzt aber auch schon eine Weile her und das haben wir auch alles schon probiert und nichts ist passiert. Wenn ich auf deiner Website „Frauenförderung“ eingebe, habe ich 0 (in Worten null) Treffer. Beim Schlagwort Frau komm ich immerhin auf die Seite „Rahmenrichtlinien für die Gewährung von Förderungen aus Bundesmitteln“ und auf die propagierte Frauenfragebeantwortung:

Sprachliche Gleichbehandlung § 43. Soweit in diesen Richtlinien auf natürliche Personen bezogene Bezeichnungen nur in männlicher Form angeführt sind, beziehen sie sich auf Frauen und Männer in gleicher Weise. Bei der Anwendung der Bezeichnung auf bestimmte natürliche Personen ist die jeweils geschlechtsspezifische Form zu verwenden.

In einem weiteren Dokument findet sich der wunderschöne Satz: „Für eine angemessene Vertretung der Frauen ist Sorge zu tragen.“ „Ja Schwester Du wirst es gar nicht merken / Intimbesprayt und harzbefreit, / denn vom Vorzimmer Deines Chefs sinds ganze 3 Stufen zur Seeligkeit.“ (Kleine Schwester) Nun ja, aber den Chefsachen-Chef bekam ich leider auch nie zu Gesicht, außer einmal zu Mittag beim Palmenhauscafe, vielleicht gibt es dorthin ja auch einen unterirdischen Gang?

Wild war das damals, ne echte Rock’n’Roll Maschine und du wie immer unbeirrbar: „Die Sonne kreißt, die Bühne brennt, ich bin Exekutor in einer Rock’n’Roll Band.“ (Rock’n’Roll Maschine) Die Diagonale flog gen Südosten, aber kehrte zurück wie ein Boomerang. Aber für die, die es nicht wissen, bist du doch „eine hypertrophe, hochsensible, verheerende Rock’n’Roll Maschine.“

Aber leg doch wieder mal die Beine hoch und eine Platte auf, denn „ohne totalen Flip-Aus kommen wir hier nie raus!“ (Schizo). Das, was ich glaube du uns eigentlich immer zeigen wolltest, waren die unendlichen Weiten, die bisher noch kein Mensch errungen hat. In die Freiheit des freien Marktes hättest du uns so gern entlassen, aber du weißt es eh „der Mensch ist schlecht, der Kommerz ist groß“ (Schizo) und so wird uns der Kommerz noch früh genug das Strickchen drehen. „Denn heut´ steig´ ich aus, heut´ will ich raus“ (Suizid) denken sich insbesonders auch jene, die dachten, ein bisschen Existenzsicherung wäre doch nicht schlecht und die Kunst, sich arm zu arbeiten, muss nicht weiter gelernt werden. Weswegen du der einzige warst, endlich fähig, KünstlerInnen den Striptease näher zu bringen. Jenen 800 nämlich, die, weil sie zu wenig verdienten, jetzt Zuschüsse des Künstlersozialversicherungfond zurückzahlen oder ihr Leben vor dir exhibitionsbetont vor deine Türschwelle legen müssen, während der Fonds selbst fette Pölster anlegt, zu denen du ja nichts mehr beiträgst. Dein Glanzstück, wie du auch bei jeder Gelegenheit zu betonen weißt.

Aber irgendwo dazwischen bist du mir verschwunden, gesucht hab ich dich donauaufwärts, donauabwärts, oder hätte ich doch eher auf den Prosecco Bötchen nach dir Ausschau halten sollen? Aber vielleicht fragtest du dich selbst: „Wo bin ich hier? Was tu ich hier? Keiner ist da und keiner sagt es mir.“ (Wo ist der Chef?) Ja, ich versteh, wenn du sagst „mir ist der Betrieb hier zu müd´. / Ich warte so lange schon, / und weiß nicht worauf, / und überhaupt ist mir suizid.“ (Suizid)

Trotzdem noch mal einen lieben Gruß Deine Mata Hari

PS: „Vielleicht erreicht dich keine Zeile / ich schreibe trotzdem diesen Brief, / ich bin noch lange nicht am Ende, / aber ziemlich depressiv.“ (Post Scriptum), denn Selbstvermarktung gepaart mit Selbstbeherrschung macht mich so ganz und gar nicht kreativ.

PPS: Wünsch dir Glück, ich jedoch hab mir was Besseres verdient …

Mata Hari ist Doppelspionin und arbeitet hie und da

 

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