Entdeckung neuer Heldinnen

Die Linzer Stadtführerin: Neun Autorinnen und Mitfrauen des autonomen Linzer Frauenzentrums machen weibliche Geschichte in Linz neu sichtbar. Ein Interview mit Alison Brown, Mitautorin und Obfrau der Herausgeberin der Linzer Stadtführerin, dem autonomen FRAUENzentrum Linz.

 

„Damit gehen wir an gegen das Verschweigen und Unsichtbarmachen von Frauen, deren eigenständiges Leben und Werk uns die (männliche) Geschichtsschreibung vorenthalten hat.“ Brigitte Menne, Linzer Stadtführerin

Sie meinen alles in Linz bereits zu kennen und gesehen zu haben? Großer Irrtum! Mit der Linzer Stadtführerin im Rucksack geht es auf Entdeckungsreise weiblicher Lebenswege, welche uns von der Linzer Altstadt über Römerberg nach Alt-Urfahr führt. Anhand von 2 Rundgängen (Rundgang Ost und Rundgang West) kann sich die interessierte Leserin auf Spurensuche nach weiblichen Heldinnen aus unterschiedlichen Jahrhunderten begeben. Biografien u.a. von Linzer Künstlerinnen, Arbeiterinnen, Politikerinnen oder Ordensfrauen finden sich hier spannend und übersichtlich aufbereitet beschrieben. Dabei beginnen Orte neue Facetten und Zuschreibungen zu bekommen. Eine absolute Pflichtlektüre!

KUPF: Wie entstand die Idee, eine Linzer Stadtführerin zu schreiben?

Alison Brown: Beim 20-jährigen Jubiläum des autonomen FRAUENzentrums Linz stellte sich für uns die Frage nach unserer eigenen Vereinsgeschichte und der Frage nach der Entstehung der Frauenbewegung – woher kam sie, was hat sie erreicht? Eine der Mitdiskutantinnen erzählte von Stadtführerinnen, die allgemeine Frauengeschichten beschreiben. Es fand sich 2001 im Laufe eines halben Jahres eine Gruppe von 9 Frauen mit unterschiedlichem (beruflichen) Hintergrund zusammen, die intensiv an Linzer Frauengeschichte zu recherchieren und arbeiten begann. In der Zeit haben wir uns auch Stadtführerinnen von verschiedenen Städten wie Köln, Würzburg, Berlin, Graz und Biel angesehen.

Wie lange dauerte die Arbeit an der Linzer Stadtführerin?

Vom ersten Arbeitsgruppentreffen zum Internationalen Frauentag bis zur Buchpräsentation am 8. März 2004 dauerte es genau 3 Jahre, wobei das letzte Jahr hauptsächlich mit Feinschliffarbeiten verbracht wurde.

Was hat sich für dich durch die Arbeit an der Linzer Stadtführerin verändert?

Ich sehe Orte in der Stadt jetzt mit anderen Augen, da ich nun Geschichten kenne und somit besser über die Hintergründe Bescheid weiß. Dieses Nachschlagewerk wird mir persönlich vor allem in meiner Arbeit im Stadtkulturbeirat helfen, wo ich versuche die Parität und Errungenschaften von Frauen zu unterstreichen – vor allem im Bezug auf Linz als Kulturhauptstadt 2009.

Was waren besondere Momente und Erfahrungen für dich in den letzten 3 Jahren?

Das waren die Entdeckung neuer Heldinnen wie z.B. die Dichterin Henriette Haill, die Industrielle Cecilia Dierzer oder Hedda Wagner, die ich primär als Linzer Komponistin kannte. Während den Recherchearbeiten lernte ich Christine Roiter kennen, welche eine Dissertation über die Schriftstellerin und Politikerin Hedda Wagner verfasst hat, die demnächst auch in Buchform erscheint. In diesem Zusammenhang wäre es spannend, wenn weitere Frauen die Biographien, die in der Linzer Stadtführerin teilweise nur sehr flüchtig beschrieben sind, vermehrt publizieren würden.

Wie wurde die Linzer Stadtführerin finanziert?

Mit viel Schweiß, Tränen und Ausdauer, insbesonders von Lisa Murhammer. Ganz ausfinanziert ist sie noch immer nicht. Die Finanzierung ging einerseits über Sponsoring und Subventionen vom Büro für Frauenfragen des Landes OÖ. Die finanzielle Unterstützungen der Stadt Linz ist bis heute (21. April) ausgeblieben.

Gibt es die Fantasien, einen 2. Band der Linzer Stadtführerin zu produzieren?

Vorläufig noch nicht, aber die Autorinnengruppe LISA & CO würden gerne eine vertiefende Ergänzung zum ersten Band machen.

Wenn frau eine Stadtführung machen möchte, wo meldet sie sich an?

Sie kann sich im Linzer Tourismusbüro im Alten Rathaus melden, und wegen einer Frauenstadtführung von Christine Nowotny oder Uli Hack anfragen. Wir freuen uns wenn sich Frauen melden und sich für Führungen interessieren, aber die Linzer Stadtführerin ist auch so konzipiert, dass frau alleine damit gut eine eigene Führung machen kann. Es gibt auf der Vorder- und auf der Rückseite einen Plan wo die genaue Route eingezeichnet ist. Da wünschen wir den Frauen viel Vergnügen auf ihren Wanderungen.

Vielen Dank für das Interview

Das aFZ Linz ist seit 2001 KUPF Mitgliedsverein. Humboldtstraße 43, 4020 Linz Tel: 070/60 22 00-60 http://www.frauenzentrum.at Linzer Stadtführerin – Frauengeschichtliche Stadtrundgänge LISA & CO, Edition Geschichte der Heimat/ Buchverlag Franz Steinmaßl, Linz 2004 ISBN 3-902427-08-6, 171 S., 17,50 Euro

Alison Brown ist Obfrau des Autonomen FRAUENzentrum und Ersatzmitglied im Linzer Stadtkulturbeirat

Eva Immervoll ist Mitarbeiterin der KUPF

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