www.ottensheim.at

Andi Liebl besuchte den virtuellen Stammtisch in Ottensheim.

 

“Kommunikation statt Distribution“ war der Titel des Artikels der letzten Kupfzeitung, der den von der Kupf geforderten Medientopf vorstellte. Dabei geht es um die Absicherung bestehender nichtkommerzieller Medien und AnbieterInnen (Freie Radios und nichtkommerzielle Internetknoten) sowie um die Bereitstellung entsprechender Mittel für regionale Medienexperimente im Kontext Kunst und Kultur. Klaus Hagenauer, der vor drei Jahren mit der Arge Granit den Grundstock für den virtuellen Auftritt des nichtamtlichen Ottensheim legte, sieht darin die längst notwendige Unterstützung solcher Initiativen. Schließlich geht es um gelebte Demokratie.

Es begann mit der Entdeckung des Mediums: über die Sommerakademie der Fabrikanten gelangten technisches Verständnis und visionäre Vorstellungen von Möglichkeiten in die Köpfe einiger AktivistInnen der Arge Granit Ottensheim. Als dann festgestellt wurde, dass www.ottensheim.at noch frei und damit nutzbar war, nahm die Geschichte ungehindert des Versuchs der Gemeinde die Domain für sich einzufordern, ihren Lauf. Heute hat sich der Verein www.ottensheim.at die Aufgabe gesetzt, die Nutzung des Internet in der Gemeinde als selbstverwaltetes Allgemeingut zu verstehen und die entsprechenden Voraussetzungen zu schaffen. Welche Vielseitigkeit sich hinter diesem schlichten Satz verbirgt, veranschaulichen die Ergebnisse der bereits dreijährigen Arbeit an ottensheim.at.

OttensheimerInnen haben die Möglichkeit mit einer Email Adresse (name@ottensheim.at) versorgt zu werden, können Webspace für private Homepages nutzen, Vereine finden eine Plattform und eine Eingabemaske für die Startseite steht zur Verfügung. Die Rubrik “Neu und Aktuell“ liest sich wie eine kleine Marktzeitung. Selbst NichtprogrammiererInnen können kurze Inhalte ins Zentrum von ottensheim.at setzten. Bilder inklusive. Einmal eingetippt geht auch nichts mehr verloren und der “Kommunalserver“ ottensheim.at zeigt die Fähigkeit, auch Archiv zu sein. Bei all dem ist jedoch das Problem des Zugangs noch nicht gelöst, nicht alle haben Zugang zum Internet. Grund genug über die Installation von öffentlich zugänglichen Computern nachzudenken. Ein aktuelles Projektvorhaben (siehe Foto) versucht Online-Stationen mit Bushaltestellen zu verbinden, doch auch so manche Gaststube wären geeignet. Der virtuelle Stammtisch selbst ist ja auch nicht mehr weit; der reale ottensheim.at-Stammtisch existiert bereits.

Das Verknüpfen der Betätigung mit dem Medium Internet mit dem unmittelbaren Umfeld ist für ottensheim.at sehr wichtig. Dadurch versprechen sich die InitiatorInnen einen Beitrag zur regionalen Entwicklung. Ottensheim.at ist in gewisser Weise schon Sprachrohr der Leute vor Ort, die sonst keines haben und erfreut sich auch wachsender Beliebtheit. Ein Aspekt, der zur Bekanntmachung einen nicht unwichtigen Beitrag leistete, war die Installation einer Webcam mit Blick auf den Marktplatz, die im Fünfminutenraffer die Vorgänge dokumentiert. Und das seit Beginn des mittlerweile abgeschlossenen großen Umbaus desselben. Aus diesem Material entstand auch ein Film, der eben vertont wird und bald an ausgewählten Orten in Ottensheim zu sehen sein wird. Die Kombination unterschiedlicher Medien innerhalb von ottensheim.at lässt sehr viel zu und motiviert das zueinander in Bezug treten mehrerer Menschen, die ansonsten vielleicht gar keinen Grund hätten sich zu treffen.

Ähnlich wie bei den Freien Radios werden die Inhalte auf ottensheim.at von der online-community getragen und gestaltet. Ohne je Geld dafür zu sehen. Die Interessen liegen eben im aktiven Mitgestalten, im Kundtun der eigenen Meinung oder im Positionieren des Vereins. Geld ist hier nur im Hintergrund wichtig, denn diese Struktur der Server, Leitungen und Zugänge kostet einfach etwas. Das sollte das Land OÖ auch als Chance verstehen sich hier zu positionieren und für seine BewohnerInnen die Möglichkeiten der Informationsgesellschaft noch besser nutzbar machen – vor allem in Richtung einer gestalteten, kommentierten und kritisierten Zukunft.

Andi Liebl

www.ottensheim.at wurde ermöglicht durch servus.at, den nichtkommerziellen Internetknoten für Kunst und Kultur in OÖ. http://www.servus.at, http://www.ottensheim.at

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