Kulturpolitische Massezunahme

Tick, Trick und Track über die im Jänner 2009 neu aufgenommenen KUPF Mitgliedsinitiativen.

 

Schwarze Löcher sind für Laienastronomen diskursive Fetische: erzähl- und vorstellbar sind sie gegenständlich genug, um sich eine Meinung dazu zu bilden.

Wobei das klischeeierte Bild vom allesfressenden Schwarzen Loch auch in der populärwissenschaftlichen Rezeption ausgedient hat – immerhin sind die vermeintlichen Löcher ganz schön handfest, wirken auch erstaunlich konstruktiv auf ihre relative Umwelt und schleudern alle möglichen Dinge (wie z.B. Elektronen und so) durch die Gegend.

Was der Schmafu jetzt soll? Nun, die KUPF ist auch ein Schwarzes Loch. Natürlich eines von den guten: sie zieht freie Initiativen an und schleudert Content durchs Universum. Und sie verschlingt ihre Initiativen nicht – nein, im Gegenteil: die angezogenen Initiativen bilden den realen Ereignishorizont der kupf’schen Handhabe und Politik. Im Jänner 2009 war’s wieder so weit: 12 hier vorgestellte oberösterreichische Kulturinitiativen haben sich der KUPF angeschlossen und sorgen für sukzessive Gravitationszunahme. Und deshalb fühlt sich die KUPF schon länger nicht mehr als kulturpolitisches Gleichgewicht.

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Freies Radio B138 (Kirchdorf)

Seit 2007 hat auch Kirchdorf ein eigenes freies Radio, das wir heuer in der KUPF-Familie begrüßen dürfen. Initiiert von FRO, Freistadt und Salzkammergut im Rahmen des Festivals der Regionen verselbständigte sich das Projekt rasch und »angejunkte« KremstalerInnen machten im Anschluss ein Jahr Internetradio – sozusagen zum Aufwärmen. Seit Oktober 2008 sendet B-138 auf einer terrestrischen Frequenz. Der Schwerpunkt liegt bei der Ausbildung von Radiointeressierten, aus der inhaltlichen Vielfalt soll sich eine lebendige Diskussions- und Präsentationsplattform entwickeln. Die KUPF gratuliert zur komplikationslosen Geburt. http://radio-b138.at

Interstellar Records (Linz)

Schon wieder ein Musiklabel, das an die KUPF andockt. Die Interstellar-MacherInnen sind Vinyljunkies und LiebhaberInnen extremer Klänge, die auch in 100 Jahren noch nicht mainstreamtauglich sein werden. Seit Jahren veröffentlicht ihr kleines Liebhaber- Label immer wieder kleine Auflagen internationaler Bands, die sie auch gerne zu sich nach Linz holen und in den jeweils aktuellen Stätten des sonstigen Schaffens aufspielen lassen – zuletzt in der STWST, jetzt in der KAPU. Nicht ganz so nussschnapsgeeicht wie die Seelenverwandten vom KOMA, aber hochmotiviert und garantiert trendunabhängig. http://www.interstellarrecords.at

KIM –Kultur in Marchtrenk Marchtrenk ist für Oberösterreich das, was Linz für Österreich ist. Eine (kleine) Stadt zwischen zwei bekannteren, die im Rummel oft untergeht. Diesem Umstand entgegenzutreten tritt KIM an. Gegründet als Zusammenschluss des kreativen Potentials in Marchtrenk, hat sich der Verein längst zu einem etablierten, umtriebigen Veranstalter entwickelt, der – in engem Kontakt mit den lokalen Gegebenheiten und Strukturen – daran geht, zeitgenössische Kunst und Kultur in Marchtrenk zu einer Marke werden zu lassen. Das künstlerische Spektrum reicht vom jährlich stattfindenden KünstlerInnenfest, über das Weinlesefest bis zu Kabaretts und Konzerten. Und bald wird Marchtrenk als Traunviertler Kulturhauptstadt erkannt, gefeiert und gewürdigt werden. http://www.kunstklub-kim.com

KIPFAL – Kultur im Ipftal (Niederneukirchen)

Sucht man nach dem Ipftal auf Wikipedia, finden sich zwei Einträge, in denen das Wort vorkommt. Der eine ist Niederneukirchen, der andere Wilhelm Niederhuemer. Soviel einmal dazu. KIPFAL können durchaus als ein wenig anachronistisch angesehen werden. In Zeiten von Event-Hopping und größer, schneller, lauter agiert diese Gruppe in einer (relativ) beschaulichen Idylle, mit dem Anspruch, das zu veranstalten, was den Menschen gefällt, und was die Aktivisten des Vereins selbst beitragen können. Da werden Konzerte schon einmal im Rahmen eines Seniorennachmittags abgehalten, und selbstverfasste Gedichte und Texte im Rahmen einer AutorInnenlesung präsentiert. Was sagt KIPFAL sonst noch: »Die geschlechterparitätische Verteilung lokaler Führungs- und Machtpositionen ist den KIPFAL-Aktivisten ein wichtiges Anliegen.« http://kipfal.blogspot.com

KOMA – Kultur ohne momentane Ansiedelung (Ottensheim)

Aus den Trümmern des über die Dorfgrenzen hinaus bekannten/berüchtigten Kulturzentrums JO entwickelte sich KOMA. Die bunte Truppe vitaler wie freakiger OheimerInnen veranstaltet gerne und viel; Hauptaugenmerk liegt auf der perfekten Verbindung von inhaltlicher Qualität und fetter Party. Hauptanstoß für die Gründung war die Tatsache, dass es in Ottensheim keine geeigneten Veranstaltungsorte für Kulturinitiativen gibt, vor allem seit das JO geschlossen wurde. Bis KOMA eine eigene Veranstaltungslocation erkämpft hat (Ziel ist ein eigenes Schiff!), bietet der Verein an verschiedensten Orten in Ottensheim ein vielfältiges, meist musikalisches Kulturprogramm. Nussschnapsgeeicht. wodo@ottensheim.at

schloss Mühlgrub kultur Verein (Rohr)

Seit etwa drei Jahren werken Kulturinteressierte aus der Bad Haller Umgebung am Kulturverein Mühlgrub – aus der klassischen Motivation, die kulturelle Eintönigkeit in der Region aufzubrechen und das Veranstaltungsangebot deutlich zu verbreitern. Das Programm umfasst dementsprechend verschiedenste Kunstsparten und Aktivitäten – von Lesungen über Theater und Kabarett bis hin zu Konzerten. Beheimatet ist der Verein im »Schloss Mühlgrub«, das ein feines Ambiente für die verschiedensten Veranstaltungen vom Punkrockkonzert bis zum Oktoberfest bietet. http://www.kultur-schloss.at

Kulturforum Frankenmarkt Frankenmarkt liegt auf 536 m Höhe im Hausruckviertel. Die Ausdehnung beträgt von Nord nach Süd 5,8 km, von West nach Ost 5,2 km. Die Gesamtfläche beträgt 18,4 km². 31,5 % der Fläche sind bewaldet, 58,7% der Fläche sind landwirtschaftlich genutzt. Das alles ist aber egal, eingedenk der Tatsache, dass hier ein agiler Kulturverein daran geht, die BewohnerInnen von Frankenmarkt mit niveauvollen Programmen zu konfrontieren, und den interessierten Menschen jeder Alters-und Interessensgruppe das Erlebnis von aktivem Dabeisein zu vermitteln. Und um es mit den Worten des Kulturforums selbst zu sagen: »Kultur bedeutet: Auseinandersetzung – Kommunikation – Dialog – Austausch- Erfahrung – Diskussion – Nachdenken – Erlebnis – Genuss – Ästhetik – Kreativität…..« http://kulturforum.frankenmarkt.eu

Musik- und Kulturverein TITANIC (Bad Leonfelden)

Funk / Jazz / Psychedelic steht auf der »myspace« Seite von Titanic – und damit ist schon mal einiges gesagt – es geht um Musik. Und nicht um Lebkuchen, wie es aufmerksame SachunterrichtteilnehmerInnen bei Bad Leonfelden wohl vermuten würden. Rund 70 Mitglieder hat Titanic, ein Verein, der seit 1994 besteht, und der als einen Gründungsantrieb angibt, sich unabhängig von parteipolitischen Zugriffen zu machen. Aber nicht nur Musik gibt es bei Titanic, auch Kabarett und jugendkulturelle Feste finden ihren Platz im Haus am Ring. Besonderes Augenmerk wird im musikalischen Bereich auf »Newcomer« gelegt, um diesen Auftrittsmöglichkeiten zu geben, die sie auf den etablierten Bühnen (Ober-) Österreich nicht erhalten würden. http://www.kulturverein-titanic.net

romansuperstar (Schärding)

Das Ziel des Vereins ist es, im Raum Schärding ein alternatives Musikprogramm zu bieten und heimische MusikerInnen zu fördern. Romansuperstar organisiert vornehmlich elektronische Musikveranstaltungen, jährlicher Höhepunkt ist das Open Air, bei dem von Punk über Elektronik bis zu Heavy Metal verschiedenste Richtungen geboten werden. Punktuelle Kooperationen gibt es mit dem KUPFMitglied KUPRO Sauwald, das ebenfalls in Schärding aktiv ist. Besonders augenfällig: die kreative Auswahl der Veranstaltungsorte: Schlösser, Stadln, Volksschulen… http://www.romansuperstar.org

TKV- Treffpunkt Kulturverein Regau Regau hat viel zu bieten: eine der größten Bürgergarden, den Attersee um´s Eck und die berühmte Tierkörperverwertungsanlage. Was noch gefehlt hat, war eine dynamische und unabhängige Kulturinitiative. Diese Lücke füllt seit bald zwei Jahren der TKV Regau. Entstanden aus dem Bock Mas Festival-Netzwerk heraus, bauen die jungen AktivistInnen schön langsam und verträglich ein Publikum für Zeitkultur auf. Abgesehen von der klassischen Rolle des kulturellen Nahversorgers geht es dem Verein um die kritische und kreative Auseinandersetzung mit der Gesellschaft. In Regau weht nun »der Wind der Veränderung«. http://treffpunktkulturverein.org

urban farm (Leonding)

Seit der Sprengung der Hochhäuser am Harter Plateau in Leonding war in dieser Gegend nicht mehr viel los. Urban Farm wird das ändern. Einen Raum in einem der letzten Vierkanthöfe bei Leonding nutzt urban farm, um von hier aus die künstlerischen / kulturellen Aktivitäten umzusetzen. Urban farm stellt eine künstlerische Plattform dar, deren Aufgabe es ist, Arbeiten und Ansichten unterschiedlicher Menschen, Ideen, Konzepte, Konfrontationen oder Irritationen zusammen zu führen und einander gegenüber zu stellen. Zentrales Thema dabei ist stets der beschleunigte Mensch im Umraum der Stadt, wobei urban farm sich besonders dem Gebiet der Vorstadt, der Peripherie, deren Regeln und Charakteristik widmen möchten. Ein zentrales Thema ist auch die Vernetzung mit anderen Menschen und Vereinen, die mit ähnlichen Themen und Anliegen arbeiten, Kontakte zu knüpfen, um so Projekte weiter voran zu treiben und in neue Richtungen arbeiten zu können. http://www.urbanfarm.at

Verein Kunst- und Kulturhaus Vöcklabruck Ein Haus für Vöcklabruck! Endlich! Endlich wieder »Häuserkämpfe«. Der Verein Kunst und Kulturhaus Vöcklabruck versteht sich als Plattform für zeitgenössische Kulturinitiativen und kulturinteressierte Einzelpersonen. Er verfolgt die Leitmotive eines offenen und demokratischen Zugangs und will das kreative und kulturelle Potential der Region bestmöglich fördern. Gemeinsames Ziel ist es, einen entsprechenden Rahmen für die Umsetzung und den Betrieb eines Präsentations- und Produktionszentrums für zeitgenössische Kunst und Kultur in Vöcklabruck zu schaffen. Mit der Einbindung unterschiedlichster Vereine und KulturaktivistInnen, die ein breites Spektrum der zeitgenössischen Kulturlandschaft repräsentieren, zeichnet sich hier bereits heute eine einmalige Entwicklung im Bereich der Vöcklabrucker Kulturszene ab. Durch die Vision eines gemeinsamen Kunst- und Kulturhauses in der ehemaligen Hatschekstiftung wurde eine positive Dynamik in Kraft gesetzt, die viele Menschen für das interessante Projekt begeistert und zur Mitarbeit bewegt hat. http://www.kulturhaus-vb.org

 

Tick (Pilsl), Trick (Haslinger) und Track (Diabl) sind treue Vasallen der KUPF und erledigen auch die unangenehmen Aufträge zur vollsten Zufriedenheit.

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