Westring: Provinz und Vision pt.II

Liebe SPÖVP!

Die Politiker der oö Landhauptstadt Linz haben sich schon seit Jahren auf eine Möglichkeit aus dem ersten Strang der Möglichkeiten eingeschworen. Ich bedauere das sehr, denn ich halte das für den größten denkbaren Verkehrs- und stadtpolitischen Fehler. Fast 1 Milliarde Euro Steuergelder wollen Sie, liebe SPÖVP, in Brücken, Tunnels und Autobahnen investieren, um dem Individualverkehr und Gütertransport ein beschleunigtes Durchkommen durch Linz zu ermöglichen. Projektname Westring. Man möchte dem Verkehr, der Transportlobby, der Automobilindustrie und den Autofahrern ein wenig den roten Teppich ausrollen, den Staus beikommen und die tatsächlich nicht beneidenswerten Pendler entlasten.

Doch nun ist passiert, man möchte fast von einem kleinen Wunder sprechen, womit niemand gerechnet hat: die andere SPÖVP, nämlich die Bundesregierung in Wien, hat das Projekt der hiesigen SPÖVP zumindest vorerst auf Eis gelegt. Nicht aus moralischen oder ökologischen Gründen, sondern wegen banalem Geldmangel. Aber immerhin. Ein Augenblick des Innehaltens.

Die lokale und regionale SPÖVP rückt reflexartig zuammen. Ein provinzieller Schulterschluss gegen die da in Wien. Der Westring müsse sein, da sind sich rote und schwarze Landes- wie Stadtparteichefs einig, die Bünde, Kammern, Gremien, Funktionäre nicken eifrig und erbost. Ich möchte Sie, liebe SPÖVP, jedoch bitten, diesen kurzen Moment des Stillstands zu nutzen, um ihre Grundsatzentscheidung noch einmal zu überdenken. Es könnte sich für Sie auszahlen.

1000 Millionen Euro wären Sie bereit für den Westring auszugeben. Ich bin kein Verkehrs- oder Umweltplaner, aber ich bin sicher, mit dieser Summe (oder einem Bruchteil davon) könnte man auch Alternativen zum Westring finanzieren. Zumindest sollte es möglich sein, eine Studie durchzuführen, wie man mit dieser gewaltigen Summe eine ökologische Lösung für das Verkehrsproblem des Linzer Zentralraumes ermöglicht.
Wer weiß schon wirklich, was man mit soviel Geld möglich machen könnte: kostenlose Öffis für alle Pendler für die nächsten paar Jahrzehnte? Ein dichtes Netz an öffentlichen Verkehrsmitteln auch im Umland? Gratisfahrräder für alle Arbeitnehmer? Zuschüsse zu Elektroautos, Minibuslinien, Heimarbeitsverträgen? Alles scheint denkbar, sogar eine autofreie Innenstadt, eine begrünte Nibelungenbrücke und die sauberste Luft der Republik. Und, liebe SPÖVP, was Sie ganz besonders interessieren dürfte: ein öffentliches, globales Bild von einer visionären Stadt, die es sich zum Ziel gemacht hat, ein wenig Individualverkehr gegen nachhaltige Lebensqualität einzutauschen und dafür auch einige Opfer auf sich nimmt. Das Bild einer Stadt, die es sich getraut hat und es allen anderen vormacht, wie eine bessere, grünere und nachhaltigere Urbanität funktionieren kann.

65 Millionen haben Sie, liebe SPÖVP, in das Projekt Linz09, das Europäische Kulturhauptstadtjahr 2009, investiert. Um zu zeigen, dass sie in die Zukunft sehen, sich umorientieren, Visionen haben. Die Idee war nett, der Erfolg bescheiden, aber sichtbar. Stellen Sie sich jetzt bitte nur einmal kurz vor, was Sie ermöglichen könnten, wenn Sie das für den Westring vorgesehene Geld in eine weitere, noch viel größere Vision investieren! Ich verspreche Ihnen, Sie werden es nicht bereuen.

Die parteiliche Initiative gegen den Westring
Die unparteiliche Initiative gegen den Westring
Die Landes-Initiative für den Westring
Die städtische Initiative für den Westring

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