Runder Tisch der Kulturinitiativen Österreichs

Konstruktiver Auftakt und noch viel Arbeit

Interessenvertreter*innen autonomer Kulturinitiativen wurden am Dienstag, 19. 1. 2021, zum einstündigen Gespräch mit Vizekanzler Werner Kogler und Kunst- und Kulturstaatssekretärin Andrea Mayer eingeladen. Erstmals widmete sich das Bundesministerium für Kunst, Kultur, Öffentlicher Dienst und Sport damit explizit den Auswirkungen der Krise auf kleine und mittelgroße Kulturinitiativen. Nach dem konstruktiven aber knappen Auftakt gilt es nun den Dialog fortzuführen, um an konkreten Verbesserungen für Kulturinitiativen zu arbeiten.

Für Oberösterreich waren Thomas Diesenreiter (KUPF OÖ), Christine Dollhofer (Crossing Europe) und Günther Ziehlinger (KAPU) anwesend. Diesenreiter fasst das Gespräch so zusammen: „Es war ein konstruktiver Austausch und ein Schritt in die richtige Richtung. Details blieben leider ungeklärt. Alles hängt jetzt davon ab, wie ernst der Dialog fortgeführt wird und ob die von uns geforderte Planungssicherheit, sowie die dringenden Nachbesserungen bei den Hilfsmaßnahmen für gemeinnützige Kulturvereine kommen.“

Außer Zweifel steht für die Interessenvertretungen, den Gesundheitsschutz auch weiterhin zu priorisieren. „Die Bereitschaft ist groß, die gesundheitspolitischen Maßnahmen mitzutragen. Im Bereich der kulturpolitischen Maßnahmen stellen wir aber eine Ernüchterung fest, was die Hilfsmaßnahmen angeht. Unsere Vereine sind nach wie vor massiv eingeschränkt“, hält Diesenreiter fest. „Wir müssen parallel daran arbeiten, dass die Gesundheitskrise nicht zu einer veritablen Kulturkrise wird“, erläutert Yvonne Gimpel die Hintergründe des Gesprächs. Als positives Signal wertet die IG Kultur Österreich den aktuellen Einsatz der Politik für eine Gleichstellung des Kulturbereichs gegenüber anderen Bereichen. Kunst- und Kulturarbeit ist professionelle Arbeit für und mit dem Publikum. Jede Einschränkung trifft den Sektor genauso wie andere Bereiche.

Zentrales Anliegen: Umsetzbare Lösungen für kleine und mittelgroße Kulturorganisation

Im Fokus des Gesprächs stand jedenfalls, einen konkreten Einblick in die Arbeitsbedingungen von kleinen Kulturvereinen und mittelgroßen Kulturbetrieben zu geben. „Sie sind es, die mit ihrem breiten Spektrum die große Vielfalt unseres Kulturlebens aufspannen“, so Yvonne Gimpel, Geschäftsführerin der IG Kultur Österreich. „Auch sie brauchen praxisnahe Regelungen für den Neustart, die umsetzbar sind und die unterschiedlichen Rahmenbedingungen, etwa von Kulturinitiativen im ländlichen Raum, berücksichtigen.“ 

Fehlende Planungsperspektiven und zu kurzfristig angesetzte Maßnahmen gehören für die Gesprächsbeteiligten zu den heikelsten Themen während der Krise. „Die massive Planungsunsicherheit bedrückt unsere Vereine am meisten. Wenn du eine Premiere zum siebten Mal verschieben musst, ist die Frustration und der Mehraufwand hoch,“ bringt es Diesenreiter auf den Punkt. Ein Lockdown bedeutet für Kulturveranstaltende und -produzent*innen keineswegs ein Niederlegen der Arbeit. Das Gegenteil ist der Fall.

Hannah Crepaz, künstlerische Leiterin des Osterfestivals in Tirol, musste bereits mehrmals verschieben und gibt zu bedenken: „Mit einer Vorbereitungszeit von bis zu zwei Jahren ist eine kurzfristige Verlegung ein unglaublicher Aufwand. Unser bevorstehendes Festival mussten wir auf Juni verschieben, ins Unsichere hinein. Alle Menschen, die mit uns zusammenarbeiten, befinden sich in derselben Unsicherheit. Und wenn das Festival dann wieder nicht stattfinden kann? Etwas abzusagen bedeutet viel mehr Arbeit als etwas entstehen zu lassen und es umzusetzen.“

Karin Bitterli, Co-Leiterin des produzierenden Theaters Toihaus in Salzburg, bestätigt das erhöhte Arbeitsaufkommen und damit verbunden das Nicht-Greifen von Unterstützungsmaßnahmen: „Wir haben trotz Corona-tauglicher Konzepte von 119 Aufführungen nur neun spielen können. Wenn wir ab 1. März öffnen wollen, bedeutet das jetzt den vollen Probenbetrieb, volle Organisation, mehr Kommunikationsarbeit, mehr Administration, mehr Aufwand. Wir müssen auf alles vorbereitet sein. Da gibt es keine Kurzarbeit, weil wir einfach viel mehr zu tun haben als sonst.“

Fortführung und Ausbau der Unterstützungsmechanismen erforderlich

Ein zentrales Anliegen stellt neben der raschen Umsetzung bestehender Fonds die Nachbesserung der Unterstützungsmechanismen für gemeinnützige Kulturvereine dar. Corona bedeutet für Kulturinitiativen zusätzliche Investitionen und mehr Arbeitsaufwand, der unabhängig vom Einnahmenausfall anfällt – Mehrkosten, die bislang von keinem Fonds abgedeckt werden. „Die Konsequenz ist,“ erläutert Gimpel, „dass umsonst gearbeitet wird und das im doppelten Sinne: Es wird unbezahlt gearbeitet, da der Betrieb anders nicht aufrecht zu erhalten ist und jahrelange Aufbauarbeit sich in Luft auflösen würde. Das verschärft die ohnehin prekäre Situation der Kulturvereine und treibt Menschen in die Armut. Und umsonst auch, wenn situationsbedingt neuerliche Schließungen und Veranstaltungsabsagen erforderlich sind.“ Um dem Kulturauftrag weiterhin nachkommen zu können, brauche es laut IG Kultur für gemeinnützige Kulturvereine dringend Nachbesserungen beim NPO-Fonds beziehungsweise einen alternativen Lösungsansatz für den erhöhten Personalkostenaufwand.

Entscheidend ist, nun gemeinsam mit Bund und Bundesländern unter Einbindung der Interessenvertretungen an konkreten Lösungen weiter zu arbeiten. „Der Startschuss für einen konstruktiven Austausch ist gelegt,“ so Yvonne Gimpel im Resümee. „Wir gehen von einer baldigen Fortsetzung aus, denn nur wenn wir gemeinsam an einem Strang ziehen, können wir das Kulturleben in all seiner Vielfalt sichern.“

Rückfragen:

Thomas Diesenreiter, Geschäftsführung KUPF OÖ
+43 (0)664 7824525 | thomas.diesenreiter@kupf.at | www.kupf.at

Mirjam Steinbock, Geschäftsführung IG Kultur Vorarlberg
+43 (0)664 4600291 | steinbock@igkultur-vbg.at | www.igkultur-vbg.at

Yvonne Gimpel, Geschäftsführung IG Kultur Österreich
+43 (0)650 5037120 | gimpel@igkultur.at | www.igkultur.at

Zur Presseaussendung der IG Kultur Österreich & IG Kultur Vorarlberg

Zum Audio-Kurzbericht von Thomas Diesenreiter direkt nach dem Runden Tisch (das Gespräch führte Sigrid Ecker)

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