Dornenhecken wachsen lassen!

Eine Nachschau beim entlegensten Mitgliedsverein der KUPF – meta.morfx

»Das sieht so aus, wie sie es sich vorgestellt haben!« Kollegin Riki bringt es auf den Punkt. »Das« ist das Kulturzentrum Sakog in Trimmelkam, das vom Verein meta.morfx betrieben wird. »Das« war jahrelang eine Baustelle, und wurde als solche neben dem Verein schon im Jahr 2004 in der KUPFzeitung von Klemens Pilsl porträtiert (https://kupf.at/node/547). Warum also »schon« wieder ein Porträt? Seit einem Jahr ist das Sakog keine Baustelle mehr (oder zumindest nicht mehr ganz), sondern bespiel-, begeh- und benutzbares Kulturzentrum. Und es sticht heraus. Es sticht heraus, weil es nicht heraus sticht. Direkt neben dem Bahnhof von Trimmelkam inmitten von Industrieanlagen gelegen ist es ein altes Fabrikgebäude. Und das unterscheidet Sakog schon einmal. Es ist kein design-architektonisches Vorzeigeprojekt, dem aus allen Fenstern der Geruch entströmt, dass sich hier eine Politikerin ein Denkmal setzen wollte. Ganz so sicher, dass das jemals etwas werden wird war es in der letzten Zeit nie. Denn den Betrieb am Laufen zu halten und gleichzeitig die Investitionskosten zu tilgen, ist keine Sache, die schnell bewerkstelligt werden kann. Doch, das können sich meta.morfx mittlerweile in ihre Lebensläufe schreiben, mit einer Ausdauer und Zähheit, die ihresgleichen sucht, haben sie es bis jetzt (und weiter) geschafft. Geschafft haben sie es auch, im Niemandsland zwischen Braunau, Salzburg und Bayern eine Lücke zu füllen, von der die umliegenden Gemeinden nicht wissen wollten, dass es sie gibt. Die Veranstaltungen, die zur Zeit vor allem im Musikbereich angesiedelt sind locken durchschnittlich 400 Besucherinnen an. Die Salzburger Lokalbahn ist so froh über die Frequenzsteigerung in ihren Zügen (vor allem zu nachtschlafender Zeit), dass sie meta.morfx erlaubt hat, Werbematerial in der Bahn aufzulegen.

 

Künftig will meta.morfx auch mehr in die Bereiche der Bildenden Kunst und Literatur seine Fühler ausstrecken. Schön und gut. Was ist aber die Faszination ,die von meta.morfx und ihrem Riesenprojekt ausgeht? Denn – simpel betrachtet – ist nichts sonderlich bemerkenswert. Ein Verein, der in der Einöde veranstaltet. Diese gibt es doch zuhauf. Was meta.morfx bis heute so besonders macht, ist, dass sie von Anfang an an der Schaffung eigener, weitgehend autarker Strukturen gearbeitet haben. Und dass sie den Glauben an ihre Sache (trotz widrigster Umstände) nicht aufgegeben haben. Und was auffällt ist, dass es einen dezidiert politischen Anspruch gibt. Christoph Auer, der Obmann, hat das im Gespräch 2004 damit formuliert, dass sie »Dorn sein« wollen. Mit der Inbetriebnahme 2008 können sie sich auch gleich zur Dornenhecke umfunktionieren. Das politische Moment manifestiert sich im Gespräch gerade bei vermeintlich unpolitischen Veranstaltungen. Wenn Christoph erzählt, dass sie jetzt verstärkt im Bereich Metal, Trash und Grindcore veranstalten, spiegelt das nicht vorwiegend geschmackliche Vorlieben der Vereinsaktivistinnen wider. Es geht ihnen eher darum, diese Musikrichtungen und das damit verbundene Publikum nicht »kampflos« den Neonazis zu überlassen, die diese Musik-richtungen seit Jahren okkupieren. Deutschnational fällt oft als Schlagwort im Gespräch. Es geht um die Gegend und um das Einzugsgebiet Bayern. Das Wort Bollwerk gegen die Neonazis lehnt Christoph für das Sakog ab. Denn sie würden die Türen nicht verschließen. Vielmehr sehen sie in ihrer Arbeit vor Ort eine Möglichkeit vorwiegend jugendlichen Mitläuferinnen die Chance zu geben, »anderes« zu entdecken. Bislang funktioniert es auch. Dass diese Strategie nicht ganz gefahrlos ist, dessen ist sich meta.morfx auch bewusst. Meta.morfx steht für Widerstand! Widerstand gegen eine traditionsverhaftete Gegend oder wie es Klemens Pilsl 2004 schrieb: »Eine Region, in der es abgesehen von Blaskapellen nur eine Dorfdisco und Nazi-Skinheads gibt, wo Frauenkulturarbeit »meistens als Kaffeekochen am Sonntagnachmittag« missverstanden wird.« Built to resist! Das steht unter dem Sakog-Logo! Nicht nur gekommen, um zu bleiben, sondern gekommen, um aktiv Widerstand zu leisten. Es mag schon sein, dass sich einige (vielleicht vor allem urbane) Kulturaktivistinnen nun denken, dass dies nach sehr »alten« Konzepten klingt, die hier verfolgt werden. Das mag auch sein, dass das »alte« Konzepte sind. Aber die Tatsache, dass diese Konzepte einer Gegend übergestülpt werden, die selbst damit noch überfordert ist, beweist einmal mehr, dass Kulturarbeit eine politische Kraft ist. Peace & Fire!

KUPFradiosendung: meta.morfX unter: http://cba.fro.at/show.php?lang=de&eintrag_id=14436

http://sakog.net

Stefan Haslinger ist Teil der Geschäftsführung der KUPF, im Vorstand der IG Kultur Österreich und des KV waschaecht und Vorsitzender des Betriebsvereins Alter Schl8hof Wels.

Jetzt teilen