EDITORIAL #72

Ein kulinarischer Rundgang

 

„Heuer sind sie aber wieder streng zu uns …“

von Andi Wahl

soll laut Zeitungskommentar ein Besucher des diesjährigen Kaleidophon des Jazzatelier Ulrichsberg angesichts des wieder sehr experimentellen Programms geseufzt haben. Auch wir sind in der vorliegenden Nummer der KUPF-Zeitung ein bisserl streng zu Euch. Sehr viel Kulturpolitisches haben wir diesesmal aufzutischen. Wir haben aber dennoch versucht, ein verträgliches Mahl zu kreieren: Der erste Gang ist zugegebener Maßen etwas heftig. In Umgehung des ansonsten bei mehrgängigen Festgelagen üblichen Aperitifs, servieren wir gleich eines der Hauptgerichte, eine Diskussion der Kultursprecher vierer zum Landtag kandidierenden Parteien.

Wem dieser Gang dann doch etwas zu saftig geraten ist, der/die hat im Anschluß Gelegenheit, das alles mit einem zwar etwas trockenen, aber sehr quellfähigen Knödel aufzutunken. Die Vorsitzenden der Fachbeiräte des vor kurzem neu bestellten Landeskulturbeirates, sowie dessen neuer Vorsitzender stellen sich und ihre Vorstellungen vor. Eine runde kompakte Sache dieser Landeskulturbeirat, der somit auch alle Attribute eines gelungenen Knödels in sich vereint. Daß Kulinarisches nicht nur wohlig-rund sondern manchmal auch ungewöhnlich schmecken kann, und somit zum genaueren „Hinschmecken“ verleitet, wollen wir mit einem Interview, das Martin Lengauer mit Ernst Strouhal geführt hat, Rechnung tragen. Ganz nach dem Motto von Nikolaus Harnoncourt – um einen anderen Bereich der Sinnesfreuden zu bemühen – daß kein Konzert ohne eine Uraufführung vonstatten gehen sollte. Bereits Gegessenes präsentieren Uli Böker mit ihrem Bericht vom ersten öffentlichen KUPF-Regionaltreffen in Ottensheim (Gourmet-Tip: empfehlenswert, und Rainer Zendron mit Anmerkungen zu den Festlichkeiten rund um das 50-Jahre-Jubiläum der Landeskulturabteilung (Gourmet-Tip: grauslich!). Von einem Schmankerl der besonderen Art weiß Manfred Berghammer zu berichten: Der Ausgang unserer Klage gegen die FPÖ. Manfred Berghammer entdeckte dabei ganz neue Geschmacksnuancen an diesem derben Braten (ein Hauch von abgestandenem Weihrauch, wenn ich es recht deute). Berghammer steuert auch noch einen kleinen optischen Bericht über die Mauernaktion der KUPF im Rahmen der Ausstellung „An der Grenze des Erlaubten“ in Linz für unsere Speisenkarte bei. Gehört dies alles eher in die Sparte „regionale Küche“, so läßt uns Sylvia Amann in die Kochtöpfe europäischer Kulturpolitik blicken. Hier ist der Brei nämlich ordentlich am Kochen und man ringt sich erst dazu durch, eine eigene europäische Kulturpolitik zu entwickeln, die mehr ist als die (möglichst ausgewogene) Befriedung regionaler/nationaler Gustos.

Wenn das dem Einen oder der Anderen ein wenig schwer im Magen zu liegen kommt, der/die wird für die vielen Mühen mit wunderbaren Desserts entschädigt. Durch behutsames und wohlüberlegtes langsames Backen ist es gelungen dem Projekt Jugendinnovationstopf eine goldbraune Kruste zu zaubern, die jedem Haubenkoch den Neid ins Gesicht treibt: Drei Berichte von den ersten durchgeführten Projekten. Nach dem Essen sollst Du …. Für die kleine aber treue und eingeschworene Fan-Gemeinde gibt es auch diesmal natürlich wieder einen Sportartikel und für die Schleckermäuler ein weiteres Stück des Himbeerzuckerls.

Wohl bekomm’s!

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