Was ist das für 1 Öko-Influencerinnen-Life?

Madeleine Alizadeh betreibt seit 2013 Ökoaktivismus im Netz. Was das ist und was konstruktiver Kapitalismus damit zu tun hat, beschreibt sie im Folgenden.

Als dariadaria mobilisiere ich Menschen online hin zu einem bewussteren Umgang mit Ressourcen. Es geht mir darum, ihr Konsumverhalten zu hinterfragen, zu ändern, aber auch darauf hinzuweisen, dass das allein nicht reicht. In den vergangenen Jahren ist der sogenannte Ökoaktivismus nämlich in die Falle getreten, zu suggerieren: Wenn du deinen eigenen Konsum veränderst, rettest du die Welt. Dabei reicht es natürlich nicht, einfach einen Mehrwegbecher zu verwenden. Ökoaktivismus im Netz muss viel weiter denken.

Ich wuchs in einem politisierten Haushalt auf, demonstriere seit ich 13 Jahre alt bin und studierte eine Zeit lang Politikwissenschaft. Dennoch kaufte ich bis 2013 bei H&M ein, bis ich mir die Frage stellte: Wer macht eigentlich dieses 5 € T-Shirt? Die Jahre darauf suchte ich nach Antworten. Ich brach gut bezahlte Kooperationen mit Unternehmen ab, die nicht verantwortungsvoll agierten. Ich begann, über faire Mode, Ausbeutung von Textilarbeiter*innen und ethischen Konsum zu bloggen. Ich stellte mir die Frage, ob es sowas wie konstruktiven Kapitalismus überhaupt gibt. Für mich habe ich schließlich beschlossen, dass das gehen kann: Wichtig ist dabei, ein kollektives Bewusstsein für unsere konsumorientierten, kapitalistischen und entpolitisierten Haltungen und Handlungen zu schaffen. Natürlich reicht es nicht, auf Plastiksackerl zu verzichten, genauso wenig wird ein Flug weniger im Jahr die globale Ökobilanz drastisch senken. Mein ständiger Appell ist also: Es gilt, das System in Frage zu stellen. Diese breite Bewusstseinsbildung versuche ich im Netz, wenn ich immer wieder reflektiere, wo die Möglichkeiten Einzelner aufhören und Kooperation und Solidarität gefragt sind.

Digitaler Ökoaktivismus kann aufgrund seiner Direktheit und Schnelligkeit dennoch Einfluss nehmen auf unsere täglichen Entscheidungen. Wenn meine Posts konkrete Kaufhandlungen verändern, ist das auch schon okay. So entpolitisiert das scheinen mag: Umverteilung findet auch dort statt. Oder um es mit Markus Kozas Worten zu sagen: Geld ist wie Kuhmist. Auf einen Haufen konzentriert, stinkt es gewaltig. Aber gleichmäßig über ein Feld verteilt, ist es ein irrsinnig guter Dünger.

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