Culture for Future

Sie verwenden Mehrwegbecher, reparieren Gegenstände oder retten Lebensmittel: Kulturinitiativen im ganzen Land stecken das kulturelle Feld neu ab und bereiten mit kleinen Schritten den Boden für einen ökologischen Wandel vor Ort. Richard Schachinger hat ‚Climate Spotlights‘ recherchiert.

Die Fakten zur Klimakatastrophe liegen schon lange auf dem Tisch. An unserem Energie- und Ressourcenverbrauch haben diese allerdings herzlich wenig geändert. Warum eigentlich? Eine zentrale These dafür lautet, dass technische Zahlen für den Großteil von uns zu abstrakt, wenig prickelnd und folglich nicht gerade bewegend sind. Auf ökologische Fragen braucht es demnach auch kulturelle Antworten. Kunst und Kultur können etwas zum Klimaschutz beitragen, was kein anderer gesellschaftlicher Bereich zu leisten vermag: Sie eröffnen neue Perspektiven, schaffen emotionale und erlebbare Zugänge und regen Debatten an. Das gilt im besonderen Maße für initiative Kulturarbeit: Durch ihre Beteiligungsprozesse vor Ort hat sie das große Potential, Machbares aufzuzeigen und konkrete Vorbildwirkung zu erzeugen. Kurzum: allesamt Eigenschaften, die es jetzt braucht, um einen Wandel anzustoßen und eine neue ‹Klimakultur› zu gestalten.

So vielfältig die freie Kulturszene selbst sind dann auch die Praktiken auf dem Feld der Klimakultur: einige sind erprobt, andere dezidiert experimentell oder manche gar unbewusst. Klimaschutz wird dabei entweder zum Programm gemacht oder das Programm möglichst klimafreundlich ausgerichtet. In Breite und Stringenz gibt es freilich Luft nach oben. Vor diesem Hintergrund sind auch die folgenden beispielhaften ‹Climate Spotlights› zu verstehen:

1 SECOND HAND & KOST NIX
Nach dem Motto „Ohne Kohle zur neuen Garderobe“ können bei einer Kleidertauschparty ehemalige Lieblingskleidungsstücke mit Anwesenden getauscht werden. Solche Partys finden regelmäßig im FreiRaumWels, im OTELO Vöcklabruck oder im röda Steyr statt: Dort können 10 gut erhaltene Kleidungsstücke 1:1 eingetauscht werden – freilich begleitet von guten Drinks und Tunes. Auch bei „Kost-Nix-Läden“ ist der Name Programm: So können nicht mehr benötigte Gegenstände in den OTELOs Ottensheim und Freistadt oder im Willy*Fred Linz zu den Öffnungszeiten vorbeigebracht oder mitgenommen werden. Damit setzen diese Initiativen auch ein Zeichen gegen den Konsumzwang und laden zur Reflexion ein. Das machen auch der Infoladen Wels oder die Freien Medien, wenn sie mit ihrer Arbeit offene Räume für Diskurs und Reflexion schaffen.

2 KITCHENS
In diesen „Gemeinschaftsküchen“ werden statt Lebensmitteln ganz andere Materialien verarbeitet: In der Nähküche Linz wird Ausgetragenes, Löchriges und Altes recycelt, um es in schöne und persönliche Einzelstücke zu verwandeln. Dabei stellt die Nähküche Nähmaschinen, Stoffe und Know-how zur Verfügung und bietet regelmäßig Workshops für neue Nähköch*innen an. Ganz andere Zutaten bei gleichem Kochstil gibt es bei den so genannten Bike Kitchens, wo sich das eigene Fahrrad reparieren oder verändern lässt. Gelegenheit dazu gibt’s Donnerstags bei der KAPU Linz oder im Radamt Ottensheim.

3 REPAIR ME
Das Konzept ist gleichermaßen simpel wie genial: Bei diesen Treffen reparieren die Teilnehmenden mit Unterstützung von handwerklich Geschickten elektronische Geräte, Spielzeuge oder Fahrräder. Wichtigste Regel: Es werden nur Gegenstände repariert, die man alleine hin- und wieder wegtragen kann. Hierzulande haben sich vor allem die OTELOs – offene Technologielabore – auf dieses Format spezialisiert: So finden in Linz, Vorchdorf oder Grieskirchen regelmäßige „Repair Cafés“ statt.

4 FOOD & GARDENING
Nahrungsmittel sind ein großer Klimafaktor: Entsprechend hoch im Kurs stehen Gemeinschaftsgärten wie das Garten Labor in Leonding, Lebensmittelkooperativen zur Stärkung der regionalen Bio-Produktion wie die FoodCoop im OKH Vöcklabruck oder „Dumpster-Aktionen“ und „Food-Sharing-Initiativen“ zur Rettung von weggeworfenen Lebensmitteln. Einige Kulturschaffende sind in diesem Bereich aktiv, das Potential für neue Kooperationen und Projekte wäre allerdings noch ein viel größeres.

5 GREEN EVENTS
Wer Veranstaltungen möglichst klimafreundlich ausrichten möchte, findet bei den Green Events wertvolle Anhaltspunkte
und kann sich als solches auszeichnen lassen (vgl. S. 16 f. in dieser Ausgabe). In OÖ haben sie sich aus dem Klimakultur-Ansatz des Klimabündnis entwickelt und sind seit jeher eng mit freien Kulturinitiativen verknüpft: So gelten das Bock Ma’s Benefizfestival in Timelkam und die Unterkagerer Sunnseitn im Jahr 2005 als erste Green Events hierzulande. Insbesondere im Bereich der initiativen Sommerfestivals sind Green Events stark vertreten – vom Seewiesen Festival in Kleinreifling, Rock im Dorf in Klaus bis hin zum Musikclub Open Air in Lembach. Open Air Ottensheim und das Taiskirchner Free Tree Open Air zum Beispiel belohnen die öffentliche Anreise ihrer Gäste mit einem Freigetränk, setzen auf Mehrweggeschirr und Bio-Lebensmittel oder haben ein Abfalltrennsystem für den Campingplatz entwickelt. Auch abseits der Festivallandschaft wachsen Green Events, so organisiert waschaecht Wels jährlich das Rad & Roll oder das OKH Vöcklabruck sein hauseigenes Programm möglichst klimafreundlich.

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