Wir sind nicht gleich, aber manche sind gleicher

Gleichstellungsziele waren das Jahresthema von FIFTITU%-Vernetzungsstelle für Frauen in Kunst und Kultur. In einer dreiteiligen Reihe wurde jeweils theoretisch und praktisch beleuchtet, wie diese Ziele in der Kunst- und Kulturarbeit vorangetrieben werden können.

 

Mit dem Jahresthema Gleichstellungsziele und der Veranstaltungsreihe „Wir sind nicht gleich, aber manche sind gleicher“ wurden Barrieren aufgezeigt, die über Ausstellungskultur, über Sprache oder über Bilder entstehen – und es wurde nach möglichen Strategien gesucht, um diesen Barrieren entgegenzuwirken. Festgestellt wurde: Gleichstellung ist Weg und Ziel zugleich und ist als Instrument für gerechte Ver/Teilung zu begreifen. Gleichstellung wirft aber auch neue Probleme auf. Gleichstellung kann nicht für andere gemacht werden, sondern nur im Prozess mit allen Beteiligten entstehen. Die Philosophin Birge Krondorfer eröffnete den ersten Teil der Reihe im Mai 2011 und gab eine Einführung in mögliche Gleichstellungspraxen sowie einen kritischen Blick auf aktuelle Gleichstellungsdiskurse. Im Workshop „Aufrollen – eine Intervention zu Barrierefreiheiten im Museum“ mit Expertinnen von Radiabled eine Ausstellung im Kunstmuseum Lentos auf Barrierefreiheit geprüft. Besonders geachtet wurde auf: Ausstellungsarchitektur, Positionierung und Hängung der Werke, Texte, Audioguides, Guides für Gehörlose usw.
Im zweiten Teil der Reihe im Oktober wurde die Wirkung von Sprache auf die Lebenswirklichkeiten von Menschen beleuchtet – im Mittelpunkt stand die Frage: Ist es möglich, eine Sprache zu verwenden, die nicht diskriminiert, die nicht trennt, sondern einschließt und dabei die Prinzipien der „Einfachen Sprache“, auch „Easy to Read“ genannt, berücksichtigt? In einem Fachvortrag referierte Andrea Petz vom Institut „Integriert Studieren“ über die Wirkung von Sprache und gab eine erste Einführung in „Easy to Read“. Künstlerisch ergänzt wurde der Abend mit „Speech-Less“, einer Spoken Word Performance von Njideka Stephanie Iroh aka NJ. Der praxisorientierte Workshop „Wer teilhaben soll, muss auch verstehen können“ mit Manuela Mittermayer und Carmen Pilz beschäftigte sich genauer mit den Regeln der „leichten Sprache“ und stellte auch deren Grenzen fest. „Easy to Read“ wurde für und vor allem mit Menschen mit Lernschwierigkeiten entwickelt und berücksichtigt genau deren spezielle Bedürfnisse. Gendergerechtes Formulieren stellt bereits einen ersten Widerspruch dazu dar und ist nur sehr schwer vereinbar. Die Regeln für „leichte Sprache“ verunmöglichen einen eigenen Schreibstil. Zudem geht einfaches Formulieren ab einem gewissen Punkt auf Kosten der Information. Eine mögliche Lösung ist es, Informationen mehrfach anzubieten. Ein Beispiel dafür ist der „Wurlitzer“ der Aktion Hunger auf Kunst und Kultur. Diese hat ein eigenes Programmheft in leichter Sprache herausgegeben, das auch vor allem durch das Verwenden von Symbolen für Menschen mit Lernschwierigkeiten gut geeignet ist. Am leichtesten zu verwirklichen ist es, auf technische Barrieren, die im Web entstehen können und ein entsprechendes Layout im Printbereich, zu achten. Beim Formulieren ist jedoch sehr viel Kreativität und Auseinandersetzung mit unterschiedlichsten Bedürfnissen und Einschränkungen nötig. Entstanden ist der uralte Wunsch, die Sprache gemeinsam neu zu definieren und auch wieder lustvoller zu gestalten.
Abgeschlossen wurde die Reihe im November unter dem Titel „Bildpolitiken und Gleichstellungsziele“. Johanna Schaffer erklärte im Vortrag „Antidiskriminatorische Bildproduktion in der Kunst- und Kulturarbeit“ anhand von Bildbeispielen, wie Bilder Diskriminierungen/ Minorisierungen herstellen und wie eine bewusste Bildpolitik dies verändern kann. Im Workshop mit Iris Borovčik und Marissa Lobô ging es wiederum um „Strategien kritisch-künstlerischer Praxen“, welche die Grenzen zwischen Kunst und Aktivismus aufheben oder negieren. Beispielhaft wurde über Strategien der (Ver-)Störung und Parodie und über andere Formen, die in die alltägliche Ordnung eingreifen, diskutiert. Ausgangspunkt war die Feststellung, dass Kunst nicht unabhängig, frei, oder von gesellschaftlichen Machverhältnissen entkoppelt ist, sondern es immer um ein Ausverhandeln von Positionen in bestehenden Räumen geht.

Radiobeiträge zum Thema:cba.fro.at
Radiabled ist das Redaktionsteam der Sendung für Barrierefreiheit von Menschen mit und ohne Behinderungen für alle von Radio FRO.

 

 

Informationen zuleichter Sprache und einen jeweils aktualisierten Guide gibt es unter: leichtesprache.org
 
 

Produkt zum Warenkorb hinzugefügt!
0 items - 0,00