Pfeffer für den neuen Herrn (nicht Frau) Kulturdirektor

Julius Stieber ist seit Mai mit dem Amt des Linzer Kulturdirektors betraut. Der KUPF gibt er sein erstes Interview. Pamela Neuwirth sprach mit ihm über das Erbe Jankos, seine Pläne, über das Prekariat, das wir alle nicht mehr loswerden, Förderpolitik und Linz09. Als Einstandsgeschenk gab es von der KUPF 70g Pfeffer, erworben in der Markthalle um Euro 3,20. Das Preispickerl haben wir zur Sicherheit kleben lassen …

 

KUPF: Zum Janko Erbe …? Julius Stieber: Vor dem Janko Erbe habe ich Respekt. Es ist mit dem Auftrag »Kultur für Alle« verbunden. Es ist eine Pioniertat. Ein breiter Zugang zu Kunst und Kultur ist auch mir ein großes Anliegen. Man muss Kultur weiter entwickeln. Für mich ist der Auftrag nach Linz09 gemeinsam mit den Kulturschaffenden Kultur neu zu denken. Mein erstes Projekt ist es, den »KEP Neu«* zu erarbeiten. Das soll ein Nachdenkprozess sein. Am Ende sollen Wegmarken stehen, an denen man sich orientieren kann. Auf die Stärken der Stadt setzen, zum Beispiel auf die Freie Szene. Die ist für mich ein wesentlicher Teil der Kultur, sich mit zukunftsorientierten Konzepten zu etablieren. Ein zweiter Punkt ist die gemeinsame Zusammenarbeit von Stadt, Land und Freier Szene. Da ist noch viel Potential drinnen, und dass man die oft nicht nachvollziehbaren Animositäten überwindet.

*Mit dem Kulturentwicklungsplan (KEP) legte Linz im Jahr 2000 als erste österreichische Stadt ein langfristig ausgerichtetes kulturpolitisches Konzept vor.

KUPF: Wie funktioniert der »KEP Neu«? J.S.: Das muss noch politisch abgesegnet werden, im Gemeinderat. Wir erarbeiten bis September, wie der Prozess »KEP Neu« ablaufen soll. Dann soll der politische Beschluss gefasst werden und nächstes Jahr soll das gestartet werden, dh. unter möglichst breiter Beteiligung der Kulturinteressierten, KünstlerInnen, des Stadtkulturbeirates und der Medien.

KUPF: Was ist die Macht des Kulturdirektors? J.S.: Ich sehe mich als inhaltlichen Konzeptor und Entwickler. Der Kulturdirektor ist das Bindeglied, um zwischen Verwaltung und Politik zu agieren. Er hat die Möglichkeit, die Politik zu überzeugen. Das ist die eigentliche Macht.

KUPF: Welche Kürzungen sind im Kulturbudget zu erwarten? J.S.: Hm, … zu wenig lange im Amt, daß ich zu meiner Beziehung, die ich mir zum Land noch gestalten muss, etwas sagen könnte. Es gibt Gespräche zwischen Beamtinnen und den Institutionen, aber auf politischer Ebene sagt nicht der eine Referent dem anderen: du darfst nicht kürzen. Das gibt es nicht. Die Bereiche sind klar abgesteckt. Aber ich hoffe, daß wir nächstes Jahr keine Kürzungen haben werden!

KUPF: Kennen Sie die ZuMUTungen? J.S.: Die ZuMUTungen habe ich im Zuge des Kulturleitbildprozesses studiert. Da habe ich mit der KUPF engsten Kontakt gehabt. Ich finde es wichtig, dass von der KUPF und der Freien Szene Anstöße zur Kulturpolitik kommen.

KUPF: Das Prekariat werden wir alle nicht los. Wie sehen Sie den Begriff Creative Industries? J.S.: Es ist leider eine traurige Tatsache, dass Künstlerinnen in Österreich Armutsgefährdet sind. Künstlerinnen haben in den letzten Jahrzehnten nicht am gesellschaftlichen Wohlstand partizipieren können. Das ist ein Missstand. Dagegen muss man von Seiten der Kulturverwaltung etwas unternehmen. Creative Industries finde ich einen spannenden Weg, den man beschreiten kann, wenn man das mit den Künstlerinnen macht. Um Künstlerinnen ein zweites Standbein zu ermöglichen. Das, Künstlerinnen als Auftraggeberinnen ernst genommen und als Unternehmerinnen tätig werden können, heisst nicht, dass die Förderung ersetzt wird. Ich glaube, dass es für das Selbstbewusstsein der Künstlerinnen und die Entwicklung der Potentiale wichtig ist; das hängt auch davon ab, ob man ökonomisch unabhängig ist.

KUPF: Wie problematisch ist das Ehrenamt? J.S.: Da muss man differenzieren. Es ist wichtig, dass es das Ehrenamt gibt. Das ist auch für zeitgenössische Kulturvereine nicht ersetzbar. Andererseits gibt es ein gesellschaftliches Anliegen, dass Kulturarbeit stattfindet, ein gesellschaftlicher Wert, den man bewerten muss. Wenn es Angebote geben soll, ein Veranstaltungszentrum oder Infrastrukturen aufgebaut werden, dann ist es nicht einzusehen, dass man das mit Ehrenamt leistet. Da muss es Kulturarbeiterinnen geben, die bezahlt werden.

KUPF: Zur Transparenz im Bereich Kulturförderung? J.S.: Kleiner Seitenhieb: ich habe Linz09 positiv gesehen, aber der Prozess, wie mit Einreichungen umgegangen wurde, war nicht transparent.

KUPF:Janko meinte, er hätte Heller mit Eiern beworfen. Viele Konjunktive, … J.S.:… das werden Sie von mir nicht hören. Das ist die Hauptkritik an Linz09: es war nicht nachvollziehbar, nach welchen Kriterien entschieden wurde. Die Einreichbedingungen waren absolut nebulos. Das soll nicht sein. In der Förderung ist Transparenz ein wichtiger Teil. Wir haben dazu gute Ansätze. Es gibt Drei-Jahres-Verträge, Sonderförderprogramme, wo eine Jury entscheidet. Das sind für mich Programme, die man noch ausbauen kann.

 

———————————————————— Julius Stieber ist seit 1996 in der Direktion Kultur des Landes Oberösterreich in unterschiedlichen Funktionen tätig. Er studierte Germanistik und Geschichte an der Universität Wien. Schwerpunkt seiner Forschungen war die österreichische Exilliteratur. Von 1992 bis 1996 unterrichtete er an verschiedenen Schulen in Linz. In der Direktion Kultur lagen die Schwerpunkte seiner Tätigkeit im Bereich der Kinder- und Jugendkultur, der Kulturpolitik und des Veranstaltungsmanagements. Seit 2001 war er Leiter des Theaterfestivals Schäxpir. Mit Anfang Mai 2010 folgte er Siegbert Janko nach, dem ehemaligen Kulturdirektor der Stadt Linz. Mit Amtsantritt kam es zur Kritik, insbesondere von Seiten des Vereins Fiftitu, der Vernetzungsstelle für Frauen in Kunst und Kultur in OÖ. Fiftitu hat sich dabei auf den Frauenförderplan der Stadt Linz berufen, denn laut Förderplan ist eine Quote bei Neubesetzungen zu erfüllen.

Pamela Neuwirth. Lebt und arbeitet in Linz.