Frei Schwebend

von Christian Diabl

 

Eigentlich ist spotsZ aus Linz nicht mehr wegzudenken. Für manche ist es das Programmheft der freien Szenen, für andere der aktuellste Versuch, so etwas wie eine Stadtzeitung zu etablieren, für mich ob des Formats die gedruckte Auslage der Linzer Szene.

Wer sich im urbanen und alternativen Kunst- und Kulturmilieu bewegt, stolpert unweigerlich über das Hochglanzblatt, dessen Cover aus dem üblichen – in Österreich ohnehin lächerlich kleinen – Blätterwald herausragt. Viele haben schon mal für spotsZ geschrieben, noch mehr ihre Veranstaltungen darin gefunden und fast jeder blättert zumindest durch, wenn die neue Ausgabe im Zeitschriftenständer des Café Stern auftaucht. Und trotzdem droht das Projekt irgendwo zwischen der üblichen Ignoranz der Politik, den im Monatstakt ausbrechenden Wirtschaftskrisen und dem Linz09-Kater unterzugehen. Aber noch ist nichts verloren.

SpotsZ versteht sich als »bedarfsorientiertes Kultur- und Medienprojekt mit einem Fokus auf freie Kulturschaffende und/oder zeitgenössische Kunst«. Oder – was mir noch besser gefällt – als »permanentes Medienexperiment, das sich zwischen Kritik und vertiefter Vermittlung verortet hat«, so die beiden Herausgeberinnen Sabine Funk und Tanja Brandmayr. In den letzten vier Jahren und 40 Ausgaben hat sich um spotsZ ein Pool an Schreiberinnen und Expertinnen gebildet, von dem mittlerweile sogar einige Tageszeitungen profitieren. Finanziell geht es spotsZ nicht viel anders als den meisten seiner Protagonistinnen. Prekär, von Projektförderung zu jurierten Töpfen eilend, zuviel zum Sterben und zuwenig zum Leben. Eine längerfristige strukturelle Förderung ist trotz des Erfolges noch immer nicht in Sicht. Die Gründe dafür sind vielfältig und jeder – auf öffentliche Gelder angewiesenen – Künstlerin leidlich bekannt. Reguläre Medienförderung ist nicht drin, da es sich ja um ein »freies« Medium handelt. Aus dem Topf für freie Medien wiederum gibt’s auch nichts, weil spotsZ durch die Inserate ja auch kommerzielle Einnahmen hat. Der Bund wiederum fördert nur Kulturzeitschriften, die auch verkauft werden. Was sich wie ein Schildbürgerstreich anhört, ist das ganz normale behördliche Spiel, wo der Wirrwarr von Zuständigkeiten und Ausschließungsgründen laufend Argumente liefert, kein Geld hergeben zu müssen. »Ganz allgemein hat man uns schon so was wie Sympathie entgegengebracht, aber nicht wirklich gewusst, wo man uns hintun soll«, berichten Sabine und Tanja von ihren Erfahrungen im heimischen Förderdschungel. Im letzten Jahr, als sich Linz Kulturhauptstadt Europas nennen durfte, ließen sich Stadt und Land nicht lumpen und finanzierten beide gemeinsam ca. eine dreiviertel Ausgabe der Zeitung. Aus dem Mega-Budget von Linz09 fielen zwar ein paar Inserate ab, doch wurde den Projektbetreiberinnen in erster Linie geraten, sich selbst Geld zu beschaffen, weil das mittlerweile in der hippen Kunstschickeria à la Heller »State of the Art« sei. So etwas ausgerechnet von Linz09 zu hören passt wunderbar in das Bild, das von dem Kulturhauptstadtapparat in Linz übrig geblieben ist.

Fakt ist, dass spotsZ Geld braucht. Der Herbst ist noch gesichert, es braucht aber ein breiteres finanzielles Bekenntnis zu diesem Medium. Das Projekt sieht seine Chance in einer »Flucht nach vorne«, in einem Ausbau: »wir haben da soviel reingehackelt, jetzt schauen wir mal, ob es kulturpolitisch und wirtschaftlich gesehen wirklich landen kann. Ob wirklich Geld lukriert werden kann.« Doch lediglich auf die Fördergeberinnen zu schimpfen ist den Projektbetreiberinnen zuwenig, auch die freien Szenen müssen sich überlegen, ob sie auf ein derartiges Medium so ohneweiters verzichten können. »Es geht viel allgemeiner auch um die Kulturinstitutionen/ Kulturveranstalterinnen, die ja Interesse haben müssten, dass verstärkt Reflexion betrieben wird. Zumal es ja nun noch mehr neue Häuser gibt, die bespielt werden. Soll heißen: Ein Medium wie spotsZ braucht von allen Seiten dringend Unterstützung, um das auch leisten zu können« bringen die beiden die Sache auf den Punkt. Kooperationen, Engagement und Wertschätzung sind gefragt. Der neue Kulturdirektor Julius Stieber scheint die Bedeutung von spotsZ für die Kunst- und Kulturschaffenden zu erkennen und signalisiert Interesse an einem Fortbestand. Es bleibt also zu hoffen, dass der Kater nicht zum Kahlschlag wird und, dass auch das offizielle Linz begreift was es an spotsZ hat und wie groß die Lücke wäre, wenn schon wieder ein erfolgreiches Zeitungsprojekt aus rein monetären Gründen den Bach runtergehen würde. Also, wer nicht auf das »mehr Kultur« in den OÖN angewiesen sein will, sollte darüber nachdenken, ob sich nicht ein Förderabonnement (80,- Euro) auszahlen würde.

Christian Diabl, Politikwissenschafter und Kulturaktivist in Linz und Wien