Krüppelfichte und Arsch der Welt!

Hanna Schatz über Gmundner Krüppelfichten und den Arsch der Welt.

Die mediale Verunglimpfung des Hoamatlands in der Bundesrepublik Deutschland nimmt kein Ende: Zuerst schimpft Spiegel Redakteur Wolfgang Höbel unsere Landeshauptstadt „Arsch der Welt“ und dann wird in der Bild-Zeitung die Gmundner Christbaumspende für Frankfurt als „Krüppelfichte“ bezeichnet.

Gmunden
Die Fichte ist nicht wie die Bild fälschlich behauptet krumm, kahl und schief, sondern ein 26 Meter hoher Prachtbaum, der lediglich unter dem Transport ein bisschen gelitten hat und „fehlende Äste werden behutsam ersetzt“, versichert der Gmundner Bürgermeister Köppl. „Sie wird den Menschen gefallen“, gibt er sich zuversichtlich. Na also, alles Blödsinn in der Bild.

Linz
„Eigentlich geht man überhaupt nicht nach Linz. Linz ist der Arsch der Welt: Chemie, Langeweile, Drogen.“ So Höbels Charakterisierung unserer Landeshauptstadt in seiner sonst sehr feinen Satire über Gangster-Rapper Bushidos Prozess am Linzer Landesgericht. Höbel beschreibt Eindrücke über den Prozess und über die Stadt. Er karikiert die Welt der Rapper indem er sich ihrer Sprache bedient, die gezeichneten Bilder wiedergibt. Nicht weiter verwunderlich also, wenn er höchstens die Vulgarität der Worte aber nicht ihre Aussage bedauert.

Auch nicht verwunderlich, aber umso entlarvender ist die Reaktion des Linzer Bürgermeisters. Bizelig, beleidigt kommentiert er, so einen Blödsinn habe er selten gelesen und der Artikel richte sich selbst. Dass es um den Kunst- und vor allem Kulturbegriff der Linzer
Sozialdemokratie traurig bestellt ist, zeigte sich auch schon im Oktober: Eine mediale Schlammschlacht um die Linzer Museen. Inszeniert vom Roten Triumvirat. Innhaltsleer, aufgehängt auf irrwitzigen Zahlen, untergriffig ausgetragen auf dem Rücken von Menschen. Kurz: Im höchsten Maße widerlich, um es mit den Worten von Irene Judmayer auszudrücken.

Da hätte die eine oder der andere beinahe versucht sein können zu fragen, wer anstatt wo der anus mundi tatsächlich ist. Mittlerweile ist nicht nur der Oktober sondern auch die Diskussion Vergangenheit und jüngste Ereignisse lassen hoffen. Die Kulturinitiative qujOchÖ lässt den Linzer Bürgermeister in einer Aussendung als Gangster-Rapper das hart erarbeitete Linzer Image (nicht das mit dem A…, das andere) gekonnt verteidigen.

Nach Beratung mit Planungsstadtrat Luger und dem Finanzreferenten Mayr beschließt das Triumvirat alias „Dobushido“, „Big K. Luger“ und „Dirty Jonny M.“ dem Problemverursacher Bushido in der Rapper-Welt den Kampf anzusagen. Dobushido fordert Bushido im Rahmen des nächsten Plasterspektakels zu einem Rhyme-Battle. Eine Kostprobe seiner Fähigkeiten ist auf www.quitch.net” abrufbar.

Ein wenig überraschend, aber umso erfreulicher ist diesmal die Reaktion des Linzer Bürgermeisters. Er hat sich bei der Betrachtung des Videos nicht nur „sehr amüsiert“, wie er sagt, sondern auch festgestellt: „Das ist kreativ.“ Na, bitte. Ein deutlicher Aufbruch weg vom aktuellen Image (jetzt schon das mit dem A…) in Richtung 2009. Bleibt zu hoffen, dass das auch unsre deutschen Nachbarn feststellen und endlich aufhören mit ihren unqualifizierten Weihnachtsbaumbeschimpfungen!

Hanna Schatz lebt und arbeitet in Linz

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