Mitgegeben

Das Land Oberösterreich hat die Förderungen für Kulturvereine stark gekürzt. Welche Konsequenzen hat das für die Kulturszene? Muss Personal abgebaut werden? Kann nur mehr weniger Programm angeboten werden? Sind Privatkredite gefährdet? Wird vielleicht sogar überlegt, aufzuhören oder zuzusperren? Wir fragen Betroffene.

Adé dem St. Pölten Schmäh

Ein Großteil der Landesförderung wird im Endeffekt monetär nicht der Kultur, sondern der heimischen Wirtschaft entzogen. Geld, das für gutes Catering oder eine Hotelübernachtung ausgegeben wird, kann nun nicht mehr für den weltweiten Ruf der „best location on tour“ aufgebracht werden. Gibt es halt wieder nur ein Gemüsecurry (nichts gegen unser Gemüsecurry) oder die Band kommt halt nicht nach Linz (weil unser Mehr-Bett-Backstageraum dem Vertrag nicht gerecht werden kann), sondern spielt in Wien oder St. Pölten. Leider zieht der St. Pölten Schmäh nicht mehr, da Niederösterreich nun die offensichtlich bessere Kulturarbeit leistet als die BWL-Roboter rund um LH Stelzer.
Vor existenzbedrohenden Maßnahmen können wir uns zum Glück schützen. Da wir, und darin liegt eine schöne Ironie, wahrscheinlich viel besser wirtschaften als die regierenden Bonzen.

Günther Ziehlinger, stv. Geschäftsführer KAPU, Soziologe, Aktivist, Künstler, kapu.or.at

Frauenland retten. Heißt Demokratie retten*

Seit zwei Jahrzehnten leistet fiftitu% – Vernetzungsstelle für Frauen* in Kunst und Kultur mit minimalsten Budgets unverzichtbare Arbeit, um die Selbstbestimmung von Frauen* zu fördern. Wenn durch die Kürzungen Institutionen und Netzwerke wie unseres in Frage gestellt werden, wird damit eine Symbolpolitik betrieben, die uns Angst machen muss. Der Kampf ums Geld, ums Überleben zieht viele Ressourcen ab, die bisher direkt in die Arbeit mit den Frauen* geflossen sind. Diesen Verlust kompensieren wir derzeit noch ehrenamtlich, aber Zukunftsmodell ist das keines. Besonders bitter ist, dass genau jetzt, wo wieder einmal Schritte zu mehr Gleichberechtigung gesetzt wurden (Drittes Geschlecht, gleichgeschlechtliche Ehe, Frauen*volksbegehren 2.0, etc), eine Politik herrscht, die an der Demontage feministischer Errungenschaften arbeitet und bereits Erreichtes wieder verteidigt werden muss.
Solidarisch werden hilft: fiftitu.at | frauenlandretten.at

Oona Valarie Serbest, Künstlerin und Kulturtäterin bei fiftitu%- Vernetzungsstelle für Frauen* in Kunst und Kultur, Feminismus und Krawall und peligro.at
*übernommen von Katrin Köppert, gwi-boell.de

Empört euch!

Durch die Subventionskürzungen werden wir längerfristig nicht an die letzten Jahre anknüpfen können, was Niveau und Angebot betrifft. Programm- und personaltechnische Veränderungen und eine Erhöhung der Ticket- und Getränkepreise sind die logische Konsequenz. Die erste Kündigung einer geringfügigen Position wurde vor kurzem bereits ausgesprochen und ich fühle mich regelrecht dazu genötigt, für das Jahr 2019 das Programmangebot drastisch reduzieren zu müssen. Es wird vor allem die kleinen „interessanten“ Events betreffen, wo richtig Herzblut drin steckt. Kulturinitiativen wie uns die Mittel zu kürzen, bedeutet auch, einer Nachfolgegeneration an noch nicht etablierten Kunst- und Kulturschaffenden einen Raum zur Entfaltung zu nehmen. Das ist traurig und KURZsichtig. Durch Privatkredite den Kulturbetrieb aufrecht erhalten zu können ist leider auch bei uns mittlerweile gängige Praxis, sollte aber nicht notwendig sein. Es muss dieser Entwicklung in der Politik entgegengewirkt werden. Empört euch!

Thomas „Thomsn“ Kern, Freie Szene-Aktivist, Veranstalter, Drummer und Dj, geboren in St. Pölten, lange in der Arena Wien aktiv, aktuell Geschäftsführer und Programmkoordinator des KV Röda in Steyr, roeda.at

Wider die Abwärtsspirale!

Das Kulturzentrum d’Zuckerfabrik besteht seit 25 Jahren. 2012 erhielten wir vom Land OÖ noch eine Jahresförderung in Höhe von € 24.000, die seither sukzessiv gekürzt wurde – auf mittlerweile € 18.000. Wir müssen überlegen, wo wir bei uns noch kürzen können. Egal, wo wir ansetzen, landen wir in einer Abwärtsspirale, durch die das Kulturzentrum an die Wand gefahren wird: Eine Reduktion der Kosten für Werbung bedeutet weniger Bekanntheit, weniger Gagen, weniger Besucher*innen, Kürzung des Personals, weniger bekannte Acts, teurere Tickets, insgesamt weniger Veranstaltungen. Solidarität mit dem Kulturzentrum d’Zuckerfabrik ist gefragt – ehrenamtliche Mitarbeit, Spenden, Benefizkonzerte, Sponsoren, und am wichtigsten: Besucher*innen der Veranstaltungen der Zuckerfabrik! Wir bieten eine Bühne für junge und unbekannte Künstlerinnen und Künstler. Wir wollen Veranstaltungen ermöglichen, die nicht die großen Hallen füllen. Dafür muss Platz in unserer Gesellschaft sein. Nur so bleibt Kultur lebendig.

Elke Herber, Obfrau Kulturzentrum d’Zuckerfabrik Enns, zuckerfabrik.at

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