Mitgegeben

Inklusion? Exklusion? Was heißt das für dich?

Liebe Menschen
Von Lisa-Viktoria Niederberger

Bisexuelle kann man sexualisieren, sie können sich nicht entscheiden, sind dauergeil und außerdem: Das unterstützt doch nur das binäre Geschlechtermodell – nein!
Ich bin mit einem Mann zusammen. Muss auch bei Brandreden über LGBTIQA-Rechte keine Diskriminierung fürchten, hier: im sicheren Hafen der Heteronormativität, in dem ich nur scheinbar zu Hause bin. Ich bevorzuge kein Geschlecht, liebe Menschen. Und wünsche mir eine Welt, die keine Labels braucht, keine Kämpfe um offen lebbare Liebe. Wünsche mir mehr Sichtbarkeit und Toleranz, innerhalb und außerhalb der Community. Einen Dialog, der freies Sprechen für alle möglich macht.

Lisa-Viktoria Niederberger ist Autorin und studiert Kulturwissenschaften an der Kunstuniversität Linz.

Zum Gendern: 
Geschrieben gendere ich mit Stern, meine Schwierigkeit ist eher das Sprechen. Da sag ich nämlich sehr wohl Linzerinnen und Linzer und nicht Linzer_innen oder in Linz lebende Personen, das ist noch entwicklungsfähig. Immerhin ist mir mein Manko klar, das ist Schritt 1 in die richtige Richtung.


Nicht mehr verwertbar
Von Monika Gebetsroither-Hartl

Wenn etwas ‚nicht mehr verwertbar‘ ist, ist es nicht mehr reparabel, reif für den Müll oder fürs Recycling. Und ‚nicht mehr verwertbare‘ Menschen? Wie stellst du sie dir vor? Wie fühlen sich die Betroffenen?
Die Diagnose „es besteht kein wirtschaftlich verwertbarer Sehrest mehr“, ausgestellt von einer Amtsärztin nach einer Augenerkrankung, traf mich mit 57, beruflich Lehrerin, und zog mir den Boden weg. Mein Versuch, Rahmenbedingungen zu verändern, um weiterarbeiten zu können, war gescheitert, aber ‚nicht mehr verwertbar‘? Meine Augen – ich? Gutachterinnen, bitte denkt nach! Ihr schreibt solche Worte auf, andere müssen mit ihnen (und mit massiven Gehaltseinbußen) leben.

Monika Gebetsroither-Hartl ist Lehrerin und Pädagogin in Frühpension und seit 2015 Mitarbeiterin im Lern- und Gedenkort Schloss Hartheim.

Zum Gendern: 
In der Sprache der Medien fünf Jahre lang ‚Männer mitzumeinen‘ – das wäre ein Zeitraum, der Wahrnehmung verändern könnte. Sprache ist kein ‚Naturprodukt‘, sondern verändert sich, wie andere Gegebenheiten auch.


Denk mal nach, du Scherzkeks
Von Maryam Al-Mufti

„Über alles und jeden darf man Witze machen, es nicht zu tun, das wäre wahre Diskriminierung“, hört man oft von Comedians. Damit machen sie es sich aber zu einfach und vergessen ihre gesellschaftlich privilegierten Positionen zu hinterfragen. Sei es mit dem noblen Ziel der Gesellschaftskritik: Als weißer Mann, der Witze über Sexismus und Rassismus macht, spielst du ohne Zweifel mit dem Feuer. Einem Feuer, das du nie am eigenen Leib spüren musst, weil du strukturell davor bewahrt wirst. Einem Feuer, dessen Macht du dir (zum Glück?) nie bewusst werden wirst. Das betrifft rechten und augenscheinlich linken Humor in gleichem Maß. Wenn diskriminierendes Material von Unbetroffenen, sei es zur reinen Belustigung oder zur Sozialkritik, reproduziert wird, hat es für mich immer einen komischen Beigeschmack.

Maryam Al-Mufti, geboren im Irak, aufgewachsen in Österreich, ist 22 Jahre alt und studiert Politikwissenschaften an der Universität in Wien.

Zum Gendern: 
Normalerweise versuche ich neutrale Formulierungen zu verwenden. Sollte das mal nicht gehen, das Gendersternchen. Aktuell recherchiere ich aber über andere Möglichkeiten und wäge noch die Vor- und Nachteile der verschiedenen Varianten ab.


Theater ohne Hindernisse
Von Franziska Mitter

Es macht Spaß in einer inklusiven Theatergruppe Theater zu spielen. Ich bin froh, dass ich in der inklusiven Theatergruppe dabei bin. Denn Theater zu spielen macht Spaß und ich kann mich gleichzeitig mit Leuten treffen und Spaß haben. 
In der Theatergruppe sind nicht nur Menschen mit Lernschwierigkeiten dabei, sondern auch Menschen mit nichtdeutscher Muttersprache. Wir schreiben unsere Texte selber. Daher ist alles leicht verständlich. Die Szenen sind schwierige Situationen aus unserem eigenen Leben. Es macht richtig Spaß in andere Rollen zu schlüpfen und sein Leben mal aus einem anderen Blickwinkel zu sehen.

Mein Name ist Franziska Mitter. Ich arbeite seit 2012 bei Proqualis am Kompetenznetzwerk KI-I als Peer-Befragerin. Ich bin seit 10 Jahren bei der inklusiven Theatergruppe Courage dabei. Das ist eine Theatergruppe vom Treffpunkt Mensch und Arbeit in Rohrbach Berg. 

Zum Gendern: 
Im Bereich leichte Sprache ist eine gendergerechte Schreibweise wichtig und nötig. Es muss hierbei aber beachtet werden, dass beide Nennungen ausgeschrieben werden und nicht mit Binnen-I, Gendersternchen, Unterstrich oder dergleichen. (Karin Lattner, KI-I)

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