Factbox: Creative Europe

Die Kulturplattform hat sich für die KUPFzeitung #149 mit Mag.a Elisabeth Pacher vom Creative Europe Desk des Kunstministeriums über die Eigenheiten europäischer Kulturprojekte und die Chancen der freien Szene ausgetauscht – herausgekommen ist eine kompakte Factbox zu Creative Europe für EinsteigerInnen.

Was ist ein „europäisches“ Kulturprojekt?

Charakteristisch für europäische Projekte ist die Zusammenarbeit über Grenzen hinweg. Ihr Wesen liegt in der Kooperation, im Austausch von Produktionen, Werken, Know-how und darin, „gemeinsam mehr“ zu erreichen. Europäische Kooperationsprojekte sind eine Chance, sich mit Kulturschaffenden anderer Länder zu vernetzen und gemeinsam ein Programm zu planen und umzusetzen. Nicht zuletzt liegt ihr Wert in der gegenseitigen Inspiration und in gemeinsamer Reflexion. Die laufende Abstimmung mit den Projektpartnern schärft nicht nur die interkulturelle Kompetenz, sie erfordert auch eine besondere Solidarität.

Seit 2014 gibt es mit „Creative Europe“ ein neues Programm – was ist anders, was ist neu?

„Creative Europe“ ist das neue Programm der Europäischen Union für den Kultursektor und die Film- und die Kreativbranchen. Es führt unter einem Dach die bisherigen EU-Förderprogramme Kultur, MEDIA und MEDIA Mundus zusammen. Sein Subprogramm „Kultur“ bezieht sowohl den non-profit Kultursektor als auch die Kreativwirtschaft ein.

Welche Zielsetzungen verfolgt das neue Programm?

„Creative Europe“ setzt auf Professionalisierung und Internationalisierung, um Europas kulturelle Vielfalt zu fördern und die Wettbewerbsfähigkeit seines Kultur- und Kreativsektors sowie seiner Filmbranche zu stärken. Es folgt aktuellen Trends, legt großes Augenmerk auf neue Technologien und unterstützt gute Ideen zur Erschließung und Entwicklung des Publikums. Es gibt klare Ziele und Prioritäten vor, die im Wesentlichen „Professionalisierung“, „Mobilität“ und „Publikumsentwicklung“ heißen.

Auf welche Nachteile, auf welche Vorteile treffen Kulturschaffende?

Die wirtschaftliche Orientierung und seine Öffnung in Richtung Kreativwirtschaft ist eine Antwort auf Zeichen der Zeit und der Vorgaben der Europa 2020-Strategie. Für den Kulturbereich bedeutet dies einen Paradigmenwechsel, zumal das bisherige EU-Kulturprogramm gemeinnützigen Kulturorganisationen vorbehalten war und non-profit Projekte gefördert wurden. Österreich hat diese Kommerzialisierung in den Verhandlungen stets kritisch gesehen. Positiv kann jedoch hervorgehoben werden, dass die Untergrenze des EU-Zuschusses für Kooperationsprojekte gefallen ist, womit eine Beteiligung kleinerer Kulturveranstalter möglich wurde. Kulturschaffenden kommt auch eine verlängerte Projektlaufzeit von max. 4 Jahren zugute, was mehr Flexibilität in der Planung möglich macht.

Wie werden die zu fördernden Projekte ausgewählt?

Die Projekte werden bei der EACEA (Exekutivagentur für Bildung, Audiovisuelles und Kultur) in Brüssel eingereicht. Um eine möglichst objektive Auswahl aus der Fülle der Anträge zu gewährleisten, gliedert sich das Auswahlverfahren in mehrere Phasen: Prüfung der Formalkriterien, qualitative Prüfung durch unabhängige ExpertInnen,  Entscheidungsfindung, Beratung im Rahmen eines Evaluierungskomitees und schließlich die Förderentscheidung. Jeder Antrag wird von zwei Juroren unabhängig evaluiert, alle Bewerber erhalten eine begründete  Entscheidung. Die Jury wird durch die EACEA nach einem europaweiten Auswahlverfahren ausgewählt.

Haben freie Initiativen überhaupt eine Chance? Was braucht es als Kulturinitiative, um eine Projektförderung zu bekommen? Gibt es Beispiele aus Österreich?

In den letzten 7 Jahren haben viele  österreichische Kulturinitiativen vom EU-Kulturprogramm profitiert. Als Beispiele seien angeführt: < rotor > association for contemporary art, UNIKUM – Universitätskulturzentrum Klagenfurt/ Kulturni Center Univerze v Celovcut, die Radiofabrik Salzburg, Eurozine, Enterprise Z, der Verein „wenn es soweit ist“ oder die IG Kultur Österreich. Alle geförderten Projekte können der Website www.ccp-austria.at entnommen werden.

Wo findet man Hilfe?

Zur Unterstützung von Kulturschaffenden, die sich für das Programm „Creative Europe“ interessieren, steht der „Creative Europe Desk – Culture“ zur Verfügung. Er

  • informiert über „Creative Europe“
  • begleitet und berät Ihr Projekt
  • führt zum Programm „Creative Europe“ Infoveranstaltungen und Workshops durch
  • hilft bei der  Antragstellung
  • vernetzt Kulturakteurinnen und –akteure
  • verbreitet und dokumentiert geförderte Projekte und best practice
  • hält Sie über die Website www.ccp-austria.at und den Newsletter auf dem Laufenden
  • stellt das Handbuch Navigating through Chaos auf seiner Website zum Download zur Verfügung
     

   
Kontakt:
Creative Europe Desk – Culture: ab 1. März 2014 im Bundeskanzleramt
Mag. Elisabeth Pacher, Concordiaplatz 2, 1010 Wien, elisabeth.pacher@bka.gv.at 

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