Wenn Geld keine Rolle spielen würde

3 Fragen an David Lageder und Christopher Helminger: Sie betreiben eine Online-Plattform und verzichten darauf, um Förderungen anzusuchen.

Ihr arbeitet bewusst ohne Förderungen oder Sponsoring – warum? Und wie ermöglicht ihr eure Arbeit?
Anfangs haben wir durchaus Förderungen beantragt. Viel Aufwand, kein Ergebnis. Irgendwann kippt das Verhältnis: Man arbeitet mehr am Antrag als am Projekt.
Dann haben wir damit aufgehört. So wurde es einfacher, zu Dingen, die sich falsch anfühlen, „Nein“ zu sagen. Und dieses Nein fühlt sich überraschend gut an. Finanziell waren wir letztes Jahr über das Arbeitslosengeld abgesichert. Gleichzeitig hat sich im Coding-Bereich viel getan. Dinge, für die früher große Teams und Budgets nötig waren, gehen heute zu zweit auf einem Laptop. 

Welche Chancen und welche Herausforderungen ergeben sich dadurch für eure Arbeit?
Wir bauen eine Plattform, die ohne Werbelogik funktioniert. Oft sind IT-Projekte vor allem deshalb teuer, weil viele Leute daran verdienen sollen. Es wäre natürlich ein schönes Szenario, wenn Spenden von User*innen unsere Unabhängigkeit sichern würden. Aber wenn nicht, ist das auch okay. Unsere Plattform läuft aktuell mit überschaubaren Kosten. Wir wollen uns vom Finanzierungsdruck frei machen und nicht nur über Geld nachdenken.
Die Abschaffung der Zuverdienstgrenze während des Bezugs von Arbeitslosenunterstützung zwang uns sowieso zu No-Budget-Projekten und wir machen aus der Not eine Tugend.

Was habt ihr in der Entwicklungsphase gelernt? Was könnt ihr anderen Kulturprojekten mitgeben?
Wir haben gemerkt, wie stark wir darauf konditioniert sind, alles monetarisieren zu wollen. Diese Gedanken verschwinden nicht einfach, selbst wenn man sich bewusst dagegen entscheidet. Was wir aber auch gelernt haben: Wie gut es sich anfühlt, selbstbestimmt an einem Projekt zu arbeiten, mit Menschen, die man schätzt.
Es kann bereichernd sein, gedanklich einen Schritt zurückzugehen: Was würden wir konkret anders machen, wenn Geld keine Rolle spielen würde? Und was bleibt übrig, wenn es dann doch wieder eine Rolle spielt?
Unser Ansatz lässt sich nicht einfach auf Andere übertragen. Viele Kulturinitiativen haben strukturelle Zwänge, die wir so nicht hatten. 
Aber ehrlich gesagt: Hinter unserer edlen Haltung steckt wahrscheinlich noch ein Rest Hoffnung, dass sich durch dieses Projekt irgendwann gut bezahlte Jobs ergeben. Der Kapitalismus schläft eben nicht.

nixlos.in 

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