Geistige Landesverteidigung

Blickt man vom KultUrWald der KUPF OÖ nach Nordosten, sieht man die Kirche von Cetviny (Zettwing) in Tschechien. 1946 wurde die deutschsprachige Bevölkerung vertrieben, der Ort wurde in den frühen 1950ern demoliert und das gesamte Gebiet an der Grenze zu Österreich zum Sperrgebiet erklärt. Neben der Kirche blieben nur vier der vormals 120 Häuser stehen.

1968, als die Warschauer-Pakt-Staaten (mit Ausnahme der DDR) den Prager Frühling mit Panzern niederwalzten, wollte Österreich den „Ivan nicht reizen“. Sollte er die Grenze überschreiten, würde er erst nach ca. 20 km, bei Freistadt, auf Gegenwehr treffen. Orte wie Leopoldschlag, Kerschbaum, Windhaag b. Fr., Rainbach, Sandl oder Grünbach hätte man ihm überlassen. In der Peripherie ist man eben oft auf sich gestellt.

Der Historiker und Journalist Philipp Blom hat in den 2010ern in einer Oberstufe gefragt, wer sich im Kriegsfall freiwillig an die Front melden würde und für diese Frage nur erstauntes Kopfschütteln geerntet. Danach hat er ihnen von der Kriegseuphorie zu Beginn des Ersten Weltkriegs erzählt.

Kriegseuphorie scheint nun wieder frische Triebe zu treiben. Da ist uns nix zu teuer.

Wenn ich mir die Sperranlage in Cetviny, mit doppeltem Stacheldraht und Todesstreifen, vorstelle, erträume ich eine andere Art der Landesverteidigung als diese exorbitante Hochrüstung: Ich träume davon, dass Österreich weltweit so in Verruf ist, dass sich Soldat*innen weigern, hier einzumarschieren. Einfach weil alle wissen, dass die Bevölkerung hier unausstehlich ist. Weil alle wissen, dass dir Volksschulkinder ans Hosenbein pinkeln wenn du irgendwo stehst. Dass sich Greise ächzend aufraffen, um dir mit ihren Rollatoren an die Schienbeine zu krachen. Alle spucken dich an oder scheißen dir auf den Fahrersitz deines Jeeps und lassen dir die Luft aus den Reifen. Selbst Kühe werden rabiat. Straßen sind unpassierbar, weil Leute Boccia spielen, und wenn du dennoch vorbei möchtest, zeigen sie dir den nackten Arsch.

Derzeit wird viel Militärpersonal in Schulen geschickt, um die geistige Landesverteidigung zu stärken. Sie sollten dem Jungvolk lieber zeigen, wie ziviler Ungehorsam geht.

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