KUPF 2000: Zivilgesellschaftlicher Motor

Ein Überblick über Schwerpunkte, neue Mitglieder und neuen Vorstand der KUPF

 

Die KUPF sieht sich selbst als einen der erfahrensten Dachverbände zivilgesellschaftlicher Organisation in Österreich. Sie bündelt immer mehr Kompetenzen, die in naher Zukunft einen noch bedeutenderen Stellenwert bekommen werden. Ein wichtiger Faktor in diesem Zusammenhang ist die enorme Breite und das Potential, das die 90 Mitgliedsvereine der KUPF darstellen. Diese Verankerung der KUPF bei/durch die Kulturinitiativen ist besonders in der momentanen Situation wieder verstärkt in den Mittelpunkt unserer Arbeit zu stellen: Durch eine verstärkte Kooperation und Miteinbeziehung der Kulturinitiativen können wir gemeinsamen eine notwendige Politisierung erreichen, unsere Anliegen und Themen gemeinsam öffentlich bearbeiten und so auch nach außen hin als starke freie Szene auftreten. Unter dem Eindruck einer immer stärkeren, aber auch immer notwendiger werdenden, zivilgesellschaftlichen Orientierung der österreichischen Gesellschaft, hat sich die KUPF vorgenommen, ihre Stellung in der freien Kulturarbeit und Gesellschaft neu zu bestimmen. Zu diesem Zweck hat sich der KUPF-Vorstand 1999 selbst eine Organisationsentwicklung verordnet, in der Veränderungen der Gesellschaft und der Kulturarbeit reflektiert und dadurch notwendige Anpassungen der Dachverbandsarbeit der KUPF vorbereitet werden. Dieser Think-Tank der KUPF wird auch durch eine lose Veranstaltungsreihe zur Kulturpolitik unterstützt. Neben der Weiterführung gewohnter Aktivitäten in den Bereichen Service/Beratung, Gewerkschaft und Kulturpolitik, die seit Jahren Stärke und Standbein der KUPF sind, setzt sich die KUPF auch darüber hinausgehend ehrgeizige Ziele.

Öffnung zu neuen Kulturfeldern

Das Feld der Kulturarbeit erfährt in den letzten Jahren eine extreme Verbreiterung, seit Mitte der 90er Jahre sind zwei Trends vorherrschend. Der eine führt, begünstigt durch die Möglichkeiten der Nutzung Neuer Medien und Freier Radios in Richtung aktiver Medienarbeit, Medienvermittlung/Medienpädagogik und Medieninitiativen. In einem anderen Bereich verschwimmen die Grenzen zwischen Kultur- und Sozialarbeit immer mehr. Viele Initiativen, die aus den Bereichen MigrantInnen- und Behindertenkultur oder der Sozialinitiativen stammen, besetzen Positionen aktiver Kulturarbeit. Diese Tatsache macht sich in der KUPF doppelt bemerkbar: zum einen durch neue Mitgliedsvereine aus diesen Bereichen, zum anderen durch neue MitarbeiterInnen im KUPF-Team und neue Themenfelder in der KUPF-Arbeit

Kultur von&für MigrantInnen

Folkloredarstellungen von MigrantInnen verstärken die ungerechte Annahme, daß diese aus einem grundsätzlich exotischen Kontext kommen, aber auch dorthin gehören. Dies bedeutet, daß ihr Gaststatus subtil transportiert wird. Diese Exotisierung bedeutet, daß MigrantInnen nicht hierher gehören, sondern in ihr exotisches Land, also ist Integration nicht möglich. Ausgrenzung durch die Einschränkung der MigrantInnen als ausschließlich „Folklorebotschafterinnen“ in Österreich macht ihre Teilnahme am österreichischen Kunst- und Kulturbetrieb als hierlebende MigrantInnen fast unmöglich. Um Klischees und Vorurteile bezüglich des kulturellen Ortes der MigrantInnen abzubauen, ist es notwendig, die kulturelle Vielfalt als bereicherndes Element in die Öffentlichkeit zu transportieren. MigrantInnen in die Kulturpolitik einzubinden, bedeutet, sie als KulturträgerInnen, ProduzentInnen und AkteurInnen wahrzunehmen sowie gleichberechtigt zu fördern, um die Entwicklung einer vielfältigen kulturellen und künstlerischen Landschaft, die integrativ und interkulturell zu gleich ist, zu ermöglichen. Daher ist es notwendig, eine demokratische Kulturpolitik zu fordern, welche Minderheiten in ihrer Vielfalt wahrnimmt, anerkennt und die Entfaltung kultureller und künstlerischer Initiativen von MigrantInnen gleichberechtigt fördert. Eine Kulturpolitik, die im Sinne einer interkulturellen Arbeit Dialog, Auseinandersetzung und Konflikt ermöglicht. Die KUPF stellt sich als Ziel und Aufgabe Ð insbesondere durch die aktuellen politischen Entwicklungen Ð Impulse zu setzen, um eine breite Diskussion um das Thema Kulturarbeit von MigrantInnen sowohl unter den angehörigen der Dominanzkulturen als auch unter den MigrantInnen zu ermöglichen. Die Frage nach dem Grund für die Einschränkung der kulturellen Beiträge von MigrantInnen auf den Sozialbereich und folglich ihre Reduzierung auf Folklore soll gestellt und weiter untersucht werden. Folkloredarstellungen sind legitim und müssen ihren Platz behalten. Wir positionieren uns jedoch gegen die Verknüpfung dieser Darstellungen mit einer Politik, die MigrantInnen einen kulturellen Ort zuschreibt, aus welchem kein Weg in Richtung einer kritischen und gleichzeitig kreativen Auseinandersetzung mit ihrem Leben und Erfahrungen in der österreichischen Gesellschaft führt.

Medienarbeit der KUPF

Seit dem Sendestart von Radio FRO arbeitet die KUPF mit eigenen Inhalten parallel in Zeitung, Radio und WWW. Die Homepage https://kupf.at ist seit Ende 1999 in neuem Design zu erleben und bietet neben einem Archiv von KUPF-Zeitungsartikeln Links zu Mitgliedsvereinen, bald auch Informationen zu Vereinsrecht und weiteren relevanten Infos für Kulturinitiativen. Auch die Zeitung der Kulturplattform versteht sich als Service- und Informationsmedium; und bleibt trotz der elektronischen Möglichkeiten unverzichtbarer und wichtiger Teil der KUPF-Medienarbeit. Die ersten Schritte Oktober Ô98 im Bereich Sendungsgestaltung entwickelten sich bis heute zur kontinuierlich wöchentlichen Radiosendungen (Fr., 17.30 – 18.00 auf Radio FRO 105 MHz im Großraum Linz), in deren Rahmen Kunst und Kultur gehörig Platz finden. Regelmäßig sind VertreterInnen aus Kulturinitiativen zu Gast, werden deren Projekte wie Anliegen und Probleme besprochen und öffentlich gemacht. Kooperationen mit anderen Radiostationen machen diese Sendungen auch außerhalb von Linz hörbar. Im Zuge dieser Arbeit erfährt auch die redaktionelle Betreuung der KUPF-Medien eine Reform, die gerade ihren Abschluß findet. Andi Liebl betreut seit September Ô99 im Rahmen einer Teilzeit-Anstellung die Radiosendungen der KUPF und wird immer mehr gemeinsame redaktionelle Aufgaben übernehmen.

Neue Mitglieder

Der Kupf sind heuer sieben Kulturinitiativen neu beigetreten, die wieder einmal die Vielfalt und Unterschiedlichkeiten der kunst- und kulturvermittelnden Vereine in OÖ unterstreichen. Der Bogen spannt sich von Medienpädagogik über integrative Kulturarbeit mit Behinderten bis hin zu klassischer Veranstaltungstätigkeit.

Biosphäre 3 aus Linz veranstalten Konzerte in unterschiedlichen Räumlichkeiten in Linz, machen Vorträge im eigenen Lokal am Tummelplatz 4, sind manchmal mit Infotischen bei Konzerten präsent und laden monatlich zu Frauencafés. Öffnungszeiten sind Donnerstag, Freitag und Samstag von 18 bis 21 Uhr. Cirka 10 ehrenamtlichen AktivistInnen arbeiten einstweilen noch ohne öffentliche Gelder. Die Programmauswahl passiert über Konsensentscheidung. Guggi Röckendorfer, Tummelplatz 4, 4020 Linz

Kaff in Bewegung Ebenfalls ohne eigenen Veranstaltungsraum ist der Verein Kaff in Bewegung aus Ried/Riedmark. Nach einer Umfrage im Ort („Was läuft bei uns?“), mit niederschmetterndem Feedback, beschloß eine kleine Gruppe, kulturell aktiv zu werden. 1998 begann sie, Veranstaltungen anzubieten. Veranstaltet wird in Gasthäusern und auch in einem Schloß, welches über kurz oder lang adaptiert und die Heimat des jungen Vereins werden soll. Neben der Veranstaltungstätigkeit macht Kaff in Bewegung eine Zeitung und stellt darin Teile des Orts ebenso wie die kommenden Veranstaltungen dar. Martina Kurz, 4312 Ried in der Riedmarkt

Kikas Kultur im Kinosaal Aigen Schlägl ist am besten Weg ein ganzjähriges, breit angelegtes Veranstaltungsprogramm zu bieten. Schwerpunkte sind Konzerte mit lokalen Bands sowie mit internationalen Größen. Nach zweimonatiger Konzeptphase ging es los. Im Sommer wurde der Kinosaal (500 Leute) adaptiert und im Herbst startete das Programm. Als Vision sehen die AktivistInnen, Kulturplattform für den Bezirk Rohrbach zu sein. Ulrike Jauker, Schlägler Hauptstr. 14, 4160 Aigen Schlägl, email: josef.jauker@telecom.at

KipfÕl In Steinerkirchen läuft seit September Kino im Pfarrsaal, genannt KipfÕl. Mit der Unterstützung vom Programmkino Movimento werden selbst ausgewählte Filme in die Region gebracht und vorgeführt. Sechs Aktive wählen die Filme aus, machen die Ankündigung in der Gegend und betreuen den Abend. Ein Anliegen für die BetreiberInnen ist es, Raum zu schaffen für Diskussionen über die Filme . Bettina Ausserhuber, Almegg 1, 4652 Steinerkirchen

Kulturella nennt sich eine Initiative aus Ottnang am Hausruck. Seit kurzem sind sie als Verein organisiert und versuchen, die vier Zentren von Ottnang auf kultureller Ebene zusammenzuführen, sowie mit ihrer Auswahl an Programm Berührungspunkte zwischen den Generationen zu schaffen. Das Motto ist, mit Kulturarbeit zu sensibilisieren und zu provozieren. Sie wollen Sprungbrett für junge KünstlerInnen ebenso sein wie Anlaufstelle für aktive Mitarbeit an der kreativen Gestaltung in der Gemeinde. Ingeborg Aigner, Niederottnang 104, 4901 Ottnang a. H.

Kunst- und Kulturgruppen des Diakoniewerks Gallneukirchen bieten kulturpädagogische Angebote für Menschen mit Behinderungen. Das reicht vom Theaterspielen und Aufführen bis zum Verlegen eines eigenen Buches. Wichtigster Ansatz dabei ist das Verlassen der eigenen Institution. So finden sich z. B. dann die Theatergruppe Malaria auf Tournee und FilmemacherInnen im Offenen Kulturhaus wieder. Dieses neue KUPF-Mitglied ist auch deshalb so spannend, weil die Akzeptanz von behinderten KünstlerInnen noch völlig fehlt. So wären z. B. auch einmal SubventionsgeberInnen aufgerufen, diese Projekte nicht immer an das Sozialressort weiter- oder zurückzuschicken. Iris Hanousek, Botenstr.2, 4210 Gallneukirchen

Medea nennt sich ein medienpädagogisch orientierter Verein aus Linz. Angeboten werden Seminare über den selbstständigen und aktiven Umgang mit Medien wie Radio und Internet. Weiters werden Journalistikkenntnisse vermittelt. Neben dieser Weitergabe von Fachkenntnissen ist Medienpolitik ein ebenso wichtiger Bestandteil der Arbeit. Andrea Reisinger, Rudolfstr. 31, 4040 Linzemail: medienvermittlung@servus.at

Neuer Vorstand

Auch in der Besetzung des Vorstandes zeigt sich die inhaltliche Breite und Öffnung der Mitgliedsvereine der KUPF, und spiegelt sich die nur scheinbare Diskrepanz zwischen Kontinuität und Aufbruch zu neuen Feldern der Kulturarbeit. Besonders erfreulich ist, daß erstmals mehr Frauen als Männer im Vorstand sind, und besonders, daß mit Uli Böker (Arge Granit, Ottensheim) eine der profiliertesten Kultur-Frauen Oberösterreichs der KUPF vorsteht. Rubia Salgado (vom Verein MAIZ) bringt der KUPF die nötige Kompetenz, um im Bereich der MigrantInnen-Kultur Akzente zu setzen. Mit Susanne Blaimschein (FIFTITU%), Ulrike Stieger (GfK OÖ) und Stefan „Hasi“ Haslinger (Waschæcht Wels) sind drei weitere HoffnungsträgerInnen zum KUPF-Team gestoßen, und lassen so den Abschied dreier langjähriger Vorstände verschmerzen: Martin Lengauer, Martin Wassermair und Klaus Wallinger. Udo Danielczyk führt noch bis zum Abschluß der Organisationsentwicklung interimistisch die Geschäfte, bestens unterstützt von Herta Gurtner (Büroorganisation) und Andi Liebl (Radio KUPF).

Der Vorstand 2000

Manfred Berghammer, Sprecher: Eigenfinanzierung, Edition KUPF, Aktionismus Susanne Blaimschein: Feminismus & Kultur, Öffentlichkeitsarbeit Uli Böker, Sprecherin: Gemeindekulturarbeit, Regionalentwicklung, Frauenkultur Stefan Haslinger: KI-Beratung und -kontakte Andi Liebl, Sprecher: Radio KUPF, KI-Betreuung Andrea Mayer-Edoloeyi, Sprecherin: Feminismus, Medienpolitik, Organisationsentwicklung, Debatte 3. Sektor, Kultur-Arbeit/soziale Sicherheit, Werkverträge Rubia Salgado-Mayerhofer: MigrantInnen- und Frauenkultur Ulrike Stieger: Medienpolitik, EU-Kulturpolitik, Beschäftigungs- und Sozialpolitik an der Schnittstelle zur Kultur Andi Wahl, Sprecher: IT-2000-Abwicklung, Basiskontakte und KI-Entwicklung, Medien, Ideologie

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