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Aktuelles von der EU-Kulturfront

 

von Sylvia Amann Ariane und Kaleidoskop:

Der Kulturministerrat gibt grünes Licht Der Rat der Kulturminister hat am 17. November die Verlängerung der Kulturförderprogramme der Union für 1999 beschlossen. ARIANE, das Förderprogramm im Bereich Buch und Lesen, wird mit insgesamt 4,1 M ECU’s dotiert sein. Für KALEIDOSKOP – Kulturprojekte mit europäischer Dimension – kann mit einem Gesamtfördervolumen von 10,2 M ECU’s gerechnet werden. Die konkreten Aufforderungen für Projekteinreichungen sind mit Anfang 1999 zu erwarten.

European Forum for the Arts and Heritage:

Kultur muss in der Strukturfondsreform eine entscheidende Rolle spielen KUPF-Geschäftsführerin und EFAH-Projektmanagerin für „Kultur und Regionalpolitik“, Sylvia Amann, unterstreicht die Bedeutung der Strukturfonds für den kulturellen Bereich: „Mehr als 80 % der Förderung der EU für Kulturprojekte kommt aus dem Regionalförderbereich. Mehr als 3 Millionen Europäer arbeiten in Kunst, Medien, audiovisueller Industrie und Soziokultur. Diesem Status-Quo muss mit entsprechender Mittelausstattung für den Kulturbereich in den Regionalförderungen der EU Rechnung getragen werden.“ Obwohl die Europäische Kommission schon in zahlreichen Publikationen besonders seitens der Kommissarin für Regionalpolitik, Wulf-Mathies, die Bedeutung des kulturellen Bereichs für die Regionalentwicklung betont hatte, liessen die konkreten Vorschläge zur Strukturfondsreform praktisch jeden Hinweis auf den kulturellen Bereich missen. Europäisches Parlament und Ausschuss der Regionen greifen hier nun korrigierend ein: Besonders im Bereich des Europäischen Fonds für die Regionalentwicklung (EFRE) soll der Spielraum für Kultur und Kulturtourismus ausgeweitet werden. Das Europäische Parlament fordert ebenfalls, dass dem Beschäftigungsfaktor Kultur verstärkt Rechnung getragen wird. Für die partnerschaftliche Umsetzung einer integrierten, ganzheitlichen Regionalentwicklung muss aber besonders auf regionaler und nationaler Ebene das Prinzip der Partnerschaft ausgebaut werden. Kulturorganisationen und -netzwerke sind hier wertvolle Partner, die aber in diesem neuen Kontext besondere Unterstützung bei der konkreten Umsetzung ihrer Regionalentwicklungsprojekte benötigen.

Kultur 2000: Noch ein langer Weg …

Das neue Rahmen-Programm „Kultur 2000“ soll die bisherigen Förderprogramme der EU für den kulturellen Bereich ab dem Jahr 2000 ersetzen. Die diesbezüglichen Verhandlungen im Kulturministerrat gestalten sich allerdings schwierig. Nach längeren Beratungen konnten sich schliesslich am 17. November auch die niederländischen Vertreter im Kulturministerrat dem Budgetrahmen von 167 M ECU anschliessen – jedoch vorbehaltlich der Zustimmung auf nationaler Ebene. Mit einer definitiven Antwort von holländischer Seite kann frühestens im Dezember gerechnet werden. Einigung wurde dahingegen bei der Aufteilung des vom kulturellen Sektor und dem Europäischen Parlament ohnehin viel zu gering angesehenen Budgets erzielt: 40% werden innovativen Projekten sowie wiederum 40 % den längerfristigen Kooperationsabkommen zur Verfügung stehen. Ein Schritt in die richtige Richtung ist die massive Senkung des Budgets für sog. Grossereignisse, die nun mit 10 % der Gesamtbudgetdotierung versorgt werden. Der kulturelle Sektor fordert hier eine Finanzierung ausserhalb des „Kultur 2000“-Budgets. Nach der Einigung auf Ministerratsebene muss das Kultur-Rahmenprogramm wiederum im Parlament diskutiert werden. SpezialistInnen rechnen noch mit einer sehr langwierigen Entscheidungsprozedur, und der Beginn des Geltungszeitraums für das neue Programm ab dem 1. Jânner 2000 scheint eher eine Wunschvorstellung.

Ausschuss der Regionen

Plenumssitzung in Brüssel am 18. und 19. Nov. ’98 Der Ausschuss der Regionen hat seine letzte Plenumssitzung im Jahr 1999 absolviert. Als Vertreter Oberösterreichs nahm Landeshauptmann Pühringer an den Beratungen über das neue Kulturrahmenprogramm „Kultur 2000“, die Verlängerung der Förderung aus den ARIANE- und KALEIDOSKOP-Programmen sowie den Stellungnahmen zur Regionalförderung teil. Zum „Kultur 2000“-Programm hält der Ausschuss fest, dass derzeit grossangelegte Aktionen im Vordergrund stehen, während volkstümliche oder alltägliche Kulturereignisse an den Rand gedrängt werden. Vielmehr sollte die Beteiligung lokaler und regionaler Organisationen gefördert werden. Der Ausschuss hält es darüberhinaus für notwendig, dass ein System eingeführt wird, das die Berücksichtigung kultureller Aspekte in allen Gemeinschaftsprogrammen gewährleistet. Was den Europäischen Fonds für die Regionalentwicklung (EFRE) betrifft, so fordert der Ausschuss der Regionen die Einbeziehung der Kultur in die Anwendungsbereiche des Fonds. Die Kultur und ihre verschiedenen Ausdrucksformen sollen einen integrierten Bestandteil der Regionalentwicklung darstellen, wobei der Ausschuss der Regionen besonders das kulturelle Erbe und den Kulturtourismus betont.

MAI

Neoliberale Bedrohung für den Kulturbereich vorerst abgewehrt Aufgrund der entschiedenen Ablehnung durch die französische Regierung an jeder weiteren Verhandlung im Rahmnen des MAI (Multilateral Agreement on Investments) teilzunehmen, sind nun die OECD-Bemühungen in diesem Bereich endgültig vom Tisch. Wachsamkeit des gesamten NGO-Bereichs ist aber weiterhin gefordert. Bereits im nächsten Jahr sollen Lösungsansätze für die Investoren auf internationaler Ebene im Rahmen der WTO (World Trade Organisation) gesucht werden. Eine Einigung im Sinne des MAI hätte das Ende jeder Kulturförderung, wie wir sie in Europa kennen, bedeutet. Bleibt zu hoffen, dass ein neues Abkommen der europäischen Situation Rechnung trägt.

Pépinières européennes pour jeunes artistes

Das fünfte Programm für Auslandsstipendien für NachwuchskünstlerInnen (1999 – 2000) NachwuchskünstlerInnen zwischen 20 und 35 soll der Einstieg ins Berufsleben erleichtert werden: Drei- bis sechsmonatige „artists in residences“-Aufenthalte im Ausland leisten dazu einen wichtigen Beitrag. „Arbeitsplatz“ und Unterkunft sowie ein Stipendium werden den NachwuchskünstlerInnen vor Ort zur Verfügung gestellt. Ab April 1999 können nun wiederum 64 KünstlerInnen aus den Bereichen Architektur, Film und Video, Multimedia und Theater u. a. m. ihr künstlerisches Projekt im Ausland weiterentwickeln. Neben zahlreichen Kulturinstitutionen in europäischen Städten beteiligt sich erstmasl auch das AEC in Linz am Pépinières-Programm.

Pépinières européennes pour jeunes artistes, Frau Pascale Fougère, T: +33-1-39 17 11 00, F: +33-1-39 17 11 09, e-mail: peja@infonie.fr Einreichfrist: 21. Dezember 1998

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