2 statt 3

Vom Bibliothekenverband und der Bauernkapelle über den Wirtschaftsprofessor zum Landeskulturbeirat herrscht Einigkeit: Es braucht Kultur in Oberösterreich. Wie, warum und wo?

Peter Hörmanseder, Jutta Skokan, Oona Valarie Serbest, Elfie Schulz, Lydia Haider, Anna Brandstätter, Anna Gärtner und Christoph Gärtner retten das Kulturland OÖ

 


 

2 statt 3

34 % weniger Literatur im Hoamatland, das ich so gern hab?

Hmm, dann schreib ich hier auch nur 2 anstelle der geforderten 3 Sätze – die Pointe ist weggespart, leider.

Lydia Haider
Schriftstellerin

 


 

Wie arm wäre ein Land wie Oberösterreich?

Als gebürtiger Oberösterreicher fällt es mir nicht schwer, dieses Bundesland als meine Heimat zu bezeichnen. Das liegt an der Zufälligkeit des Geburtsortes. Und der daraus resultierenden Erinnerung an die beschützte Zeit der Kindheit. Wäre ich anderswo geboren und aufgewachsen, das Heimatgefühl gälte dieser anderen Region.

Doch Oberösterreich hat sich aus anderen Gründen erarbeitet, dass ich mich in diesem Bundesland künstlerisch immer daheim gefühlt habe. Nirgendwo sonst in Österreich gab und gibt es derart viele unterschiedliche Orte und Spielstätten, die mir in den letzten 20 Jahren Gelegenheit gaben, mit maschek aufzutreten. Egal, ob in Städten oder Dörfern, überall in OÖ gibt es Kulturinitiativen, die den Wert von Kultur nicht nur im ökonomischen Sinne definieren, sondern als soziologische Grundbedingung einer funktionierenden Gesellschaft verstehen. Und dies auch leidenschaftlich verbreiten.

Wie arm wäre ein Land wie Oberösterreich, würde diese Vielfalt reduziert werden? Wie arm wäre ein Land wie Oberösterreich, würde Kritik gleichbedeutend mit existenzieller Bedrohung sein? Wie arm wäre ein Land wie Oberösterreich, würde sich die Bevölkerung das gefallen lassen?

Aber die Bevölkerung wird sich das nicht gefallen lassen, weil die Bevölkerung, die ich bei unseren Auftritten in der «Hoamat» sehe, durchmischter kaum sein kann. Es ist völlig egal, welche politische Einstellung, welches Alter oder welchen sozialen Background diese Menschen haben, sie wollen vor allem eines: Sie wollen nicht kulturlos sein. Und das ist der unschätzbare Wert von Kultur – sie bietet dem Menschen neue Perspektiven. Inspiriert zu Anteilnahme. Bringt Menschen zusammen, die sonst nie zusammenkämen. Und wer das reduzieren will, sollte sich fragen, ob es nicht besser wäre, schon jetzt von der Politik in die Privatwirtschaft zu wechseln.

Peter Hörmanseder
maschek.

 


 

 

Geht’s der Wirtschaft gut,
sollte es auch der Kunst gut gehen!

Elfie Schulz
Autorin, Moderatorin, Salonnière

 

 


 

Keine Planungssicherheit

Wir sind von den Kürzungen des Landes Oberösterreich massiv betroffen. Es sollen 30 % des Budgets der Salzkammergut Festwochen Gmunden gekürzt werden. Bei den OÖ KULTURVERMERKEN ist die Kürzung um 30 % bereits fix. Das bedeutet für uns, dass wir keine Planungssicherheit haben, da die Programme bereits weitgehend erstellt wurden.

Jutta Skokan
Leiterin Salzkammergut Festwochen, Gründerin und Kuratorin Oberösterreichische Kulturvermerke

 


 

Risikospielchen

Auch FIFTITU% haben die Kürzungen kalt erwischt – nicht erst 2018 wie angekündigt, sondern bereits 2017. Noch dazu im letzten Quartal, ohne Vorankündigung oder Begründung. Ein ungutes Novum! Immerhin blicken FIFTITU% und ihre Hauptfördergeber*in, das Land OÖ, auf eine beinahe 20-jährige Partner*innenschaft zurück.

Welches Service stellen wir als erstes ein? Die Beratung, Workshops, Veranstaltungen oder Radiosendungen? Den Newsletter, der 1.400 Menschen mit umfangreichen Infos zu Jobs, Ausschreibungen, uvm informiert? Die «safer spaces», die wir für marginalisierte Gruppen öffnen? Wo können wir noch einsparen? Bei den 136 € Büromaterialien, bei der Öffentlichkeitsarbeit, den Räumlichkeiten oder der nicht mal ganzen Anstellung? Da ist kein Spielraum mehr da!

Und immer im Hinterkopf, dass diese Risikospielchen mit persönlichen Haftungen verbunden sind. Angenommen, es herrschte absolute Gerechtigkeit unter den Geschlechtern, würden wir uns mit unserer Auflösung ja noch irgendwie abfinden können. Aber wir wissen, dass dem nicht so ist – auch im Kunst- und Kulturbereich. Das ist nicht nur eine persönliche Katastrophe für die Mitarbeiter*innen und jene, die von unserer Arbeit profitieren: Vor allem als frauen*politisches Signal ist die Vernichtung von FIFTITU% alarmierend!

Oona Valarie Serbest
Co-Geschäftsführung FIFTITU% – Vernetzungsstelle für Frauen in Kunst & Kultur in Oberösterreich

 


 

Wir bringen junge Menschen zurück

Kultur ist nicht ein verzichtbares schmückendes Beiwerk einer Gesellschaft, Kultur ist essentiell für eine Gesellschaft. Sie ist der Referenzrahmen für eine Gesellschaft und unabdingbar für die Weiterentwicklung einer Gesellschaft über das Faktische hinaus, außerdem stiftet Kultur Sinn und Identität. Das Kulturland Oberösterreich kann sich massive Kürzungen nicht leisten. Häuser, Institutionen und Initiativen werden in ihrer Arbeit massiv eingeschränkt werden, wenn nicht gar dem Sparkurs gänzlich zum Opfer fallen.

Gerade eine regionale Kulturinitiative wie beispielsweise «4840 Kulturakzente Vöcklabruck» die abseits der Ballungszentren seit vielen Jahren mit großem ehrenamtlichem Engagement zeitgenössische Kultur vermittelt, muss nun um die Qualität und Kontinuität ihrer Arbeit fürchten, ja in weiterer Folge gar um den Weiterbestand ihres Vereins. Vöcklabruck ist mit vielen kleinen engagierten Kulturinitiativen und vor allem auch mit dem OKH Vöcklabruck zu einem Anker für zeitgenössische Kunst und Kultur in der Region geworden. Neben anderen Faktoren trägt auch diese kulturelle Entwicklung dazu bei, dass viele junge Menschen aus den Städten wieder in die Region zurückkehren wollen.

Deshalb fordern wir die EntscheidungsträgerInnen auf, diese radikalen Kürzungen zu überdenken und zurückzunehmen.

Anna Brandstätter
Vorsitzende 4840 Kulturakzente Vöcklabruck, Trägerin der Kulturmedaille des Landes Oberösterreich

 


Weniger Qualität, weniger Nachhaltigkeit

Die geplanten Sparmaßnahmen werden vor allem die Freie Szene der Kulturschaffenden treffen – Kürzungen von 30 % des Budgets sind prognostiziert. Die Programmvielfalt wird darunter leiden, die Zugänglichkeit kultureller Angebote für die Bevölkerung eingeschränkt. Durch die kurzsichtigen finanziellen Sparinteressen werden kleine Kulturinitiativen im ländlichen Raum verschwinden.

In der Architektur sind die budgetären Kürzungen schon länger spürbar. Für gleiches Geld wie vor 10 Jahren und früher sollen wir Bauten errichten. Das kann nur in Richtung weniger Qualität und weniger Nachhaltigkeit gehen. Von der Berücksichtigung der Lebenszykluskosten für Gebäude und einem nachhaltigen Umgang mit Ressourcen und Raum sind wir weit entfernt.

Anna Gärtner und Christoph Gärtner
Architekturbüro Gärtner | Neururer, Vöcklabruck

 

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