Kultur hält fit und stärkt den Hirnmuskel

Vom Bibliothekenverband und der Bauernkapelle über den Wirtschaftsprofessor zum Landeskulturbeirat herrscht Einigkeit: Es braucht Kultur in Oberösterreich. Wie, warum und wo?

Irene Egger, Stephan Roiss, Martina Gelsinger, Clara Gallistl, Die Goldenen Zitronen, Severin Mayr, Gerda Weichsler-Hauer und Elisabeth Neubacher nehmen Stellung.

 


 

Kultur hält fit

Jeder Mensch hat das Recht, kulturelle und künstlerische Ausdrucksformen und Fähigkeiten zu erlernen, sich mit den Mitteln von Kunst und Kultur auszudrücken und an kulturellen Aktivitäten aktiv wie passiv teilzunehmen.

Gerade Volkskultur bietet hier einen niederschwelligen Zugang in Bezug auf den Dialog zwischen Kulturen und den unterschiedlichen Kunst- und Kultursparten. Sie ermöglicht Anhalts- und Orientierungspunkte in einer globalen Welt. Studien zeigen, dass die Beschäftigung mit Kunst und Kultur soziale wie kognitive Kompetenzen fördert sowie zum geistigen wie körperlichen Wohlbefinden der Bevölkerung beiträgt.

Förderungen für Kunst- und Kulturschaffende, -betriebe und deren Ausbildungsstätten, die für OÖ aktiv sind, reduzieren demnach mit ihren Angeboten öffentliche Ausgaben sowohl auf wirtschaftlicher, sozialer wie auch Gesundheitsebene.

Irene Egger
Kulturmanagerin aus OÖ, Geschäftsleiterin Österreichisches Volksliedwerk

 


 

Auf Kunst verzichten heißt sprachlos werden

Der Diözesankunstverein Linz (DKV), der mit seinen 158 Jahren zu den ältesten christlichen Kunstvereinen im deutschsprachigen Raum zählt, ist eine lebendige Plattform des Austausches, der Begegnung und Vernetzung zwischen Kirche, Gesellschaft, Kunstinteressierten und Kunstschaffenden. Der Diözesankunstverein räumt der Auseinandersetzung mit der kulturellen Vergangenheit ebenso wie der Förderung von jungen Kunstschaffenden einen hohen Stellenwert ein.

Von Günter Rombold, dem langjährigen Obmann und jetzigen Ehrenobmann des Diözesankunstvereins Linz, stammt der pointiert formulierte Satz: «Kunst ist die Sprache der Religion, auf sie verzichten heißt sprachlos werden».

Wenn in Oberösterreich die Relevanz von Kunst und Kultur für das Leben nicht erkannt wird, wird die Welt nicht stehen bleiben, die Sprache nicht versiegen, aber das geistige Klima um vieles ärmer sein. Oberösterreich ist mit seiner kulturellen Vielfalt und Qualität in Geschichte und Gegenwart lebenswert. Dies zu erhalten ist ein Gebot der Stunde.

Damit es auch für unsere Kinder nicht nur ein Land der Sicherheit und der Wirtschaftsförderung, sondern ein Land der kulturellen Möglichkeiten, des kreativen Denkens, des Weitblicks, neuer Perspektiven – insbesondere im Blick auf die Herausforderungen, vor denen wir stehen – bleibt.

Martina Gelsinger
Obfrau des Diözesankunstvereins Linz

 


 

Stärkt den Hirnmuskel

Eine freie, oberösterreichische Kultur wirkt inklusiv.

Nicht nur auf Geflüchtete oder Migrant_innen, sondern auf alle Oberösterreicher_ innen.

Kunst machen und ansehen stärkt den Hirnmuskel und die emotionalen Fähigkeiten. Man denkt und fühlt differenzierter, kann besser eigenständig entscheiden und die Gesellschaft mitgestalten.

Wer freie Kulturarbeit verunmöglicht, kauft damit die Verrohung der oberösterreichischen Gesellschaft.

Clara Gallistl
Publikumsentwicklerin, Theaterkritikerin, Dramatikerin

 


 

Tötet das Leben

Wir glauben, dass die schwarze-blaue Politik der Kürzungen besonders an freieren kulturellen Einrichtungen grundfalsch ist.

Der Kampf gegen Diversität und Selbstverwaltungen sowie das Einschnüren durch Protektionismus und «me first»-Gebaren tötet alles Ausprobieren, jedes Suchen, tötet das Leben.

Aufhören!!! Superservus!

Die Goldenen Zitronen
Band, Hamburg

 


 

Lebenselixier

Ich lebe wirklich sehr gerne im ländlichen Raum. Weil ich hier eine Lebensqualität genieße, die ich in der Anonymität des städtischen Raums nicht finden würde. Ich lebe hier nicht nur wegen der Nähe zur Natur, sondern weil hier ein besonderes Naheverhältnis zwischen den Menschen herrscht.

Gerade im ländlichen Raum kommen der Kunst und der Kultur zentrale Rollen zu, sie sind Lebenselixier, sie verbinden die Menschen, sind wichtige Stützen des gesellschaftlichen Zusammenhalts.

Die Mittel für Kunst und Kultur dürfen nicht gekürzt werden. Schon gar nicht in Zeiten des prognostizierten Wirtschaftsaufschwungs.

Elisabeth Neubacher
Geschäftsführerin Freies Radio B138

 


 

Mut­-zu­-Mut­-Beatmung

Wenn Geduld eine Tugend ist, dann ist jetzt die Zeit des Lasters angebrochen. Ich habe keine Lust mehr, zuzusehen, wie wir uns selbst in den Abgrund manövrieren. Unsere Gier ist so lächerlich – leider lässt sie uns erblinden. Unsere Angst vor allem Fremden ist so lächerlich – leider kostet sie Menschenleben.

Wenn wir der Kultur das Wasser abgraben, trocknen wir genau das aus, woraus noch Hoffnung erwächst.

Das, in dem wir uns entfalten können, ohne fremdbestimmten Zwecken zu unterstehen. Das, was uns Mut-zu-Mut beatmet. Das, was uns unsere Menschlichkeit und unsere Unmenschlichkeiten spiegelt. Das, woraus sich Entwürfe eines anderen Lebens speisen. Das, was uns daran erinnert, dass wir in keine Kosten-Nutzen-Rechnung passen und wir mehr sind als abgerichtete Hündchen eines perversen Ökonomismus.

Stephan Roiss
Autor & Musiker

 


 

Rückschritt in eine „neue Zeit“?

Was als «neue Zeit» plakatiert wurde, entpuppt sich als kulturpolitischer Rückschritt. «Streichen» und «Kürzen» scheinen die neuen Grundsätze in Oberösterreich geworden zu sein. «Kulturland retten» heißt für mich, nicht nur den drohenden Kahlschlag verhindern zu wollen, sondern auch Rahmenbedingungen zu verlangen, die das Überleben der vielen, meist ehrenamtlich agierenden, regionalen Kulturinitiativen sichert – und gleichzeitig Neues ermöglicht. Der Platz für einen kritischen Diskurs ist wohl notwendiger denn je.

Severin Mayr
Landtagsabgeordneter und Kultursprecher der Grünen OÖ

 


 

150 Arbeitsplätze in Gefahr

Der plötzliche Entzug von Fördermitteln mit dem neuen Finanzjahr gefährdet viele kleine Kulturinitiativen und deren Beschäftigte in ihrer unmittelbaren Existenz. Bis zu 150 Arbeitsplätze sind in Gefahr, ein kulturelles Aushungern Oberösterreichs droht. Ich bin dafür, so wie im Bereich Landwirtschaft auch, langfristige Förderzusagen einzuhalten!

Gerda Weichsler-Hauer
3. Landtagspräsidentin OÖ und SPÖ-Kultursprecherin

 

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