Gehen Sie nicht in die Abseitsfalle!

Otto Tremetzberger empfiehlt den Initiativen am Land, sich auch diesmal von der Ausschreibung zum KUPF IT nicht aus dem Konzept bringen zu lassen.

 

Die KUPF hat sich entschieden, am IT 2008 nur jene Projekte zuzulassen, die außerhalb von Linz stattfinden. Diese Entscheidung ist mutig. Sie ist auch richtig. Wahrscheinlich geht sie zurück auf die Erfahrung, dass Kulturinitiativen (kurz KIs) vom Land beim Innovationstopf ihrem Anteil an der OÖ Kulturinitativenlandschaft entsprechend auffallend wenig oft einreichen und auch auffallend wenig oft zum Zug kommen. Wie hat dieses Ungleichgewicht passieren können? Es kommen nur wenige Ursachen in Frage.

Die KIs vom Land haben nicht die Zeit, Muße und Interesse gehabt, ein Projekt zu formulieren, zu beantragen und eventuell auch zu realisieren. Die KIs vom Land haben von der Ausschreibung nichts mitbekommen. Den KIs vom Land ist zu den Ausschreibungen nichts eingefallen oder sie haben den komplizierten Ausschreibungstext nicht verstanden, weil ihre studierten Proponenten schon länger in Wien. Die KIs vom Land haben keine guten Ideen mit denen sie gegenüber den Vereinen aus Linz vor einer strengen auswärtigen Jury mithalten können. Die KIs haben sehr wohl gute Ideen. Die Jury übersieht sie aber weil sie ignorant ist und keine Ahnung von der Realität der Vereine hat oder weil die KI`s keine gescheiten Projektanträge schreiben können, obwohl die KUPF umfangreiche Ausbildungen anbietet.

Diesmal will die KUPF nur Projekte fördern, die nicht aus Linz kommen. Der Text zur Ausschreibung ist allerdings wieder einmal KUPF-Sprech in bester Tradition, sieht man von der hoffentlich nicht als Schmäh, sondern wörtlich gemeinten Bedingung für einzureichende Projekte ab: »Sie müssen abseits von Linz stattfinden«.

Der Rest bleibt so unkonkret wie man nur sein kann, wenn man sich die Dinge nicht beim Namen nennen traut. »Eingereichte Projekte sollen die Kultur innovativ aus dem Abseits holen. (…) Bewusst abseits zu stehen, kann andererseits durchaus auch Ausdruck einer Kultur sein, die entweder selbst innovativ ist oder es verdient, auf innovative Weise gerade in ihrer Abseitigkeit ins Zentrum gestellt zu werden.«

Die Idee für die Ausschreibung ist ein schöner Ansatz. Aber schon mit der Ausschreibung selbst tappt die KUPF in die Fettnäpfchen der vergangenen Jahre und setzt die Taktik der Verwirrung fort. Was will die KUPF? Der Versuch einer Interpretation: Die KUPF möchte, dass KIs vom Land Projekte einreichen, von denen sie glauben, dass diese für ihren Verein, für ihre Ortschaft, für das Kulturleben, für den Alltag spannend, brauchbar, vielleicht auch unbedingt notwendig sind. Die KUPF will die Vereine nicht zwingen, sich über sperrige Themen den Kopf zu zerbrechen, mit denen sich regionale Kis selten oder gar nicht beschäftigen. Die KUPF will diesmal die KIs nicht klüger machen als sie sind, sondern einen unkomplizierten Zugang zu Förderungen anbieten. Die KUPF will möglichst keine Hürden für die Teilnahme von KIs am Innovationstopf und so weiter.

Wie die Sache ausgehen wird, weiß man freilich nicht. Die KUPF ist diesmal allerdings gut beraten, für die Jury nur Leute zu suchen, die wirklich eine Ahnung vom regionalen Kulturschaffen in OÖ haben. Der IT ist ein Phänomen. »Abseits« macht keine Ausnahme. Es muss immer komplizierter aussehen, als es eigentlich ist. Während die KUPF umständlich auslobt, wissen geübte EinreicherInnen eh schon längst, was sie machen wollen. Vakante Projektideen gibt es aber nicht nur in Linz, sondern auch abseits davon. Dass diese auch beim IT bisher im Abseits standen, macht kein gutes Bild. Da es der KUPF nicht gelingt, einen einfachen Sachverhalt präzise zu formulieren, soll hier ergänzend zum Ausschreibungstext ein fiktiver Projektantrag skizziert werden, der dem Anliegen der Ausschreibung entsprechen würde:

»Sehr geehrte Jury! Der Kulturverein XY macht seit XY Jahren ehrenamtliche Kulturarbeit in XY. Wir bekommen für rund 10 Veranstaltungen vom Land 1450 € Förderungen jährlich, von der Gemeinde XY 75 €. Unter diesen Bedingungen ist es für uns unmöglich, weiterhin ehrenamtlich zu arbeiten. Unser Verein braucht einen Angestellten für die Administration. Wir sehen uns sonst gezwungen, den Kulturbetrieb einzustellen. Von unseren Fördergebern können wir keine Erhöhung erwarten. Aus dem Innovationstopf benötigen wir daher 5.200 €«

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