Maßstäbe strukturieren unseren Alltag. Welchen Anteil des Tages verbringen wir mit Arbeitszeit? Welche Schönheitsnormen glauben wir überwunden zu haben? (S. 23) Welche Fördermittel werden unserem Verein zugestanden? (S. 27) Wer setzt diese Maßstäbe? Wer bestimmt, was als ausreichend gilt und wo Mangel beginnt? Und gäbe es ohne die Maßstäbe ein “Genug” vielleicht gar nicht? Ohne Vergleichswert kein Genug, kein Ausreichend, kein Zufriedenstellend, kein Nicht-Genug. Oder?
Eine Antwort kann auch Genügsamkeit sein – als Alternative in einer Leistungsgesellschaft, die häufig “immer schneller, höher, weiter” von uns zu verlangen scheint.
Denn “Genug” zu sagen, kann der Beginn eines Aushandlungsprozesses sein. Wer eine Grenze zieht, vermittelt auch: Lasst uns Gegebenes hinterfragen. Genauso können wir ein Nein unseres Gegenübers lesen: um Gemeinsames neu zu verhandeln. Wir können uns dabei mit Wohlwollen begegnen (S. 5).
Die anonyme Kritikkolumne „Prekariat als Privileg?“ (S. 4) zeigt, wie gesetzliche Veränderungen in Rahmenbedingungen für die Arbeitswelt eingreifen. Im Kontrast dazu beleuchtet Nora Soumah das irische Modell des Grundeinkommens für Künstler*innen. Es zeigt, wie ein staatlich gesichertes Einkommen die Bedingungen für nachhaltige Kulturarbeit verändert. (S. 7)
Katharina Spanlang berichtet von der Veranstaltung „(Kein) Land in Sicht?“ des Bundesministeriums und gibt Einblick, wie Geschlechtergleichstellung in Kunst und Kultur aktuell besprochen wird (S. 13). Feministische Perspektiven auf internalisierte Misogynie, Mutterschaft (ab S. 22) und die Gleichberechtigung intergeschlechtlicher Menschen (S. 26) machen sichtbar, welche Disziplinierungsstrategie dahinter stecken kann, wenn man permanent vermittelt (bekommt), “nie genug” zu sein.
Die Frage lautet nicht nur, ob wir genügen, sondern auch: Genügt das, was uns zugestanden wird?
Es reicht!
Die Redaktion










































































