Anlässlich des 40-jährigen Bestehens der KUPF OÖ blicken drei Vertreter*innen, die in unterschiedlichen Jahrzehnten für die KUPF OÖ tätig waren oder sind zurück: Franz Prieler, Richard Schachinger und Anna Rieder über prägende Debatten, politische Erfolge und die Entwicklungen freier Kulturarbeit.
GRÜNDUNGSJAHRE
Franz Prieler über die Entstehung der Kulturplattform Oberösterreich in den 1980er Jahren.
Marlies Auer: Wie kam es zur Gründung der KUPF OÖ?
Franz Prieler: Ich habe 1972 in Lambach den Kulturverein O2 gegründet. Im Austausch mit anderen Kulturvereinen wurde uns klar, dass es mühsam ist, wenn jede Initiative einzeln mit dem Land um Förderungen verhandeln muss. Die Idee entstand, so etwas wie eine Gewerkschaft zu gründen.
Auer: Welche Themen haben euch besonders beschäftigt?
Prieler: Schon damals war der Kampf gegen Rechts ein wichtiges Thema. Natürlich auch das Budget. Wir haben z.B. eine Flugzettelaktion umgesetzt zu den Budgetunterschieden zwischen Freier Szene und Landeseinrichtungen.
Auer: Welche Erfolge aus der Gründungszeit sind dir in Erinnerung geblieben?
Prieler: Ein erstes großes Erfolgserlebnis war, dass wir dem Landeshauptmann ein gemeinsames Budget für die freie Kulturszene vorlegen konnten und dieses auch genehmigt wurde. Im Laufe der Zeit haben wir begonnen, die Art der Verhandlungen grundsätzlich infrage zu stellen. Uns war wichtig, mehr Transparenz und Ehrlichkeit in die Gespräche zu bringen – also klar zu benennen, was tatsächlich notwendig ist, anstatt bewusst höher anzusetzen, nur damit am Ende gekürzt werden kann. Dadurch entstand eine vertrauensvollere Basis zwischen der freien Kulturszene und dem Land. Ein weiterer Erfolg war für mich, dass wir der erste Zusammenschluss in dieser Form in Österreich waren und damit auch die Gründung späterer Interessenvertretungen beeinflusst haben.
Auer: Hast du Wünsche, Anliegen an die KUPF OÖ?
Prieler: Ich finde grundsätzlich immer sehr gut, was in der KUPF OÖ passiert. Ich komme aus einer Zeit, die stärker von Aktionismus geprägt war. Heute läuft vieles diplomatischer. Ob das besser oder schlechter ist, kann ich nicht sagen. Mir persönlich fehlt der Aktionismus manchmal.
Auer: Gibt es einen Satz, der für dich die letzten 40 Jahre KUPF OÖ zusammenfasst?
Prieler: Für mich ist die KUPF OÖ eine echte Erfolgsgeschichte geworden – in einem Ausmaß, das kaum vorhersehbar war. Aus dem kleinen Pflänzchen ist über die Jahre ein richtiger Mammutbaum geworden.
PROFESSIONALISIERUNG
Auf die Gründungsjahre folgten Phasen der stärkeren Professionalisierung und politischen Vernetzung. Richard Schachinger, ehemaliger Geschäftsführer der KUPF OÖ, erinnert sich an diese Entwicklungen.
Marlies Auer: Welche Themen haben euch in den 2010er Jahren bewegt?
Richard Schachinger: Zentral war die große Frage, wie die KUPF OÖ mehr Sichtbarkeit und Wirksamkeit entwickeln kann.
Das ursprüngliche Drei-Säulen-Modell aus Kulturpolitik, Gewerkschaft und Service war für uns nicht mehr ganz stimmig, somit haben wir unsere Arbeitsbezeichnung auf NPO (Non-Profit-Organisation) umgestellt, was neue Handlungsspielräume eröffnete, vor allem im Bezug auf Lobbyingarbeit in Politik und Verwaltung. Auf die jährlichen Termine mit Landeshauptmann sowie Kulturlandesrat aufbauend, haben wir versucht, eine zusätzliche Regelmäßigkeit zu entwickeln und auch mit den Fraktionen im Landtag sowie mit Stakeholdern zu sprechen – und die Vertrauensbasis zu stärken, ganz nach dem Motto: kritisieren, wo nötig, loben, wo möglich. Das hat sich die KUPF OÖ im Wesentlichen bis heute beibehalten.
Ein Schwerpunkt für uns war die Regionalentwicklung, zudem haben wir die Erleichterung von Veranstaltungssicherheit und Abschaffung der Lustbarkeitsabgabe vorangebracht.
Auer: Welche Erfolge sind dir aus deiner Zeit im Kopf geblieben?
Schachinger: Wir haben uns mit dem Potential von freier Kulturarbeit für die Regionalentwicklung beschäftigt. Ausgangspunkt waren EU-Förderprogramme wie Leader, die Beteiligung und neue Entwicklungen im ländlichen Raum fördern sollten. Für uns war das ein Aha-Moment, denn: Genau das machen freie Kulturinitiativen bereits. Dazu haben wir ein Positionspapier verfasst, sind damit aktiv auf Entscheidungsträger*innen zugegangen und wurden sogar ins Parlament eingeladen.
Schließlich kam die klare Ansage des Landeshauptmanns, dass Leader-Förderungen auch für Kulturprojekte offenstehen. Daran denke ich gerne zurück, weil wir damit tatsächlich etwas bewirken konnten. Gleichzeitig haben sich Themen rund um das Kulturbudget, wie die Schere zwischen Pflicht- und Ermessensausgaben, schon zugespitzt.
Auer: Woran erinnerst du dich besonders gern zurück?
Schachinger: Das Team! Ich bin wirklich sehr gerne ins Büro gekommen. Wir waren im Büro zu dritt: Klemens Pilsl, Tamara Imlinger und ich, wir haben sehr gut zusammengearbeitet. Auch der Vorstand war äußerst motiviert. Gemeinsam wollten wir etwas verändern!
GEGENWART
Auch heute beschäftigt die KUPF OÖ die Frage, wie freie Kulturarbeit gestärkt werden kann. Anna Rieder über Vorstandsarbeit, aktuelle Herausforderungen und Entwicklungen.
Katja Frey: Du bist seit 2018 im Vorstand der KUPF OÖ, wie bist du dazu gekommen?
Anna Rieder: Ich habe schon früh begonnen, mich ehrenamtlich im Kulturbereich zu engagieren. So bin ich auch auf die Arbeit der KUPF OÖ gestoßen. Für meine Masterarbeit habe ich u.a. eine quantitative Befragung unter KUPF-Mitgliedsvereinen durchgeführt. Als ich später auch hauptamtlich im Kulturbereich gearbeitet habe, wurde ich gefragt, ob ich für den Vorstand kandidieren möchte.
Frey: Was sind die Aufgaben des KUPF-Vorstandes, seit du dabei bist?
Rieder: Der Vorstand arbeitet kaum noch operativ, ist also nicht im täglichen Büroalltag eingebunden, da es inzwischen ein großes Büro-Team gibt.
Das heißt, unsere Rolle ist eher beratend, unterstützend und manchmal korrigierend. Einmal im Monat treffen wir uns zu einer Vorstandssitzung, bei der aktuelle Themen, Mitgliederaufnahmen, Veranstaltungen sowie kulturpolitische Entwicklungen besprochen werden.
Frey: Welche Themen haben dich und die KUPF OÖ, seitdem du dabei bist, besonders beschäftigt?
Rieder: Eine der ersten großen Kampagnen meiner Zeit im Vorstand war #Kulturlandretten. Es ging darum, mit einer Lobbying-Kampagne den vom Land Oberösterreich angekündigten Budgetkürzungen entgegenzuwirken.
Eine große Herausforderung war natürlich auch die Corona-Zeit. Kaum eine Organisation in Österreich hat die Verordnungen so schnell verstanden und für Kulturvereine aufbereitet wie die KUPF OÖ.
Generell überschreitet die KUPF OÖ immer wieder ihre Oberösterreich-Grenzen. Ein aktuelles Beispiel ist die Debatte rund um die Transparenz der AKM. Auch hier ist die KUPF OÖ wieder medial präsent.
Frey: Was wünschst du der KUPF OÖ für die Zukunft?
Rieder: Dass es nicht wieder zu Rückschritten kommt und wir z. B. Personalstunden wieder abbauen müssen. Es hat echt lange gedauert, und viel Arbeit und Durchhaltevermögen verlangt, um auf so einem Niveau zu sein.
Außerdem wünsche ich mir, dass die Arbeit der KUPF OÖ gesehen und anerkannt wird. Ich glaube, das Land Oberösterreich spart sich durch die Arbeit der KUPF OÖ – im Sinne der Beratung zu Förderabwicklungen usw. – im Endeffekt extrem viel Zeit und Ressourcen.
Die Interviews wurden für den Abdruck gekürzt. Die vollständigen Interviews sowie zwei zusätzliche Gespräche mit Herta Gurtner und Betty Wimmer über ihre Zeit in der KUPF OÖ sind in den beiden Kulturtransfer-Podcastfolgen “40 Jahre KUPF OÖ – Zeitreise Teil 1 und 2” zu hören, die im Mai und Juni 2026 veröffentlicht werden.






























































