Schreiben, Lernen, Förderungen

3 Fragen an den Berufsverband Österreichischer Schreibpädagog:innen.

Welchen Stellenwert haben Schreiben & Sprache in der Erwachsenenbildung? Und welchen sollten und könnten sie haben?
Claudia Dabringer: Schreiben und Sprache sind absolut notwendig in der Erwachsenenbildung, vor allem für den Berufsverband Österreichischer Schreibpädagog:innen. Wie der Philosoph Ludwig Wittgenstein sagte, definiert die Sprache die Grenzen unserer Welt. Und in der Welt des Lernens und in der Bildung geht es einfach nicht ohne Worte – nicht nur um uns auszudrücken, sondern auch um unseren Lernfortschritt zu erfassen und zu dokumentieren.

Wie kann Schreibpädagogik zu gesellschaftlichen Entwicklungen beitragen? 
Erika Kronabitter: Schreibpädagogik verbindet kreatives Schreiben mit pädagogischen Haltungen und vielfältigen Zugängen. Mittels des Schreibens werden Emotionen geweckt und Ausdrucksräume eröffnet. Schreibpädagogisches Schreiben hat dadurch auch gesellschaftliche Relevanz: Es stärkt Stimmen, ermöglicht Teilhabe und schafft Räume für Reflexion, Dialog und Perspektivenwechsel. Gleichzeitig fördert es die persönliche Entwicklung – Schreibende lernen, sich selbst besser wahrzunehmen, ihre Haltung zu schärfen und ihre Ausdrucksfähigkeit weiterzuentwickeln. Bei Übungen geht es nicht nur ums Schreiben an sich, sondern um den gemeinsamen Austausch darüber, um Resonanz, Wertschätzung und Wachstum. Das ist es doch, was wir uns in unserer Gesellschaft wünschen, oder?

Wie steht es um die Finanzierung eurer Arbeit?
Erika Kronabitter: Als Non-Profit-Verein sind wir nicht in der Lage, Reichtümer anzuhäufen. Wir sind froh, wenn wir bei der Jahreswende soviel finanzielle Sicherheit auf dem Konto haben, damit wir das Schreibatelier und das Office für die nächsten Monate finanzieren können. Was uns seitens der Politik abgenommen werden könnte, wäre das ständige Suchen nach Förderungen, das jährliche Beantragen von Beiträgen. Die schreibpädagogische Einrichtung, wie wir sie seit über 25 Jahren betreiben, sollte von der Politik in ihrer komplexen Wertigkeit und Relevanz gesehen und anerkannt werden und wie Grundschulen aus dem Bildungstopf finanziert werden. Auch die Zurverfügungstellung geeigneter Räumlichkeiten würde den finanziellen Druck vom Vorstand nehmen, da wir ja als dieser ehrenamtlich tätig sind.

Der Berufsverband Österreichischer Schreibpädagog:innen BÖS bietet jährlich knapp 80 verschiedene Schreibworkshops (online und in Präsenz) an. Einzigartig in Österreich ist der Lehrgang Schreibpädagogik, dessen Zielgruppe Menschen sind, die gerne schreiben, aber sich auch ein neues Berufsfeld erschließen möchten. Unter unseren Absolvent*innen befinden sich aber auch Pädagog:innen in unterschiedlichen Berufen und Funktionen in Schule, Erwachsenenbildung oder Sozialarbeit sowie Autor*innen, Journalist*innen, Germanist*innen, Wissenschafter*innen, die gerne pädagogisch arbeiten (möchten). Der Basis-Lehrgang besteht aus sieben aufeinander aufbauenden Lehrgangsmodulen à 21 Unterrichtseinheiten, zehn frei zu wählenden Workshops à 14 Unterrichtseinheiten sowie einer schriftlichen Abschlussarbeit im Umfang von rund zehn Seiten und einem Abschlusskolloquium. Das Gesamtpaket des Lehrgangs umfasst zudem zwei Labore, in denen ganz praktisch das Halten von Schreibworkshops geübt und durchgeführt wird. Mehr Infos: bös.at

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