Hannah Struck über Verhütung, Verantwortung und Vasektomie.
„Kümmere dich um deine Verhütung, Kind! Du willst doch nicht schwanger werden“, wurde mir als Jugendliche geraten. Dabei wurde mit Nachdruck deutlich gemacht, dass Verhütung „Frauensache“ sei. Also habe ich mich gekümmert und festgestellt, dass die Auswahl eine Katastrophe ist. Ich habe mir meine erste Kupferspirale einsetzen lassen, brauchte ein Glas Wasser, Traubenzucker und musste aus der gynäkologischen Praxis hinaus begleitet werden. Ibuprofen war mein neuer bester Freund. Immerhin hatte ich mich gekümmert.
In dieses gut be- und verhütete Nest setzte sich dann mein Ehemann. Weniger aus Ignoranz, vielmehr aus unreflektierter Prägung änderte sich an der Verantwortungsübernahme jedoch über die Jahre nichts. Ein Kinderwunsch? Kein Problem, ich kümmere mich. Spirale raus. Kinderwunsch erfüllt? Kein Problem, Spirale rein. Noch ein Kind? Kein Problem, Spirale wieder raus.
Und jetzt, nach 13 Jahren Kupferspirale, drei Schwangerschaften und zwei Geburten*, sitze ich hier, stillend mit unserem Baby im Arm und schreibe diese Zeilen.
Ich finde, ich habe mich genug gekümmert.
Mein Körper ist massiv in Vorleistung gegangen, was das Thema Familienplanung betrifft. Im völligen Bewusstsein, dass die Verhütungsfrage für meinen Mann ebenfalls eine Katastrophe darstellt, finde ich, dass er sich jetzt kümmern muss. Alternativen zur Vasektomie gibt es kaum. Ich hol ihn aber auch gerne mit Traubenzucker und Ibuprofen im Gepäck aus der urologischen Praxis ab. Schnippschnapp!
Gleichberechtigte Verhütung ist kein privates Thema. Es geht um eine gesamtgesellschaftliche Veränderung, weg von Verhütung als „Frauensache“ hin zu besserer Kostenpolitik – innerhalb der Sexualbeziehungen, besser noch seitens der Krankenkassen. Um mehr Forschung an Verhütungsmitteln für beide Geschlechter sowie mehr zeitgemäße Aufklärung. Es geht um den längst überfälligen Tabubruch mit der Sterilisation der Frau*. Darum, dass Mädchen* oft selbstverständlich die Pille verschrieben wird und darum, dass Männer* selten das Mindesthaltbarkeitsdatum der Kondome kontrollieren, die sie in ihrer Geldbörse aufbewahren. Es geht um sexuelle Selbstbestimmung, Verantwortung und Gleichberechtigung, vielmehr als um ein bisschen Kupfer.
* Statistisch erlebt jede dritte Frau* eine Fehlgeburt [Anm. der Redaktion]











































