Journalismus ist kein Hobby

Acht journalistische Praktika, manche davon unbezahlt – aber immer 40 Stunden pro Woche. Nebenher Publizistikstudium und ein Job als Journalistin bei einer Wochenzeitung.

In den 2000er-Jahren war ich der Inbegriff der „Generation Praktikum“ – also eine Akademiker*in, die ein Praktikum nach dem anderen macht, ohne dass es eine reale Chance auf eine Anstellung gäbe.

Inzwischen ist das lebenslange Prekariat längst Normalität. Ausgedünnte Redaktionen, unsichere Jobs, lange Arbeitstage: In den Journalismus zu gehen wird immer unattraktiver. Seit 2006 ist die Zahl der Journalist*innen in Österreich um ein Drittel geschrumpft, heißt es in der neuen Studie „Journalismusförderung in Österreich“. Demnach kommen auf die rund 4.500 Angestellten einige hundert Freie (nicht angestellte Journalist*innen) – und deren Lage ist besonders prekär. Laut dem Medienhaus Wien, das die Studie durchgeführt hat, zahlen die meisten Zeitungen & Co. dieselben Honorare wie vor 30 Jahren, was einem Einkommensverlust von mehr als der Hälfte entspricht. Ein Großteil der Freien sei deshalb auf Zusatzeinkommen angewiesen – etwa durch Pressearbeit, die mit unabhängigem Journalismus nicht vereinbar ist.

Dabei seien Freie im Schnitt älter und erfahrener als ihre angestellten Kolleg*innen, heißt es in der Studie. Und oft übernehmen sie aufwendige Recherchen, für die Redakteur*innen keine Zeit bleibt. Doch Journalismus ist kein Hobby. Dass immer mehr freie Journalist*innen aus finanzieller Not den Hut drauf werfen, ist – nicht zuletzt in Zeiten von KI-Slop und grassierenden Falschnachrichten – eine Gefahr für die Demokratie.

Ja, viele Medienhäuser stehen mit dem Rücken zur Wand. Dennoch ist es ein No-Go, Millionen an öffentlichen Geldern in Medienhäuser zu investieren, die ihre Freien mit Hungerlöhnen abspeisen. In anderen Branchen sind Förderungen längst an soziale Mindeststandards gebunden. Genau das fordert der Verein Freischreiber*innen Österreich nun in der Kampagne #KeinSteuergeldFürAusbeutung auch für die Medien. Es ist zu hoffen, dass dieser Missstand bei der angekündigten Medienreform korrigiert wird.

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