Wie die KUPF OÖ an einer Zeitenwende mitbaute. 

Mit der Vereinsgründung 1986 wurde die KUPF OÖ zur ersten organisierten politischen Stimme einer kulturellen Aufbruchsbewegung und zu einem Role Model. Eine Würdigung zum 40er von Verena Teissl.  

Aufbruch überall
Seit den 1950er-Jahren manifestierten sich europaweit zivilgesellschaftliche Bewegungen, die auf eine neue Kulturpraxis zielen. Kulturstätten und Festivals wurden Plattformen zeitgenössischer und partizipativer Ausdrucksformen sowie Aushandlungsräume demokratischer Werte. In Österreich erstarkte diese Bewegung seit den 1970ern. Von Vorarlberg bis Wien setzten sich alternative Kulturarbeitende über Veranstaltungs-, Aufführungs- und Vorführverbote zeitgenössischer Kunst hinweg, sie besetzten Räume und demonstrierten für eine moderne Kulturpraxis und -politik. Diese Bewegung ist zu Unrecht kaum im Allgemeinwissen verankert, denn das Resultat ist beachtlich – nicht weniger als ein neues Kulturverständnis etablierte sich; mit ihm demokratische, inklusive Wertevorstellungen sowie Orte, wo diese zum Ausdruck gebracht und weiterentwickelt werden. 

Demokratisches Embedding   
Die frühe Errungenschaft der KUPF OÖ liegt in der Durchsetzung eines neuen Kulturkonzeptes, das Traditions- und Hochkultur herausforderte. Man setzte sich auch mit den Kulturvorstellungen migrantischer Gruppen auseinander, aber das zeitgenössische künstlerische Schaffen und avantgardistische Kulturarbeit waren die zentralen Aspekte, die 1988 Eingang in das oberösterreichische Landeskulturfördergesetz fanden und die Regeln im Kunst- und Kultursektor erneuerten. Neben Subventionen als einen Aspekt der „kulturellen Emanzipation“ – ein Begriff, den die KUPF-Gründer verwendeten – forderten sie erfolgreich das Mitspracherecht im neu eingerichteten Landeskulturbeirat und setzten die Einrichtung eines Fachbeirats eigens für Kulturinitiativen durch. Schließlich brachten sie ihre Erfahrungen und Konzepte in die Gründung der IG Kultur Österreich ein. Diese setzte Anfang der 1990er die Anerkennung der Kulturinitiativen in der Bundes-Förderpolitik durch.

Die frühe Erfolgsgeschichte reflektiert einen kulturpolitischen Aufbruch, der mit der Ära Kreisky begann und Chancen eröffnete, die im Rahmen demokratischer Aushandlungsprozesse strategisch wie kämpferisch ergriffen wurden. Im Vergleich dazu verlief es in der Schweiz zur selben Zeit weniger erfolgreich: Die Volksabstimmung 1986 zur Neuorientierung der Kulturpolitik auf Bundesebene im Sinne der Kulturinitiativen wurde abgelehnt.    

Frühe Professionalisierungsbestrebungen
Die KUPF-Gründer vertraten ihre Überzeugungen nicht nur im politischen und medialen Lobbying, sondern auch durch Professionalisierungsbestrebungen – für alle. Ihre Forderung nach Bewusstseinsbildung für Gemeindepolitiker*innen gründete auf empirischen Befunden zum Einfluss von Gesinnungen auf die Förderpraxis in ländlichen Gemeinden. Dort wurde das neue Kulturverständnis mitunter als Bedrohung empfunden und blockiert. Für die denkwürdige „Abteilung experimentelle Arbeitsmarktpolitik“ des Landesarbeitsamtes Oberösterreich konzipierte die KUPF OÖ 1989 eine „Ausbildung zum/r Kulturarbeiter/in“. Zur Ankurbelung des Arbeitsmarktes wandte sich das Programm an „Wiedereinstiegsfrauen, arbeitslose Akademiker und Maturanten, bei denen man Flexibilität und hohe Motivation für sinnstiftende Arbeit vermutete”.  [Historische Zitate wurden aus Gründen der Quellen- und Kontexttreue im Original übernommen] 

Nicht lockerlassen!
Heute wissen wir, dass hohe Motivation, aber auch geringe Einkommen und fehlende soziale Absicherung die Arbeitsrealität besonders der freien Szene prägen und zugleich die Verletzlichkeit zivilgesellschaftlicher Aktivitäten sowie deren unklare Position zwischen Staat und Markt widerspiegelt. Seit drei Jahrzehnten steht Fair Pay auf der Agenda des österreichischen IG-Netzwerkes. Nicht zufällig ist Österreich eines der ersten europäischen Länder mit entsprechenden kulturpolitischen Maßnahmen. Um neben Einkommenserhöhung den strukturellen Wandel für soziale Absicherung zu ermöglichen, bleibt die Arbeit der KUPF OÖ und des IG-Netzwerkes unverzichtbar. 

Unermüdlich sorgt die KUPF OÖ für verbesserte Rahmenbedingungen und die Weiterentwicklung von Kulturarbeit in Initiativen mit Strahlkraft über Oberösterreich hinaus, vom KUPF-Innovationstopf (1995-2016), dem KUPFticket bis zu innovativen Fortbildungsangeboten. Die KUPF OÖ hat Geschichte mitgeschrieben und tut dies sicher weiter – was wir aber erst in ca. weiteren 40 Jahren sehen werden. Happy Birthday, liebe KUPFler*innen, und Chapeau! 

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