In ihrem Jubiläumsjahr stellt die IG Kultur Vorarlberg eine zentrale Frage: Stärkt das, was wir tun, Menschen, Organisationen und Umwelt? Von Mirjam Steinbock, Geschäftsführerin der IG Kultur Vorarlberg.
In meinem ersten Beruf als Goldschmiedin lernte ich, mit welchem Verfahren und Mengenverhältnis Gold, Silber und Kupfer zu einer form- und tragbaren Legierung verschmolzen werden. Dabei spielt Kupfer trotz seines geringeren materiellen Werts für das entstehende Schmuckstück eine farbgebende und festigende Rolle.
Mich erinnert diese Verbindung an ein gesellschaftliches Miteinander, das Halt gibt und Verantwortung übernimmt. Dafür braucht es unterschiedliche Elemente, die sich gegenseitig stärken: Die Ökologie bildet dabei die Grundlage unseres Lebensraums, Gesellschaft und Wirtschaft sind darin integriert. In einer gesunden Wechselbeziehung können alle drei Bereiche wachsen und sich regenerieren. Kulturarbeit als gesellschaftlicher Teil gleicht dem Kupfer: Im Vergleich zu Gold und Silber in seinem Wert oft unterschätzt, ist sie ein maßgeblicher Bestandteil für eine stabile, farbenreiche und entwicklungsfähige Legierung.
Regeneration als Leitfrage
Im Rahmen des Jubiläumsprojekts #ReGen anlässlich 35 Jahren IG Kultur Vorarlberg beschäftigen wir uns mit unserer Haltung zu Natur, Gesellschaft und Wirtschaft. Zentral sind dabei zwei Fragen: Stärkt unsere Kulturarbeit Menschen, Organisationen und Umwelt? Oder braucht sie mehr Ressourcen, als sie dem System zurückgibt? Kurz gefragt: Ist das, was wir tun, regenerativ?
Seit 2024 beschäftigen wir uns mit diesem noch jungen Thema, obwohl der Begriff “Regeneration” aus anderen Bereichen wie Gesundheit und Kosmetik schon lange bekannt ist. In Verbindung mit Kultur betrachten ihn manche noch skeptisch, andere erkennen sofort seine Relevanz. Einige Gesprächspartner*innen können konkrete Beispiele aus ihrer Praxis nennen, wie auch unsere Umfrage* zum Thema gezeigt hat. Regenerative Prinzipien sind im Kultursektor also durchaus zu erkennen, allerdings werden sie nur selten so benannt.
Austausch und Praxisentwicklung
Aus Umfrage und Gesprächen nehmen wir einen Wunsch nach weiterem Austausch mit und begegnen diesem Anliegen mit Beteiligungsformaten. Bis zum Ende unseres Jubiläumsjahres werden wir eine Sammlung an Best-Practice-Modellen vorlegen. Dazu laden wir Kultur- und andere Einrichtungen ein, entsprechende Veranstaltungen und Formate mit #ReGen zu labeln.
Sektorübergreifende Zusammenarbeit
Regeneration bedeutet für uns auch Zusammenarbeit über die eigene „Bubble“ hinaus. Der Austausch zwischen Kultur, Wissenschaft, Umwelt, Wirtschaft, Sozialem oder Gesundheit eröffnet neue Perspektiven und schafft Verständnis. Der Anthropologe und Autor Martin Grassberger und unser Themenpartner, der Kulturmanager Christoph Thun-Hohenstein, verweisen dabei auf natürliche Kreisläufe und Systeme, in denen unterschiedliche Elemente und auch Werte ineinandergreifen; vergleichbar mit einem Vogelschwarm, der sich dynamisch und gemeinschaftlich bewegt.
Material der Zukunft
Was uns als Interessensvertretung besonders beschäftigt, sind zukunftsfähige Verbindungen für viele Generationen. Oder, um in der Metall-Analogie zu bleiben: Wir suchen nach bewährten und neuen Legierungen für eine solidarische, verantwortungsvolle und zukunftsfähige Gesellschaft.
#ReGen
Einladung an Kultureinrichtungen, Kulturakteur*innen und Künstler*innen:
Ihr entwickelt Veranstaltungen und Formate, die regenerativ sind und möchtet Teil unserer Sammlung werden? Dann labelt mit #ReGen und taggt uns. Hier mehr: https://vorarlberg.igkultur.at/projekt/regen-regenerative-kulturarbeit
*Umfrage
Von Dezember 2025 bis Februar 2026 luden wir Kulturakteur*innen und Interessierte zu einer Umfrage ein, bei der sie ihre Erfahrungen, Meinungen und Wünsche zum Begriff „Regenerative Kulturarbeit“ teilten.











































