Kein Denkmal

Auf dem Feld: A, B und ein CHOR. Ihnen wird eine hohe Summe angeboten, um das Feld zu verkaufen und einen Erinnerungsort zu errichten. Die Bedingung: Alle bestimmen mit.

B Woran erinnern wir denn da?
A (zum Chor) Habt ihr einen Vorschlag?

CHOR Wir wollen eine Identität!

A Brauchen wir ein Gesicht?
B Ja, vielleicht eine Bezugsperson?

CHOR (ist sich uneinig) Ja! Nein! Doch! Sicher nicht!

A Wir könnten eine Frau* wählen.
B Raum einzunehmen, wenn man nicht männlich ist, ist ja leider oft etwas besonderes.
A Ja, immer noch.
B Aber wenn wir jetzt wieder eine einzelne Person auf ein Podest stellen –
A Wie meinst du?
B Dann schauen wir erst recht wieder nach oben –
A Achso –
B Statt genauer hin.

CHOR
erinn
erung
erinn
erung

(Chor wiederholt in zwei Gruppen, eine spricht “erinn”, eine “erung”)

B (unterbricht den Chor) Hast du schon mal von Geschlechtergeschichte gehört?
A Ich kann mir etwas vorstellen, aber –

CHOR
Wie sie das mit den Haushalten gemacht haben.
Was sie unter Männlichkeit und Weiblichkeit verstanden haben.
Was in Verträgen oder Gerichtsprotokollen wirklich drinsteht.
Wie sie darüber geredet haben.
Wie wir uns vorstellen, dass es gewesen sein könnte.

A Wollen wir nicht doch lieber erstmal ein Denkmal für eine Frau* hinstellen und das Geld nehmen?
B Findest du das wirklich einfacher?

Der Text ist Teil des Live-Hörspiels “Unser Feld” für das Festival communale 2026.

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