Einblicke von Hannes Heide, Mitglied im Kulturausschuss des Europaparlaments
Obwohl Kulturpolitik primär Aufgabe der Mitgliedstaaten ist, spielt die Europäische Union eine entscheidende Rolle bei der Bewältigung gemeinsamer Herausforderungen. Der neue Kulturkompass der EU-Kommission formuliert eine langfristige Vision für die Kulturpolitik der nächsten Jahre und ist das erste umfassende Update der europäischen Kulturpolitik seit 2018. Ziel ist es, Kultur stärker ins Zentrum politischer Entscheidungen zu rücken. Gerade jetzt, wo demokratische Strukturen unter Druck stehen, ist Kultur der Kitt, der unsere Gesellschaft zusammenhält und ein Motor für Europas Wirtschaft.
Neue Wege der Kulturfinanzierung
Ein zentraler Bestandteil der neuen Strategie ist das geplante Dachprogramm AgoraEU, es soll rund 20 bislang getrennte Förderinstrumente mit unterschiedlichen Verfahren, Zuständigkeiten und Regeln bündeln. Dadurch entstehen übersichtlichere Strukturen und weniger Bürokratie. Gleichzeitig sollen Fördermittel für NGOs und Medien gestärkt sowie der Zugang zu EU-Geldern für kleinere Initiativen, Vereine und Kulturprojekte erleichtert werden. Gerade im ländlichen Raum fehlen oft finanzielle Mittel und geeignete Räume – hier könnte die vereinfachte Förderung einen spürbaren Unterschied machen.
Kulturpass für Jugendliche
Bereits kommendes Jahr sind Kulturpässe für junge Menschen geplant, die Rabatte für Kulturveranstaltungen, europäisches Kino oder Kulturstätten gewähren. Sie werden von den Mitgliedstaaten ausgegeben und sind mit den DiscoverEU-Kulturrouten verknüpft – einem EU-Programm, das jungen Menschen ermöglicht, Europa mit dem Zug zu bereisen und seine kulturelle Vielfalt kennenzulernen. Auch die Arbeitsbedingungen von Künstler*innen und Kulturarbeitenden sollen verbessert werden. Mit der geplanten „Artists Charter“ will die EU erstmals gemeinsame Mindeststandards für faire Bezahlung, soziale Absicherung und künstlerische Freiheit festlegen. Zugleich soll kulturelle Vielfalt und der verantwortungsvolle Einsatz von Künstlicher Intelligenz gesichert werden. In den laufenden Verhandlungen mit dem Europäischen Parlament und Rat, pocht der Kulturausschuss weiterhin auf eine Budgeterhöhung um kulturelle Teilhabe und demokratische Strukturen zu stärken und die Arbeitsbedingungen im Kultursektor spürbar zu verbessern.





















































