Früher tendierte ich dazu, bei Reflexionen von Unterrichtssituationen Momente des Scheiterns und der Unsicherheit auszuklammern – aus Angst, für unfähig gehalten zu werden. Dabei lernen wir am meisten aus Versuchen, vermeintlichen Fehlern und Zweifeln. Auch für andere sind das diejenigen Momente, die besonders interessant sein können. Es gehört einiges an Mut dazu, solche Momente zu teilen und zur Diskussion zu stellen. Dieses erneute Durchleben von ohnehin als unzufriedenstellend erlebten Situationen und die Scham, die damit einhergehen kann, beschreibt das Vermittlungsteam der documenta 12 mit dem Ausdruck doppelt die Hosen runterlassen (Nora Landkammer, Doppelt die Hosen runterlassen, 2009, S. 79). Mit der Zeit habe ich gelernt, dass es entscheidend ist, unter welchen Bedingungen eine Person die eigenen Unsicherheiten teilt. Wie diese Situationen gestaltet sind, kann maßgeblich beeinflussen, wie man zur Ursprungssituation, aber auch zur Reflexion und Weiterentwicklung der eigenen Praxis steht. Es hat z. B. einen positiven Einfluss, wenn eine nicht allein ist mit dem doppelten Hosenrunterlassen: „[Ich erwarte] von den Studierenden nicht, dass sie Risiken eingehen, die ich nicht eingehen würde, oder dass sie sich auf eine Weise mitteilen, wie ich es nicht tun würde“ (Die Welt verändern lernen, 2023, S. 30). Die Pädagogin bell hooks beschreibt damit, dass es maßgeblich zur Offenheit beim Reflektieren beiträgt, wenn eine nicht die Einzige ist, die sich verletzlich macht. Dabei liegt eine besondere Verantwortung bei den Personen, die in der jeweiligen Situation Machtpositionen innehaben, z. B. Lehrende in Uni-Kursen. Wenn auch andere etwas teilen, verringert sich die eigene Scham und es fällt leichter, Ratschläge anzunehmen und es entstehen Möglichkeiten, auch selbst welche zu geben. Vermittlungspraxis lebt von Fehlversuchen und Neustarts, deren fruchtbarer Nährboden wohlwollender, kritischer Austausch ist.



























