Linz, 2015. In einem Kleintheater läuft seit fünf Minuten eine Vorstellung. Als Praktikantin ordne ich Prospekte für die Pause. Plötzlich stolpert eine junge Frau* durch die Tür, fällt auf die Knie und verteilt ihren Mageninhalt auf dem Boden.*
Ich helfe der Frau* auf, bringe sie zu einem Stuhl und eile zur Bar, um ein Glas Wasser zu holen. Da sagt der Barkeeper: „Kann sie nicht daheim alles vollspeiben? Wieso kommt sie überhaupt ins Theater, wenn’s ihr schlecht geht?“
Endometriose lässt sich am besten als chronische Krankheit beschreiben, die unabhängig von in der Norm des regelmäßigen Zyklus einer menstruierenden Person auftritt. Das ohnehin mühsame Einplanen des Zyklus und der damit einhergehenden körperlichen und mentalen Auswirkung, ist für Endometriosebetroffene nicht möglich, da eines der vielen Symptome dieser oft unsichtbaren Krankheit darin besteht, dass der Zeitpunkt der Menstruation unvorhersehbar ist.
Die Schmerzen werden von den Betroffenen sehr unterschiedlich wahrgenommen. Ich beschreibe sie so: Jemand zieht einen Handschuh aus rauem Schleifpapier an, steckt die Hand in die Vulva und schmirgelt einmal alles ab, was nur annährend im Geburtsapparat erreichbar ist. Klingt schmerzhaft? Ist es auch.
Viele Menschen trauen sich deshalb nicht mehr, Tickets für (Kultur-)Veranstaltungen zu kaufen oder sogar Vorfreude zu empfinden. Denn: Was ist, wenn…?
Geld für ein Konzert und vielleicht auch noch Hotel auszugeben, nur um dann nicht gehen zu können, weil man vor Schmerzen kaum stehen kann? Egal ob eine Veranstaltung für 20 Euro, 100 Euro aufwärts oder auch gratis; verpasst ist verpasst. Auch im Arbeitsleben schiebt Endometriose manchen Menschen einen Riegel vor. Ja, wir würden gerne den besser bezahlten Job mit mehr Verantwortung und kreativer Freiheit annehmen. Aber: Was ist, wenn…?
Eine Lösung haben wir leider bis heute noch nicht gefunden.
Ebenso wenig wie bei Regelschmerzen gibt es auch bei Endometriosebeschwerden nicht die Möglichkeit, jeden Monat Krankenstand in Anspruch zu nehmen.
Um etwas zu ändern, bitte ich Sie: Wenn Sie das nächste Mal bemerken, dass jemand Schmerzen – egal welcher Art – hat, bieten Sie Hilfe an. Fragen Sie nicht, warum wir denn nicht zu Hause krank sein können.
*Schmerzbedingtes Erbrechen kann ein Symptom von Endometriose sein.
Was ist Endometriose genau? Nachzulesen in der Rubrik Splitter.