Ob Zwangsversetzung nach der Karenz, systematische Ausgrenzung oder sexuelle Übergriffe: Wir müssen über toxische Arbeitsbedingungen im Journalismus reden. Klar, Mobbing und Bossing gibt es überall. Aber in einer Branche, die seit Jahren im Krisenmodus läuft, wirkt das besonders zerstörerisch. Denn wer traut sich, zum Betriebsrat zu gehen, wenn gleichzeitig darüber spekuliert wird, wer als Nächstes gekündigt wird? Wer kann es sich leisten, zu kündigen, wenn journalistische Stellen kaum nachbesetzt werden?
Allein im Vorjahr haben in Österreich mehrere Hundert Journalist*innen ihre Anstellung verloren. Laut AMS waren Ende 2025 mehr als 1.000 Menschen arbeitslos oder in Schulung. Vieles deutet darauf hin, dass es heuer nicht besser wird. In so einem Klima gedeiht vor allem eines: Angst. Das führt oft zu Konkurrenzkampf, Ausgrenzung und Isolation – dabei wäre gerade jetzt Solidarität wichtiger denn je.
„Ich hatte es schwer, also sollen es die anderen auch schwer haben.“ Dieser Satz, den ich im Power/Shift Magazin lese, bringt eine Haltung auf den Punkt, die unter vielen Journalist*innen weit verbreitet ist: Ellenbogenmentalität, Wegducken, Mauern, Schweigen. Für echten Wandel, heißt es in Power/Shift, bräuchte es diese Haltung: „Ich hatte es schwer, also sollen es die anderen leichter haben.“ Nur damit erreichen wir jene Veränderung, nach der die Branche lechzt.
Wie also kann sich Offenheit etablieren, während Knappheit herrscht? Durch Solidarität. Zusammenarbeit. Gemeinsame Interessenvertretung. Erste Ansätze gibt es bereits: Dort, wo früher auf Exklusivstories gepocht wurde, entstehen heute Kooperationen zwischen Medienhäusern. Nicht aus Idealismus, sondern aus Notwendigkeit. Denn in den meisten Redaktionen müssen immer weniger Journalist*innen immer mehr leisten.
Aus diesem Grund ist „Bildet Banden“ keine romantische Parole, sondern eine Notwendigkeit. Ob andererseits, an.schläge, DOSSIER, Follow The Money, Zwischenbrücken oder die KUPFzeitung: Alles Beispiele, dass Journalismus auch anders funktionieren kann. Gemeinschaftlich. Kooperativ. Ohne sich gegeneinander ausspielen zu lassen. Jede*r von uns kann diese Art von Journalismus unterstützen – etwa durch ein Abo.



























