Presseaussendung der Kulturplattform OÖ

PA: Kulturpolitischer Ausblick 2013: Kulturarbeit im Schatten kultureller Leuchttürme

Kulturpolitischer Ausblick 2013

*Kulturarbeit im Schatten kultureller Leuchttürme*

OÖ Kulturbudget 2013 erhöht –
doch freie Kulturinitiativen schauen durch die Finger


Das oberösterreichische Kulturbudget wird 2013 um insgesamt 10 Millionen Euro erhöht und bringt dennoch Kürzungen für den freien Kulturbereich. Von der Erhöhung profitieren einmal mehr ausschließlich die Kultureinrichtungen der öffentlichen Hand: die Landesmuseen, das Landesmusikschulwerk oder das neue Musiktheater. Leittragende der Einsparungen sind in erster Linie freie Gruppen, ganz besonders im Budgetsegment für zeitgenössische Kulturinitiativen – aber auch im Bereich der Volkskultur. Diese Förderkürzungen sind in Form von „Kreditsperren“ bis mindestens 2016 festgeschrieben.

Diese sich zuspitzende Unverhältnismäßigkeit steht kulturellen Weiterentwicklungen zunehmend im Wege. „Bestehende Förderungen werden mangels Indexanpassung entwertet, während neuen und jungen Kulturinitiativen eine angemessene Förderung überhaupt verwehrt bleibt. Das ist besonders paradox, da gerne und oft davon gesprochen wird, das kreative und innovative Potential junger Leute fördern zu wollen,“ sagt Nicole Honeck, Vorsitzende der KUPF.

Außerdem leidet offensichtlich der gleichberechtigte Zugang zu Fördermitteln für alle Geschlechter unter diesen Entwicklungen. „Zuletzt hat eine fast ausschließlich mit Männern besetzte Jury über die Vergabe der budgetstarken „Kunst am Bau“-Projekte für das Neue Musiktheater entschieden. Da überrascht es nicht, wenn bei der Vergabe wieder Männer zum Zug kommen – was etwa auch bei der Verleihung der „Landeskulturpreise 2012 der Fall gewesen ist,“ sagt Nicole Honeck.

*Neues Musiktheater*

Ein besonders großer Brocken im Kulturbudget ist das Neue Musiktheater. „Die KUPF begrüßt ausdrücklich die Förderung von Theaterkultur sowie die Errichtung von Kulturbauten. Dennoch widerspricht die budgetäre Gewichtung den Grundsätzen der Verhältnismäßigkeit. Die einseitige Bevorzugung repräsentationstauglicher Landeskultureinrichtungen bei gleichzeitiger Kürzung der freien Szene ist unzeitgemäß“, sagt Nicole Honeck.

Den Verantwortlichen des Musiktheaters wünscht die KUPF einen erfolgreichen Start. Angesichts des enormen budgetären Kuchenstücks liegt eine große Verantwortung auf ihren Schultern, das neue Musiktheater auf hohem künstlerischen Niveau zu betreiben und gleichzeitig Partizipationsmöglichkeiten und Nutzungschancen für Kulturschaffende aus allen Segmenten zu gewährleisten.

*Widersprüchlichkeiten zum OÖ Kulturleitbild*

Die aktuellen Entwicklungen in der oberösterreichischen Kulturpolitik stehen im eindeutigen Gegensatz zum 2009 vom Landtag beschlossenen „OÖ Kulturleitbild“. Dort werden Geschlechtergerechtigkeit, kulturelle Nahversorgung und die Stärkung initiativer Zeitkultur betont. „Von dieser Selbstverpflichtung des Landes OÖ bleibt angesichts der Budgetentwicklung wenig übrig. Die politische und mediale Aufmerksamkeit richtet sich auf die viel zitierten „kulturellen Leuchttürme“, während die kulturelle Nahversorgung in den Regionen in ihrer Existenz bedroht ist,“ sagt Richard Schachinger, Geschäftsführer der KUPF.

Die KUPF wird nicht müde, dieses Auseinanderklaffen von Anspruch und Wirklichkeit in der oberösterreichischen Kulturpolitik zu thematisieren. „Jetzt sind wir an einem Punkt angelangt, wo die kulturelle Vielfalt bis in die letzten Winkel des Landes tatsächlich ausgehungert wird. Und das, obwohl die Arbeit von Kulturinitiativen ohnehin nur durch einen hohen Grad an Eigenmittel und freiwilligem Engagement möglich ist. Werden nicht umgehend Umverteilungsmaßnahmen getroffen, werden die Folgen auch für die kulturinteressierte Bevölkerung bald spürbar sein. Außerdem wird das Kulturland OÖ bis 2016 im Fördervergleich mit anderen Bundesländern weiter abrutschen,“ sagt Richard Schachinger.

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Thomas Diesenreiter
Thomas Diesenreiter, Geschäftsführer der KUPF OÖ
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