EDITORIAL #84

„Wir lieben die Stürme, die brausenden Wogen, der eiskalten Winde rauhes Gesicht“

 

von Andi Wahl

… heißt es in einem alten Volkslied, das mein „Komm sing mit“ als mündlich überliefert ausweist. Fürwahr kann ein kräftiger Luftstoß etwas ungemein erfrischendes an sich haben – vorausgesetzt, man hat gute Aussichten, demnächst wieder eine warme Ofenbank zu bevölkern. Oder man verfügt über ein sturmerprobtes Schiff, die Ladung fest vertäut, und muss nicht selbst in die Brassen. Erfreut man sich keines dieser Privilegien, so können eine/r/m die kalten Winde die derzeit gerne durch die Gassen toben, ganz schön in Knochen fahren. Blasen sie doch mit Vorliebe in eher ärmlich anheimelnden und schmalen Wegen. So zum Beispiel der Aufwind jener politischen Gruppierung, die eine Ö-Card für alle Menschen fremden Blutes einführen möchte.

Dagegen ist jener Wind, der der Kunst- und Kulturszene mit der Übernahme des Kulturausschusses im Österreichischen Parlament durch die FPÖ ins Gesicht bläst, wirklich ein erfrischendes Lüftchen. Natürlich hat sich gerade diese Partei als besonders kunstfeindlich und intolerant erwiesen. Aber falls man sich überhaupt darüber empören will, dann doch viel eher über die sozialdemokratischen, christlich-sozialen und grünen HeuchlerInnen, die zwar gerne beteuern, wie wichtig ihnen Kunst und Kultur sind, dafür aber keinen Finger krumm machen, wenn es andere Felle ins Trockene zu bringen gilt. Zudem meine ich ja noch immer, dass es Kunst- und Kulturschaffenden viel besser ansteht, sich selbst ihrer Haut zu wehren, als dies an eine wohlmeinende und fürsorgliche staatliche Verwaltung delegieren zu wollen. Ein miserables Zeugnis würden wir uns selbst ausstellen, wenn bereits jetzt die ersten einknickten, oder ihre Fähnchen in den Wind zu hängen begännen. Die KUPF empfindet die rauhen Herbstwinde als durchaus belebend und sieht keine Grund, sich in den Windschatten zu ducken. Ganz im Gegenteil, wir haben uns selbst mehr Einmischung verordnet. Ende November stellte die KUPF, in enger Waffenschwesternschaft mit fiftitu%, einen kulturpolitischen Forderungskatalog für Chancengleichheit der Geschlechter im Kulturbereich vor. Das Engagement für diese – auch schon betagte – Forderung der KUPF tritt damit in eine neue, sehr viel dreistere und lautere Phase ein.

Aber auch sonst gibt es noch viel interessantes in diesem Heft.

Also: Kommt ins Freie, FreundInnen! Lassen wir uns den Wind um die Ohren sausen.

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