Lügen wie gedruckt #119

Motivierende Abschiedszeilen von Lois Sonnleitner

 

Die Zeitung ruiniert alle Vorstellungskraft: unmittelbar, da sie, die Tatsache mit der Phantasie servierend, dem Empfänger die eigene Leistung erspart; mittelbar, indem sie ihn unempfänglich für die Kunst macht und diese reizlos für ihn, weil sie deren Oberflächenwerte abgenommen hat. (1)

… und so könnten wir auch alle weiteren industriellen Print- als Lügenprodukte entlarven und geißeln, dissen und schnurstracks zur Hölle wünschen: den Kurier, die Salzburger Nachrichten, die Kleine Zeitung, das Volksblatt, die Presse, den Standard, das profil, Format & News und wie der ganze Schas im Blätterwald sich halt betitelt; und erst ihre Eigentümer: den Styria-Konzern, den Raiffeisen-Konzern, den Mediaprint-Konzern, … Oh kotz, oh kotz. Mir wird schon vom Gedanken daran schlecht.

Stattdessen wollen wir die kleine, der Aufklärung und der Rufschädigung verpflichtete „Lügen wie gedruckt“-Serie nach den bisherigen Einblicken, Verdachtsmomenten und Erkenntnissen zu einem (vorläufigen) Ende bringen. Weil letzten Endes jede Beschäftigung mit diesen kommerziellen Zumutungen von vorn bis hinten unsexy, also reine Zeitverschwendung ist. Wesentlich lieber appelliere ich in letzter Instanz an die Selbstverantwortung aller (medien)kritischen Geister da draußen – an eure Selbstermächtigung bzw. die gute alte Übernahme der Produktionsmittel.

In drei Worten: Do it yourself!

Schafft Gegenöffentlichkeiten, verschafft euch Gehör! Macht Magazine, dreht Filme, fabriziert Radio, erfindet TV neu! Bringt Licht in dunkle Kanäle, verdunkelt das grelle Licht der Verlogenheit! Lasst euch die Wahrheit nicht streitig machen von den Marktschreiern, ihren Drahtziehern und ihren Vasallen! Lasst euch nicht oben ins Hirn scheißen und unten abkassieren! Lasst diesen Meinungsschrott rechts liegen, und wendet euch nach links! Nehmt euch Beispiele an guten, bereits existierenden Machwerken! Here around: Versorgerin, KapuZine, Café KPÖ, Kupf-Zeitung! Da draußen: Augustin, kaktus, malmoe! Da drüben: glow in the dark, freiStil, Big Load! Vorwärts, nicht vergessen: konkret! Anders gesagt: Macht es euch nicht einfach, macht es einfach! Danke schön im voraus!

Jede Zeitung ist von der ersten bis zur letzten Zeile ein Gewebe von Greueln. Und dieses widerliche Aperitif nimmt jeder zivilisierte Europäer jeden Morgen zum Frühstück. Ich verstehe nicht, wie eine saubere Hand ein Zeitungsblatt berühren kann, ohne Krämpfe vor Ekel zu bekommen. (2)

Lois Sonnleitner

(1) aus: Karl Kraus, Sittlichkeit und Kriminalität (st 1311) (2) Charles Baudelaire, Tagebücher

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