Gnackwatsch’n #106

Die Idee eines roten CV trägt der SPÖ Oberösterreich einen multiplen Bierverschiss ein

 

Dass sich die Politik in diesem Lande weitgehend weder in offiziösen Gremien noch auf mehrheitlich versifften Stammtischen sondern in gleichsam versifften Buden diverser Burschenschaften abspielt, stellt ja an sich nichts Neuartiges dar. Da wäre zum Beispiel der christliche Cartellverband (CV) mit so honorigen Mitgliedern wie etwa unseren Herrn Josef Pühringer, Ludwig Scharinger oder der Linzer-Neokulturstadtrat Erich Watzl, in CV-Kreisen wohl besser als Abdul bekannt, zu nennen. Die berufliche Bandbreite der Mitglieder spannt sich von mehr oder weniger einflussreichen Politikern zu Rechtsanwälten, Universitätsprofessoren, Richtern und bisweilen gar Gynäkologen. Aber nein, sie verstehen das falsch. Mensuren werden in diesem Cartellverband nicht ausgetragen, wird nicht selten gegenüber Unwissenden betont. Ein Andreas Mölzer mit auseinanderklaffendem Riechorgan, das stark an ein ungustiöses Hinterteil erinnert, wird vergeblich in diesen Reihen gesucht.

Vielmehr zeichnet sich dieses Bündnis des CV als ein lebenslanges christlich-konservatives Netzwerk von Eliten aus. Ab und zu darf sich der Cartellverband halt auch in die Politik einmischen. So forderte der Cartellverband vor nicht allzu langer Zeit im Österreich-Konvent ein Abtreibungsverbot. „Abtreibungen ohne Indikation sind verboten. Eine bloß soziale oder rein eugenische (nicht medizinische) Indikation ist unzulässig.“ Außerdem will der CV den „besonderen Schutz und die Förderung der Republik“ für die „tradierte Form der Familie aus Vater, Mutter und Kindern“ in die Verfassung aufnehmen. Gott behüte, wer dabei Schlimmes denkt. Solche Strukturen wie etwa der Cartellverband sind etwas Lobenswertes, wenn nicht Nachahmenswertes. So etwas oder ähnliches dachten sich wohl VertreterInnen der SPÖ in Oberösterreich. Diese fordern in einem Papier die „Implementierung bewährter VP-Strukturen endlich auch in der SP.“ Die SP-Landtagsabgeordnete Jasmin Jazz Chansri expliziert diese Forderung, indem sie sich ein Netzwerk nach Vorbild des schwarzen CV wünscht.

Frau Jazz Chansri stellte im übrigen auch ihre kulturpolitischen Visionen in der Kulturbudgetdebatte des Landes unter Beweis, als sie ein internationales Jugendeventfestival, organisiert und finanziert vom Land Oberösterreich, einforderte. Kein Wunder also, die SPÖ leidet akut an einem Mangel auf inhaltlicher Ebene – dies nicht nur in kulturpolitischer Hinsicht – und an fähigen Personen. Die Zeichen der Zeit wurden erkannt! Groovy? Nein, eher Jazzy. Wunderbar auch, dass im roten CV Frauen willkommen sind. Wahre Emanzipation im Zeitalter des gender mainstreamens soll durch ein Nachäffen männerbündlerischer Pendants erreicht werden.

Obwohl natürlich die Mitglieder des Cartellverbandes ein konstantes und saftiges Hertetschen verdienen, gehört der Landes-SPÖ an dieser Stelle ein multipler Bierverschiss verordnet, um im wahrsten Sinne des Wortes noch etwas Salz auf die Schmisse pardon Wunden der letzten Landtagswahlen zu streuen.

 

 

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