Film & Kino

rödakino double feature: RAVING IRAN (2016, 84min, OmU) & WE SKATE IN IRAN (2017, 24min, OmU)

13.1.2018, 19:00 Uhr - 18.8.2018, 22:32 Uhr
RÖDA Steyr

Raving Iran – vom Traum, frei zu sein
Musik machen – und zwar die, die man will. Das ist für uns selbstverständlich. Nicht aber im Iran. Da gilt es, sich den harschen Vorschriften der Regierung zu unterwerfen. Der Dokumentarfilm „Raving Iran“ begleitet zwei DJs bei ihrem vergeblichen Kampf gegen das Regime.
„Diese Art von Musik wird nicht geduldet, nur klassisches Klavier und traditionelle Musik sind erlaubt. Elektronische Musik von DJs ist generell verboten.“ Das sind die letzten Worte, welche die House-DJs Anoosh und Arash im „Ministerium für Kultur und islamische Führung“ in Teheran zu hören bekommen. Eigentlich sind sie hier, um ihr DJ-Kollektiv registrieren zu lassen. Damit sie öffentlich auftreten und endlich ihr Album auf den Markt bringen können. Doch sie scheitern kläglich. Der Beamte läuft davon. Das Gespräch ist beendet.
Diese Szene aus dem Dokumentarfilm „Raving Iran“ zeigt, mit welcher Vehemenz Kunst im Iran unterdrückt wird. Die Filmemacherin Susanne Meures hält diesen Moment und zahlreiche andere Situationen fest. Sie filmt Raves im Untergrund. Sie ist dabei, als Anoosh an einer Party verhaftet wird. Sie begleitet die DJs bei deren vergeblichem Versuch, ihre CD an den Mann zu bringen. Und sie ist dabei, als Anoosh und Arash zum x-ten Mal beschliessen: „Wir müssen hier weg. Hier haben wir keine Zukunft.“
Handykamera statt Hightech-Equipment – Die Filmemacherin will einer nahezu unbekannten Generation ein Gesicht und eine Stimme geben: „Ich glaube, dadurch gebe ich den Jungen Macht und schwäche möglicherweise dieses repressive System.“ Dafür nimmt Susanne Meures einige Gefahr auf sich: Drehbewilligungen hatte sie keine, fast alles ist mit versteckten Handykameras aufgenommen. Auch wenn die Polizei sie immer wieder angehalten hat, es gab keinen Moment, in dem sie aufhören wollte: „Je härter es wird, desto mehr will ich es. Bei so einem Film darf man sich nicht in Angstvorstellungen verlieren.“ Und die Filmemacherin ist erfinderisch. Für die Szene im Ministerium für Kultur lässt sie für Arash ein Hemd schneidern mit einer zusätzlichen Tasche für die versteckte Kamera.

„Arash hatte große Angst, weil er die Kamera, eingenäht im Hemd, tragen musste. Auch ich hatte Angst“, sagt Anoosh, „aber wir haben die Situation gemeistert.“
Angst – das ist ein Wort, das im Gespräch mit dem DJ immer wieder auftaucht. Die Frage drängt sich auf: Warum haben sie das Risiko auf sich genommen und bei diesem Film mitgemacht? „Weil ich bereit bin, meine Freiheit für meine Leidenschaft, für das, was ich wirklich liebe, zu riskieren!“ Mit dem Film kann er den Menschen im Iran zeigen, dass mehr möglich ist und dass man einfach nur an sich selbst glauben muss. Auch wenn das am Ende bedeutet, die Heimat zu verlassen und zu versuchen, die Karriere im Ausland zu lancieren.
Zukunft in der Schweiz? Genau das haben Arash und Anoosh gemacht. Seit über einem Jahr leben die beiden DJs in der Nähe von Zürich. Nachdem sie während zwei Jahren in einer Asylunterkunft im Bündnerland gelebt haben, fernab der pulsierenden Nachtclubs, sind sie nun voller Tatendrang. Anoosh sagt: „Mein Leben war eingefroren. Endlich fühle ich mich wieder lebendig, kann meine Zukunft planen und fühle meine Musik.“

2016, Iran, 84 min., OmU
www.ravingiran.com

Trailer:

We skate in Iran
We Skate in Iran is a documentary film about the rise of skateboard culture throughout modern Persia’s cities. As a derivative of the larger We Ride in Iran ongoing project, it was born from a collision between the Swiss collective and Tsixty, one of Tehran’s major skate crews. Through the eyes of young Iranian director Benjamin Aryani, it relates how popular such a western trend has become in Iran, and its path toward acceptance. Even though the skate scene remains relatively underground there, moral and ethical resistance has considerably lessened throughout the years. Benji sends a message to all Iranian skaters to join forces and work together for the sake of their common passion. His footage promises to satisfy as much the curiosities of non-skaters as of non-Iranians, revealing an authentic and truthful insight into a social reality so commonly baffled by false perceptions.

2017, Iran, 24 min., OmU
https://www.facebook.com/WeSkateInIran
Trailer:

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