Literatur

Open Air Lesungen mit Valerie Fritsch und Birgit Birnbacher

26.5.2021, 19:00 Uhr - 26.5.2021, 22:00 Uhr (ics/ical Kalender Download)
Garten der Geheimnisse

Birgit Birnbacher
Ich an meiner Seite
Der Roman „Ich an meiner Seite“ der Bachmann-Preisträgerin von 2019 Birgit Birnbacher handelt vom jungen Arthur, der als Antiheld in Form von Tonbandaufnahmen für seinen Therapeuten und Bewährungshelfer Börd von seiner Vergangenheit berichtet und mit der ökonomisch orientierten Gegenwartgesellschaft zu kämpfen hat.
Die heiter-melancholische Milieustudie rund um Arthur, Börd und die anderen mehr oder weniger gescheiterten Charaktere aus der Haftentlassenen-WG hat einen realen Hintergrund.
Die Soziologin Birgit Birnbacher kennt das System der Bewährungshilfe, begegnet diesem jedoch mit einem „soziologisch-literarischen Blick“ (Otte, Carsten in: Die Tageszeitung vom 18.4.20) – wertfrei und ohne erhobenen Zeigefinger.

Birgit Birnbacher, geboren 1985, studierte Soziologie an der Universität Salzburg. Ihr Debütroman „Wir ohne Wal“ von 2016 wurde mehrfach ausgezeichnet, u.a. mit dem Rauriser Förderungspreis, dem Theodor Körner-Förderpreis und dem Literaturpreis der Jürgen Ponto-Stiftung. 2019 erhielt sie den Ingeborg-Bachmann-Preis.
In Ihrem neuen Roman „Ich an meiner Seite“ wagt sich die Soziologin und Autorin an den „Mikrokosmos Bewährungshilfe“ (ebd.).

Darin geht es um den 22-jährigen Arthur, der nach 26 Monaten Gefängnis nun Teil eines wissenschaftlichen Resozialisierungsprojektes wird. Arthur ist ein stiller, intelligenter Zeitgenosse aus gutem Hause. Wie einer wie er überhaupt im Gefängnis landen konnte, erfahren die Leser*innen durch Tonbandaufnahmen von Arthur selbst. Er bekommt von seinem unkonventionellen Therapeuten Börd nämlich den Auftrag, sämtliche bedeutsam erscheinende Kindheits- und Jugenderinnerungen aufzunehmen. Neben dieser Dauer-Tonspur verläuft im Buch die eigentliche Handlungsebene.
Dabei geht es um die Frage: „Wer sind wir ohne die richtigen Papiere?“ (Adler, Helena in: Deutschlandfunk Kultur vom 27.3.20). Ohne moralische Bewertung beleuchtet Birgit Birnbacher das enge „Gewebe aus Schuld, Eigenverantwortlichkeit und Opferstatus (Schröder, Christoph in: Süddeutsche Zeitung vom 10.3.20).
Denn Arthur kommt ohne die richtigen Papiere und Zeugnisse nicht wirklich zurück ins gesellschaftliche Leben. Und so schmiedet er gemeinsam mit Börd und der ominösen Ersatzmutter Grazetta einen ausgeklügelten Plan, der die große Freiheit bringen soll. Ob Arthur damit beweisen kann, „dass ich ein nützlicher Mensch bin“(ebd.)?

Valerie Fritsch
Herzklappen von Johnson & Johnson
Die Protagonisten und Protagonistinnen bei Valerie Fritsch wirken nur auf den ersten Blick unterschiedlich. In Wirklichkeit verbinden die junge Mutter Alma, ihr Sohn Emil und Almas Großeltern gerade ihre Unterschiede:
„Herzklappen von Johnson & Johnson“ ist „eine fein gestrickte Parabel auf den Schmerz“ (Schellbach, Miryam in: Frankfurter Allgemeine Zeitung vom 30.4.2020) – den nicht gespürten, den verdrängten, den weitergegebenen, vererbten Schmerz – jener Schmerz, der dem einen fehlt, den die anderen zu viel haben und die doch erst lernen müssen, offen darüber zu reden.

Almas und Friedrichs erstes Kind ist Emil, der durch einen Gendefekt keinen Schmerz empfinden kann. Alma ist in ständiger Sorge um ihren Jungen, tastet ihn abends auf die Unversehrtheit der Knochen ab, versucht, das zu ersetzen, was ihm nicht gegeben ist, ihm den Schmerz zu ‚erklären‘. Dass sie selbst nicht die geeignetste Person dafür ist, wird klar, wenn man mehr von ihrer Familiengeschichte erfährt: Der unausgesprochene Schmerz sitzt tief. Die einzige, die darüber sprechen kann, ist ihre Großmutter, die – bettlägerig und nach jahrzehntelangem Schweigen – beginnt, ihrer Enkelin und ihrem Urenkel von ihrem Leben zu erzählen: Vom Krieg, von der Flucht und dem Hunger, von der Kriegsgefangenschaft des Großvaters in Kasachstan, und von ihrem einzigen großen Wunsch: den eigenen Schmerz zu überwinden.
Und Alma findet endlich Erklärungen für ihr eigenes Leben, für die scheinbar grundlosen Schuldgefühle, die sie schon lebenslang begleiten, für ihre Verlorenheit. Zusammen mit ihrer kleinen Familie macht sie sich auf den Weg nach Kasachstan, zum Ursprung des generationenübergreifenden Traumas – dem damaligen Gefangenenlager ihres Großvaters.

Valerie Fritsch, geboren 1989 in Graz, begab sich für ihren Roman auch selbst auf die Reise: Sie fuhr 16.000 Kilometer von Graz nach Kasachstan und zurück, abseits der Zivilisation, auf kleinen Landstraßen, durch verlassene Gegenden.
Die Schriftstellerin und Photokünstlerin studierte an der Akademie für Angewandte Photographie. Ihr erster Roman, „Winters Garten“, erschien 2015 und wurde mehrfach ausgezeichnet. Beide Romane waren auf der Longlist des Deutschen Buchpreises. Heute lebt Valerie Fritsch in Graz und Wien.

Mehr Informationen: https://www.eventim-light.com/at/a/5ffc04ac8f154f653b5f36d6/e/6078d39926f9c75337b913b7/
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