Literatur

Open Air Lesungen mit Stephan Roiss und Tamara Imlinger

8.6.2021, 19:00 Uhr - 8.6.2021, 22:00 Uhr (ics/ical Kalender Download)
Garten der Geheimnisse

Stephan Roiss
Triceratops
Der namenlose Protagonist in Stephan Roiss’ Debütroman „Triceratops” ist ein Bub, der von sich selbst nur als „Wir“ spricht, Monster und Drachen in sein Schulheft zeichnet und der versucht, „dem Trauma und der Einsamkeit“ (Roiss 2020:Klappentext) seiner labilen Umwelt zu entfliehen.
Demonstrativ emotionslos erzählt der Junge in kurzen, abgehackten Sequenzen von seiner Kindheit in einer dysfunktionalen Familie, in der die Emotionen der psychisch kranken Mutter sämtlichen Raum einnehmen und keinen Platz für eigene Gefühle lassen. In der der bibeltreue Vater sich in den Alkohol flüchtet und die Schwester sich zunehmend in einen Schatten ihrer Selbst verwandelt. Und die eines Tages von einer Tragödie erschüttert wird.

Stephan Roiss, geboren 1983 in Linz, studierte am Deutschen Literaturinstitut in Leipzig. Er lebt als freier Autor und Musiker in Ottensheim und Graz und wurde vor allem mit seinen Hörspielen und Texten für Graphic Novels bekannt.
Sein Debütroman „Triceratops“, 2020 bei Kremayr & Scheriau erschienen, wurde 2020 für den Deutschen Buchpreis nominiert. Die beklemmende Lektüre ohne offensichtlichem Happy End wird zum Genre der Psychiatrie-Literatur gezählt.

Darin wird jener letzte Dinosaurier, der titelgebende „Triceratops“, zum Traumbild des Erzählers: mit Hörnern, um Feinde abzuwehren, vor allem aber mit einem dicken Panzer, der ihn unverletzlich macht.
Dieser „Panzer“ drückt sich auch in Stephan Roiss‘ Sprache aus: So lässt der Erzähler seine genauen Beobachtungen und Erinnerungen aus seiner Kindheit und Jugend unkommentiert, beschreibt sie aber aus der Sicht eines Kindes.
Diese „gepanzerte Sprache“, mit der sich der Erzähler weigert, „vordergründig an das Mitgefühl zu appellieren“ (Prugger, Irene in: Wiener Zeitung vom 19.10.2020), ist trotzdem keineswegs gefühllos – man erkennt darin ebenso die Wärme und Sensitivität.

In drei Kapiteln erzählt das „Wir“ diverse Einzelerlebnisse, die sich wie ein Mosaik zusammenfügen – von der Kindheit in einer Familie, die alles andere als ein ‚sicherer Hafen‘ war, einzig die Großmutter und später die blauhaarige Helix scheinen dem Jungen etwas Halt zu geben, von einer Jugend, in der sich die jahrelang unterdrückten Gefühle in Selbsthass und Wutausbrüche umwandeln.

Der Erzähler kämpft – mit sich, seiner Familie seiner Vergangenheit – vorrangig um eines: um Selbstfindung und ums Überleben als Mensch. Er muss aber einsehen, „dass man sich gegen sein Schicksal nicht panzern kann wie ein Triceratops“ (Müller, Marius in: buch-haltung.com).

Tamara Imlinger, * 1985, lebt in Oberösterreich, hat vor drei Jahren während ihrer Bildungskarenz in Leipzig begonnen, das literarische Schreiben zu lernen und dann an der Leondinger Akademie für Literatur teilgenommen. Seither arbeitet sie an einem Roman – mit dem Arbeitstitel „Die Thermosflasche“. Ein Auszug daraus ist im Dezember 2020 in der Online-Publikation WeissNet der IG Feministische Autorinnen erschienen. Ebenfalls 2020 landete der Prosatext “Drei Häuser am Waldrand” auf der Shortlist des Kurzgeschichten-Wettbewerbs Wortlaut von Radio FM4. 2021 startet Tamara Imlinger mit “Das Eichhörnchen” ein Kolumnenformat über Tiere in den Bergen und Menschen – in der Zeitung des Kulturvereins waschaecht Wels. Außerdem konzipiert sie zurzeit gemeinsam mit der pädagogischen Vermittlerin Christa Memersheimer das partizipative Workshop-Format “Schreib mir eine Karte!” Literarisches Schreiben wird dabei niederschwellig vermittelt: Teilnehmer*innen erkunden die Umgebung, bekommen Inputs zum Schreiben, v.a. zum Machen “literarischer Fotos”, schreiben kurze Texte (Miniaturen) auf Blanko-Postkarten und versenden sie, per Post und via Instagram.

Tamara Imlinger ist außerdem Musikerin (und spielt Klavier, Orgel und Melodika u.a. beim GIS Orchestra, früher bei Skaputnik, dort hat sie auch viele Songtexte geschrieben), Redakteurin für die KUPFzeitung, freiberufliche Historikerin und pädagogische Vermittlerin, u.a. im Lern- und Gedenkort Schloss Hartheim.

 

Zu ihrem Schreiben:

Tamara Imlinger zeigt in präziser, klarer Sprache Szenarien des 21. Jahrhunderts. Ihre Texte laden zum Wechseln von Perspektiven und Formulieren von Fragestellungen ein. Dazu setzt sie teils surreale Elemente ein.

Die Kurzgeschichte “Drei Häuser am Waldrand” handelt vom Mitbekommen von häuslicher Gewalt, besteht zu einem großen Teil aus Dialogen und setzt sich damit auseinander, wie verschiedene Rollen und Instanzen unserer Gesellschaft interagieren – von Nachbar*innen über Vermieter*innen zur Exekutive und den Medien. Der Kurzprosatext “Das Menü” erzählt von einer Protagonistin, die sich an Koch-Gewohnheiten ihrer Großmutter erinnert und nicht umhin kommt, über Bezüge zum Alltag im Nationalsozialismus in Oberösterreich nachzudenken. Der Kolumnentext “Das Eichhörnchen” zeigt Begegnungen mit Tieren und Menschen auf der Geißwand und dem Fahrnaugupf im Salzkammergut.

“Die Thermosflasche” ist Tamara Imlingers aktuelles Romanprojekt. Sie liest einen Auszug aus dem laufenden Prozess. Die Ich-Erzählerin Hilda Flussmeier arbeitet als Journalistin und besucht ein zehntägiges Seminar zum Thema Achtsamkeit, bei dem durchgängig geschwiegen wird. Sie ist gut darin, kritische Fragen zu stellen. Das tut sie auch während dem Seminar: Wieso sich freiwillig Regeln unterwerfen? Gibt es einen freien Willen? Wer spricht und wer schweigt im 21. Jahrhundert worüber?

 

Mehr Informationen: https://www.eventim-light.com/at/a/5ffc04ac8f154f653b5f36d6/e/6077021e6cc730352b70e043/
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