Literatur

Die Eroberung Amerikas mit Franzobel

21.7.2021, 19:00 Uhr - 19.10.2021, 16:52 Uhr (ics/ical Kalender Download)
Garten der Geheimnisse

Für seinen neuen Roman „Die Eroberung Amerikas“ begab sich Franzobel auf die Spuren eines wilden Eroberers der USA im 16. Jahrhundert: Hernando de Soto, den Franzobel „den erfolglosesten aller Konquistadoren“ (Franzobel, der Standard vom 16.1.21, unter: https://www.derstandard.at/story/2000123320752/als-franzobel-seinem-romanhelden-hinterherreiste) nennt, heißt im Roman Ferdinand Desoto.
Er hat Francisco Pizarro nach Peru begleitet, wo er dem Inkakönig Schach und Spanisch beigebracht, dessen Schwester geschwängert und viel Geld mit dem Sklavenhandel gemacht hat. Als er 1538 mit zehn Schiffen, 800 Männern (und einer verkleideten Frau) und zahlreichen Sklaven aufbrach, um Florida zu erobern, begann das Zeitalter der Globalisierung. „Es waren Männer wie er, die den weißen Menschen und dem Christentum die Vorherrschaft über die Welt sicherten (Klappentext).

Franzobel, der 1967 in Vöcklabruck als Franz Stefan Griebl geboren wurde, ist ein wahres Multitalent: Bis 1991 war er bildender Künstler, seit 1989 ist er als freier Schriftsteller tätig. Seine Werke – Bücher, Kinderbücher und Theaterstücke – wurden bisher in 23 Sprachen übersetzt. Zu seinen zahlreichen Auszeichnungen gehören u.a. der Ingeborg-Bachmann-Preis von 1995 und der Kasseler Literaturpreis für grotesken Humor von 1998.

Für seinen Roman „Die Eroberung Amerikas“ begab sich der bekennende Reisephobiker auf seine „eigene Conquista“ (Franzobel, der Standard vom 16.1.21, unter: https://www.derstandard.at/story/2000123320752/als-franzobel-seinem-romanhelden-hinterherreiste) durch die USA, Südamerika, Kuba und Algerien, er erarbeitete sich historisches Wissen anhand von Büchern und tauchte so in das Leben seines Romanhelden ein. Herausgekommen ist „ein provozierendes Gemälde […], in dem Faktum und Fiktion sich bis zur Unkenntlichkeit vermischen“ (Alexander Košenina, Frankfurter Allgemeine Zeitung, auf Buchrücken).
Der Erzähler des Romans ist nicht, wie bei historischen Romanen üblich, in der damaligen Zeit, sondern in der Gegenwart, im 21. Jahrhundert, verortet. Anhand von inneren Monologen schlüpft der Leser und die Leserin in historische Personen.
Die Geschichte des 16 Jahrhunderts ist grausam und brutal. Die Christianisierung und Zivilisierung der ‚Wilden‘ in den Amerikas war ein Vorwand, um Menschen zu versklaven, zu vergewaltigen, zu foltern – kurz: sie auszurotten. Um aus dem Roman jedoch keinen „Stimmungskiller“ (Franzobel, der Standard vom 16.1.21, unter: https://www.derstandard.at/story/2000123320752/als-franzobel-seinem-romanhelden-hinterherreiste) zu machen, arbeitete Franzobel teils groteske Details ein, die die Leser*innen staunen lassen. Denn: „Humor ist das einzig probate Mittel gegen das Grauen“ (ebd.).
Und ohne die Gräueltaten der damaligen Zeit ins Lächerliche zu ziehen, möchte Franzobel mit „Die Eroberung Amerikas“ den Blick der Leser*innen auch auf das ‚Heute‘ lenken: „Ein Blick auf so eine Geschichte zeigt nicht nur die Errungenschaften der letzten 500 Jahre, sondern auch ein von Geltungsdrang und Gier gesteuertes Verhalten, von dem wir uns trotz Humanismus und Aufklärung nur wenig emanzipiert haben“ (ebd.).

Bevor jedoch Franzobel die Bühne beehrt, wird die Jungautorin Lisa-Viktoria Niederberger aus  Fische freischneiden lesen.

Lisa-Viktoria Niederberger, geboren 1988 in Linz, hat in Salzburg Kunstgeschichte und Germanistik studiert, als Barkeeperin und Buchhändlerin gearbeitet. 2014 – 2020 editorische und veranstalterische Tätigkeit für den Salzburger Literaturverein erostepost. Das literarische Debüt “Misteln” ist 2018 erschienen. Talentförderungsprämie des Landes OÖ 2019. Gegenwärtig Dozentin für Kunstgeschichte an der VHS Linz, Studium der Kulturwissenschaften an der Kunstuniversität Linz und Arbeit als freiberufliche Autorin an diversen literarischen Projekten, u.a. im Kinderbuchbereich. Rezensionen und journalistische Beiträge für die KUPF Zeitung, mosaik-Zeitschrift für Literatur und Kultur, etc. Sie liest aus “Fische freischneiden”, dem aktuellen Manuskript.

Mehr Informationen: https://www.eventim-light.com/at/a/5ffc04ac8f154f653b5f36d6/e/6038bb8f8f154f653b5f3a6b/
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