Literatur

Buchvortrag und Interview mit Philipp Blom

24.9.2021, 19:30 Uhr - 30.11.2021, 01:26 Uhr (ics/ical Kalender Download)
Central Linz

Philipp Blom
Das große Welttheater. Von der Macht der Vorstellungskraft in Zeiten des Umbruchs

Leben wir wirklich in der besten aller Welten? Der letzte Weltkrieg ist lange vorbei, nie zuvor war die Menschheit so wohlhabend wie heutzutage, so wohlhabend.
Und trotzdem wächst die Angst, der psychische Druck steigt, die Gesellschaft, die sich über Konsum und Wirtschaftswachstum definiert, ist unsicherer und gestresster als je zuvor. Philipp Blom entwarf 2018 im Zuge der Eröffnungsrede der 100. Salzburger Festspiele mit ‚Das große Welttheater‘ „eine Art Zeitdiagnose aus der Vogelperspektive“ (Gerlinde Pölsler in: Falter vom 26.06.2020, unter: https://shop.falter.at/detail/9783552059801).

In fünf Kapiteln analysiert der Historiker die großen „Kränkungen der Menschheit“ (Arno Widmann in: Frankfurter Rundschau vom 9.6.2020, unter: https://www.fr.de/kultur/literatur/philipp-blom-grosse-welttheater-klagen-gluecklichen-zeiten-13792937.html): Sie alle haben damit zu tun, dass der Mensch im Laufe der Jahrhunderte durch die Wissenschaften immer mehr erkennen musste, wie wenig bedeutungsvoll seine Existenz eigentlich ist, wie wenig die Erde und die Natur die Menschheit als ‚Krone der Schöpfung‘ in Wirklichkeit braucht, kurz: wie unwichtig und schädlich der Mensch eigentlich ist. Was Galileo Galilei mit seinen Erkenntnissen über die Erde und das Sonnensystem begann, führte Charles Darwin weiter aus, und als die Menschheit erfuhr, dass sie nicht der Mittelpunkt des kosmischen Geschehens war, erklärte ihr Sigmund Freud, dass er, der Mensch, „nicht einmal über sich selbst Bescheid weiß“ (ebd.).

Und nun gesellt sich zur weltweiten Klimakrise, hervorgerufen durch den Menschen, der damit seine eigene Existenzgrundlage zu vernichten versucht, auch noch die Corona-Pandemie dazu.
Anhand zahlreicher Daten und Fakten beschreibt Philipp Blom das, was alle längst wissen, aber nicht wahrhaben wollen: Unendliches Wachstum, das oberste Ziel einer jeden Wirtschaftsökonomie in der Gegenwartsgesellschaft, ist mit endlichen Ressourcen schlicht und einfach nicht möglich.

Doch so düster Philipp Bloms „Welttheater“ auch sein mag. Jede Krise birgt auch eine Chance. Wenn die Menschen anfangen, sich zu überlegen: „In was für einer Art von Gesellschaft wollen wir eigentlich leben?“ (Philipp Blom, zit. in: Judith Belfkih in: Wiener Zeitung vom 28.5.20, unter: https://www.wienerzeitung.at/nachrichten/reflexionen/vermessungen/2062175-Alles-steht-auf-dem-Spiel.html), wenn sie Systeme infrage stellen, umdenken und auch danach handeln, sollte es wieder möglich werden, „eine Zukunft zu entwerfen, in der es sich lohnt zu leben“ (ebd.).

Philipp Blom, geboren 1970 in Hamburg, studierte Philosophie, Geschichte und Judaistik in Wien und Oxford. Nach mehreren Jahren in London und Paris ließ er sich in Wien nieder, wo er als Schriftsteller und Historiker seit 2007 arbeitet. Zudem schreibt er für internationale Zeitungen und Zeitschriften und moderiert die Sendung „Punkt Eins“ auf dem Radiosender Ö1. Seine Dokumentarserie „Der taumelnde Kontinent“ wurde mehrfach ausgezeichnet, ebenso wie viele seiner Bücher, unter anderem mit dem NDR Sachbuchpreis für das beste Sachbuch des Jahres 2009.

Mehr Informationen: https://www.eventim-light.com/at/a/5ffc04ac8f154f653b5f36d6/e/6038c3ad8f154f653b5f3a97/
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